Eine Skihose fürs Nesthäkchen

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Ida Eisenhut im Re­hetobler Altersheim Krone freut sich über Verwöhnendes. Über Blumen etwa. (Bild: Claudio Heller)

Ida Eisenhut im Re­hetobler Altersheim Krone freut sich über Verwöhnendes. Über Blumen etwa. (Bild: Claudio Heller)

Ida Eisenhut mag Weihnachten. Sie mochte sie schon immer, auch «als alles noch klein und fein» war. Die 84-Jährige ist die Jüngste von fünf Geschwistern. Als sie noch zur Schule ging, verdienten ihre drei Schwestern und ihr Bruder bereits erstes Geld. Die Älteren legten zusammen, um das Nesthäkchen zu überraschen. Es bekam, was es sich gewünscht hatte: Skihosen. Der Hof der Familie lag ausserhalb Urnäschs, im Winter erreichte die Kleinste die Schule nur auf den Ski, eine Stunde pflügte sie sich durch den Schnee. «Hätten nicht sechs Pferde den Weg vorgespurt, ich wäre nicht durchgekommen.» In Rock und Strümpfen brach sie jeweils auf. «Das brauchte Überwindung, aber wir kannten nichts anderes.» Irgendwann war doch genug. «Wie Sonntag» sei es gewesen, als sie die Skihose in den Händen gehalten habe. Der Christbaum stammte übrigens nicht aus einer Zucht, sondern aus dem eigenen Wald. Schöggeli verzierten ihn. Jeden Tag habe sie nur eines ablesen dürfen. «Damals war Schoggi ein Luxusgut.»

Unterdessen feiert die Pensionärin Weihnachten im Altersheim Krone in Rehetobel, bereits zum fünften Mal. Statt die Lieder aus der Sonntagsschule zu singen, hört sie nun der Bläsergruppe zu, die zu Besuch kommt. Und freut sich, wenn der Hauskater Schabernack mit der Dekoration am Christbaum treibt. Zwei Personen darf jeder Bewohner zum Festessen einladen. Sohn und Schwiegertochter sitzen mit am Tisch. «Die Tochter und ihr Mann sind nächstes Jahr wieder dran», sagt Ida Eisenhut, die als Verkäuferin gearbeitet hat, zuerst in der Metzgerei der Schwester, später im Elektrogeschäft ihres Mannes. «Ich bekomme mehr Geschenke als früher.» Darunter ist nicht mehr nur Nützliches, darunter sind nun auch Dinge, welche die Frau mit dem frohen Blick verwöhnen. Parfums, Crèmes, Blumen. Manchmal beschenkt sie sich selber. Dann fährt sie mit den Grosskindern nach St. Gallen und kauft sich etwas Schönes zum Anziehen. Nur keine Röcke, mit denen hat sie abgeschlossen.

 

Diana Hagmann-Bula