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«Eine Perle unter den Fachhochschulen»: Politiker verteidigen Führungsrolle der HSR Rapperswil

Die St. Galler Linke kritisiert, dass das Rektorat der neuen Ostschweizer Fachhochschule nach Rapperswil kommt. Kantonspolitiker aus dem Linthgebiet verteidigen den Entscheid – und verweisen auf die Spitzenleistungen der HSR Rapperswil.
Michael Genova
Überdurchschnittliche Forschungsleistung: «Die HSR Rapperswil ist eine Perle unter den Fachhochschulen», sagt CVP-Kantonsrätin Yvonne Suter. (Bild: Benjamin Manser)

Überdurchschnittliche Forschungsleistung: «Die HSR Rapperswil ist eine Perle unter den Fachhochschulen», sagt CVP-Kantonsrätin Yvonne Suter. (Bild: Benjamin Manser)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Für das Linthgebiet war die Ankündigung ein kleiner Coup: Das Rektorat der neuen Ostschweizer Fachhochschule hat seinen Sitz künftig in Rapperswil. Doch nicht alle sind darüber glücklich. Diese Woche gab der Rektor der St. Galler Fachhochschule Sebastian Wörwag seinen Rücktritt bekannt – und liess durchblicken, dass «diverse Standortentscheide» einen Einfluss auf seinen Rückzug hatten. Bereits im Januar kritisierte die SP-Grünen-Fraktion des St. Galler Kantonsrats die Ansiedlung des Rektorats in Rapperswil «widerspreche dem Ziel einer starken Ostschweiz».

Die Debatte über die neue Struktur flammt kurz vor der entscheidenden Aprilsession im St. Galler Kantonsrat auf. Das kommt vor allem bei Politikerinnen und Politikern aus dem Linthgebiet schlecht an. Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona und FDP-Kantonsrat, kritisiert den «zentralistischen Ansatz» der Linken. «Der Kanton St. Gallen hört nicht in Gossau auf», sagt er. Dezentrale Strukturen seien in der Bildung ein Vorteil. Dies zeigten Beispiele anderer Fachhochschulen. So habe die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ihr Rektorat in Winterthur und nicht in Zürich. Und die Fachhochschule Nordwestschweiz werde aus dem aargauischen Brugg-Windisch geführt und nicht aus Basel.

Starke IT-Szene in Rapperswil

Die St. Galler Linke kritisiert nicht nur den Rektoratsstandort. Dass die Leitung des Departements Informatik ebenfalls in Rapperswil angesiedelt werde, widerspreche den wirtschaftlichen Gegebenheiten im Kanton. Der Hotspot der Informatik mit weltweit führenden Unternehmen wie Namics liege in St. Gallen. Auch für dieses Argument hat Stöckling kein Verständnis: «Von einer solchen Leistungsschau halte ich wenig.» Rapperswil-Jona habe eine starke IT-Szene. So sei Hostpoint, der grösste Web-Hoster der Schweiz, in der Stadt beheimatet, ebenso wie die weltweit tätige IT-Sicherheitsfirma Compass Security.

Ab 2020 schliessen sich die Fachhochschule St. Gallen (FHS), die Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) und die Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs (NTB) zur Ostschweizer Fachhochschule zusammen. Im Januar präsentierten die Trägerkantone die neue Organisationsstruktur als sorgfältig ausbalancierten Kompromiss. Das Rektorat und die Departemente Informatik sowie Architektur, Bau- und Planungswesen werden in Rapperswil angesiedelt sein. St. Gallen bekommt die Leitung der Departemente Wirtschaft, Soziale Arbeit und Gesundheit, und Buchs wird das Departement Technik führen (siehe Grafik).

Die ETH der Ostschweiz

Politiker aus dem Linthgebiet wollen die neue Führungsrolle von Rapperswil jedoch nicht als rein regionalpolitisches Zugeständnis verstanden wissen. Sie verweisen auf die Forschungsleistung der HSR Rapperswil und charakterisieren sie als kleine ETH der Ostschweiz. «Die HSR ist eine Perle unter den Fachhochschulen», sagt die Rapperswiler CVP-Kantonsrätin Yvonne Suter. Sie sei beispielsweise in Bezug auf die Akquise von Drittmitteln «absolute Spitze». Auch in der Informatik und einer Mehrzahl der Technik-Disziplinen habe sie unbestrittenermassen die Führung unter den drei Fachhochschulen.

«Der HSR den Lead beim Departement Informatik abzusprechen, ist deshalb völlig abwegig.»

Dieser Meinung ist auch der ehemalige CVP-Kantonsrat und Unternehmer Beat Jud, der im Hochschulrat der HSR Rapperswil sitzt, sich aber nur als Privatperson äussert. Als Beispiel für die Führungsrolle im Bereich der Digitalisierung verweist Jud auf das in Rapperswil angesiedelte «Digital Lab». Dabei handelt es sich um eine Plattform zur schnellen Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Im vergangenen Jahr entwickelte das digitale Labor zum Beispiel eine Lieferdrohne, die Bestellungen über eine App entgegennimmt. Eine weitere Stärke der HSR ist laut Jud die enge Forschungs- und Entwicklungspartnerschaft mit der regionalen Wirtschaft. So sei es üblich, dass regelmässig Dozenten aus der Privatwirtschaft an der HSR unterrichteten.

CVP-Kantonsrätin kritisiert «Hauptstadtgehabe» der Linken

Die SP-Grünen-Fraktion argumentiert, dass eine Ansiedlung des Rektorats in Rapperswil das Ziel einer zukünftigen Metropolitanregion St. Gallen-Bodensee-Rheintal schwäche. Das Linthgebiet mit Rapperswil sei nach Zürich ausgerichtet. Beat Jud widerspricht dieser Logik und sieht in der Nähe zur wirtschaftlich starken Metropolitanregion Zürich sogar eine Stärke. «Rapperswil kann eine Scharnierfunktion einnehmen», sagt er. Denn die Forschungsumsätze der HSR kämen nicht nur aus der Ostschweiz, sondern aus der ganzen Schweiz. Von zusätzlichen Forschungsprojekten profitiere letztlich die Ostschweizer Fachhochschule als Ganzes.

Noch deutlicher wird Kantonsrätin Yvonne Suter. Sie bezeichnet die Kritik der Linken als «Hauptstadtgehabe», das die Bevölkerung in der Region Zürichsee-Linth zunehmend vom Kanton St. Gallen entfremde. Der Nutzen der Region könne sich nicht darin erschöpfen, Steuergeld und Schüler in den inneren Kantonsteil zu schicken, um die dortigen Strukturen am Leben zu erhalten. «Hier spielt die SP-Grünen-Fraktion mit dem Feuer», sagt Yvonne Suter. Sie wolle sich lieber dafür einsetzen, dass der Kanton St. Gallen wieder zusammenwachse und alle Regionen nach den gleichen Massstäben behandle.

Rapperswil muss bittere Pille schlucken

Tatsächlich lobbyierten Kantonspolitiker während der Gründungsphase der Ostschweizer Fachhochschule für ihre jeweilige Region. Kantonspolitiker aus dem Rheintal erkundigten sich in einem Vorstoss im Januar besorgt nach dem künftigen Stellenwert der NTB Buchs. Und der Stadtrat von Rapperswil warb in einem Brief an den St. Galler Regierungsrat für die HSR Rapperswil. «Regionalpolitische Überlegungen spielen bei Standortentscheiden immer eine Rolle», sagt Stadtpräsident Martin Stöckling. Gleichzeitig verweist er darauf, dass auch Rapperswil Kompromisse eingehen musste. So werde die Leitung für das Departement Technik künftig in Buchs angesiedelt sein, obwohl die Mehrheit der technischen Abteilungen sich in Rapperswil befinden.

«Das war für uns eine bittere Pille.»

Stadtpräsident Martin Stöckling hofft, dass es trotz der Kontroverse um die Standortentscheide zu keinen Änderungen mehr kommt. «Ich erwarte vom Regierungsrat, dass er zu seinem Entscheid steht. Und vom Kantonsrat erwarte er, dass er die Interessen des ganzen Kantons im Blick habe. «Eifersüchteleien unter den verschiedenen Regionen sind am falschen Platz.»

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