Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Tag der Bäuerin» an der Olma: Eine Nonne dirigiert 25 Häftlinge

Ob lesbische Bäuerin, Sexualtherapeutin oder Gefängnis-Seelsorgerin: Sie alle trafen sich am «Tag der Bäuerin».
Urs-Peter Zwingli
Die Diskussionsrunde am Austausch- und Vernetzungstreffen thematisierte Grenzen und deren Überschreitungen. (Bilder: Ralph Ribi)

Die Diskussionsrunde am Austausch- und Vernetzungstreffen thematisierte Grenzen und deren Überschreitungen. (Bilder: Ralph Ribi)

Ein Stoffkissen gefüllt mit Bio-Rapssamen erhielten alle Teilnehmenden am 27. «Tag der Bäuerin» an der Olma überreicht. Danach war es aber vorbei mit der Komfortzone: An der Tagung waren Grenzen und deren Überschreitung das Thema. Das Austausch- und Vernetzungstreffen der Ostschweizer Bäuerinnen gehört traditionell zu den publikumsträchtigsten der Messe. Auch gestern wollten mehrere hundert meist weibliche Gäste dabei sein, als eine Gefängnis-Seelsorgerin, eine lesbische sowie eine polnische Bäuerin mit einem Mutterkuhbauer und einer Sexualtherapeutin diskutierten. «Der Anspruch ist, dass alle Gäste mit neuen Ideen nach Hause gehen», sagt Brigitte Frick, Mediensprecherin des St.Galler Bauernverbandes, zu Beginn.

Gefängnis-Seelsorgerin mit Haube und Jeansjacke

In der Diskussionsrunde stach Schwester Veronika optisch heraus: Sie kombinierte die dunkelblaue Nonnenhaube mit einer Jeansjacke. Sie arbeitet in Graubünden als «katholische Freelance-Schwester», wie sie sagte. Sie lebt also nicht in einem Kloster, sondern bietet selbstständig Dienste als Seelsorgerin an, ist aber dem Bischof unterstellt. Nach einigen Jahren als Religionslehrerin wurde sie Gefängnis-Seelsorgerin.

«Ich mag extreme Situationen», sagte die Ordensschwester auf die Frage von Moderator und SRF-Journalist Claudio Agustoni, warum sie sich freiwillig mit Verbrechern beschäftige. So war sie mehrere Jahre als Missionarin in Bolivien tätig, «wo ich in der Natur Grenzerfahrungen gemacht habe». Im Gefängnis führt sie Gespräche und eine Gebetsgruppe.

«Dort bin ich die Chefin von 25 Männern, die oft durchtrainiert und volltätowiert sind.»

Die Kraft für diese Aufgabe schöpfe sie aus ihrer Beziehung zu Jesus. Schwester Veronika traf auf Widerstände, als sie mit 20 Jahren den Wunsch äusserte, Nonne zu werden. «Wenn man sich aber sicher ist, muss man solche Grenzen überwinden.»

Der «Tag der Bäuerin» an der Olma stellte nicht die Folklore ins Zentrum, sondern den Ausbruch aus festgefahrenen Rollenbildern.

Der «Tag der Bäuerin» an der Olma stellte nicht die Folklore ins Zentrum, sondern den Ausbruch aus festgefahrenen Rollenbildern.

Einen ähnlichen Schritt wagte die Nesslauer Bäuerin Miriam Stauffacher: Vor zwölf Jahren outete sie sich vor ihrem Umfeld als homosexuell. «Damals kannte ich im Toggenburg keine anderen Homosexuellen», sagte Stauffacher, die einen Hof und ein Restaurant mit Eltern und Lebenspartnerin bewirtschaftet. Die Reaktionen seien aber positiv gewesen. «Im Rückblick musste ich diese Grenze überwinden, damit ich ein glückliches Leben führen kann.»

Ein polnisches Stadtkind im Weisstannental

Als einziger Mann der Runde erzählte Franz Burri aus dem luzernischen Dagmersellen von frühen Wagnissen: «Als junger Bauer stellte ich von der Milchviehzucht auf Mutterkuhhaltung um. Damals erntete ich in der Region Skepsis.» 1990 startete Burri mit 15 Tieren einen Betrieb. Heute hält er über 100 Limousin-Kühe und ist ein gefragter Experte für Bauern, die von der Milchwirtschaft wegkommen wollen.

«Ich habe gelernt, dass man das machen soll, wofür man Leidenschaft hat.»

Aus wirtschaftlicher Not zur Überschreitung von Grenzen gezwungen war Anna Schneider: Die Polin verliess ihre Heimat im Jahr 2000 in Richtung Schweiz, weil sie keine Arbeit fand. Im neuen Land verliebte sie sich, gründete eine Familie und lebt heute als dreifache Mutter und Bäuerin im abgelegenen Weisstannental. «Dabei bin ich eigentlich ein Stadtkind.»

Den exzentrischsten Auftritt legte Sefika Garibovic hin: Die selbstständige Sexualtherapeutin und sozialpädagogische Beraterin kritisierte wortreich das elterliche und staatliche Erziehungssystem, «in dem problematische Jugendliche schnell mit Medikamenten ruhiggestellt werden». Statt Therapien anzuordnen gelte es, «alte Werte und klare Grenzen zu vermitteln». Darum sei der Auftritt an der Bäuerinnentagung für sie stimmig, sagte Garibovic:

«Bei den Schweizer Bauern gelten bewährte Werte sehr viel.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.