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Eine Mongolin will die Umwelt in ihrer Heimat retten – deshalb ist sie in die Ostschweiz zurückgekehrt

Ganerdene Altansukh ist aus der Mongolei in die Ostschweiz gereist – zum zweiten Mal in ihrem Leben. Hier hat sie ihr Deutsch verbessert, hier will sie mehr über die Umwelt lernen. Und in ihrer Heimat vielleicht eines Tages Umweltministerin werden.
Ursula Wegstein
Gardene Altansukh hat nicht nur Deutsch gelernt, sondern auch vieles über die Natur. (Bild: Michel Canonica)

Gardene Altansukh hat nicht nur Deutsch gelernt, sondern auch vieles über die Natur. (Bild: Michel Canonica)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die einen kommen. Unberührte Natur und endlose Weite. Ruhe und Frieden. Dschingis Khan. Pferde. Und ein Sternenhimmel zum Anfassen. Das Nomadenleben in der mongolischen Steppe entschleunigt vom hektischen Alltag. Das sind die Touristen.

Die anderen gehen. Weil die Arbeitslosigkeit hoch ist und es kaum gut bezahlte Arbeit gibt. Weil einen guten Job nur bekommt, wer viel Geld hat oder die richtigen Beziehungen. Der sogenannte Braindrain macht auch vor der Mongolei nicht Halt, dem am dünnsten besiedelten Land der Welt.

Das Leben, das die junge Ganerdene Altansukh kannte, ist das Nomadenleben, wie es ein Drittel der Bevölkerung in der Mongolei führt. «Dort hat das Leben ein anderes Tempo», erzählt sie. Fast nirgends gebe es Mobilfunkempfang. Nicht Termine und Verpflichtungen bestimmen den Tagesablauf, sondern Schafe, die gehütet und Kühe, die gemolken sein wollen. Sonne, Regen und das, was die Steppe den Tieren als Nahrung bereit hält, geben dem Tag seinen Rhythmus. Etwa viermal im Jahr ziehen die Nomaden von Weidegrund zu Weidegrund.

Als eine von inzwischen 103 Austausch-Studentinnen kam Ganerdene Altansukh 2013 nach Müllheim (TG) , um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und für ein Jahr an der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen zu studieren.

Das Austausch-Projekt Schweiz–Mongolei

Der Bildungsaustausch geht auf die Initiative der ehemaligen Thurgauer Kantonsrätin Anita Fahrni zurück. Seit 2005 kommen Studentinnen in die Ostschweiz, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und ihren Horizont zu erweitern. Die Studentinnen leben in Gastfamilien und erhalten Taschengeld, ein GA und die Krankenversicherung.

Seit 2016 organisiert der Verein Pro Mongolia den Austausch. Der Verein finanziert sich mit Spenden von Stiftungen, Firmen und Privatpersonen. Aufgrund ihrer Sprachkenntnisse haben die jungen Frauen erheblich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt in der Mongolei, sagt Robert Scherrer vom Verein Pro Mongolia. Viele unterrichteten Deutsch, arbeiteten im Tourismus oder als Übersetzerin.

Hinweis: Pro Mongolia sucht Lehrpersonen, die ab Herbst 2019 in der Mongolei Deutsch oder Englisch unterrichten möchten. Auskünfte unter 079 650 46 20.

Kulturschock in der Ostschweiz

Wie findet sich eine Frau aus der weiten Mongolei in der Ostschweiz zurecht? «Am Anfang war es ein Schock für mich», erzählt Altansukh. «Alles ist sauber, ordentlich und geplant.» Jeder sei pünktlich und verantwortungsvoll. «Alles geht hier zack-zack», findet sie. «In der Mongolei können wir nicht pünktlich sein», erzählt die Studentin weiter. Keiner wisse, wann ein Bus fährt. Wegen Staus und Verspätungen sei alles mehr oder weniger spontan. Selbst der Unterricht.

Als Altansukh nach ihrem Austauschjahr im Thurgau in die Mongolei zurückkommt, fällt ihr auf, dass der Wald dort in einem schlechten Zustand ist. Niemand engagiere sich dafür. Darum entschliesst sie sich, nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik in die Schweiz zurückzukehren, um noch mehr Wissen zu sammeln. Wissen über den Wald, die Umwelt und das urbane Ökosystem. Wissen, das in ihrer Heimat hoch im Kurs steht. Später möchte sie damit ihrem Land etwas zurückgeben.

«Zuerst dachte ich, ich könnte einmal Umweltministerin in der Mongolei werden», sagt sie.

Vielleicht sei dieses Ziel aber ein bisschen zu hoch gesteckt, denkt sie heute.

Smogdecke über der Hauptstadt

«Die Hauptstadt der Mongolei, Ulan Bator, liegt ein einem Kessel. Über der Stadt hängt eine dicke Smogdecke», sagt Altansukh. «Das liegt daran, dass überall mit Steinkohle geheizt wird. In Fabriken, Jurten und den Zentralheizungen. Auch Strom wird mit Steinkohle erzeugt.» Etwa eine Million der insgesamt drei Millionen Einwohner der Mongolei leben in Ulan Bator. Ausserdem erzählt Altansukh, würden die Bergbauern alles kaputt machen. Sie bauten die Bodenschätze ab, aber renaturierten nicht, weil ihnen das Personal dazu fehle. Mit Kohle, Kupfer und Gold ist die Mongolei eines der Länder mit den meisten Bodenschätzen der Welt.

Um mehr über Wald und Umwelt zu lernen, kommt die junge Studentin 2015 für ein Studium der Forstwirtschaft wieder in die Ostschweiz zurück – zunächst für Praktika in verschiedenen Thurgauer Forstbetrieben.«Mit Motorsäge und Sichel zu arbeiten, war für mich durchaus schwierige körperliche Arbeit», sagt die zierliche Frau.

2016 begann sie ihr Studium an der Berner Fachhochschule Zollikofen. Doch nach zwei Jahren gab sie auf – wegen Verständnisschwierigkeiten: Der Unterricht an der Berner Fachhochschule Zollikofen ist zweisprachig – auf Französisch und Deutsch. «Da ich vorher kein einziges Wort Französisch konnte, habe ich von dem Unterricht in dieser Sprache einfach zu wenig mitbekommen», sagt sie ganz ohne Bedauern. Denn sie ist eine, die weiss, was sie will: Einen Beruf, der mit Umwelt und Natur zu tun hat. Darum studiert Altansukh seit Herbst in Wädenswil Umweltingenieurwesen. «Das ist wunderschön», sagt sie, «vertieft und detailliert.»

Unterstützung der Austausch-Studentinnen

In ihrer Freizeit unterstützt Altansukh die neuen Studentinnen des Austausch-Programms. Berät sie und hilft bei Heimweh. «Wir Mongolinnen sind sehr scheu», erzählt sie. «Wir behalten unsere Probleme für uns.» Meist gebe es Schwierigkeiten mit der Sprache. «Schweizerdeutsch ist für jemanden, der zwei Jahre Deutsch studiert hat, schwierig zu verstehen.» Daher falle es den jungen Mongolinnen anfangs schwer, Kollegen zu finden.

Von ihrem Grossvater, der beim Militär war, hat Altansukh gelernt, sich durchzukämpfen. Sie selbst hat sich in der Schweiz sehr stark verändert, wie sie feststellt. «Vorher konnte ich beim Reden niemandem in die Augen schauen, da das in unserer Kultur nicht gerade respektvoll ist», erzählt die Studentin. «Das Gute ist, dass ich jetzt alleine die Probleme lösen kann», sagt sie. «Die Schweiz hat mich offener gemacht.»

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