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Eine Lehre vor der Lehre

Damit jungen Flüchtlingen die Integration ins Arbeitsleben schneller gelingt, lancieren Bund und Kantone neue Förderprogramme. Dazu gehört die einjährige Vorlehre: Im Kanton St. Gallen soll sie im August mit 64 Lernenden starten.
Sina Bühler
Junge Flüchtlinge sollen mit neuen Angeboten besser auf eine Berufslehre vorbereitet werden. (Bild: Patrick Straub/Keystone)

Junge Flüchtlinge sollen mit neuen Angeboten besser auf eine Berufslehre vorbereitet werden. (Bild: Patrick Straub/Keystone)

Sina Bühler

ostschweiz

@tagblatt.ch

Wer arbeiten kann, ist schneller in die neue Heimat integriert. Wer für einen Beruf ausgebildet ist, ist nachhaltiger ­integriert. Und wer eine Stelle findet, ist wirtschaftlich selbstständig. Für den Bundesrat sprechen alle diese Argumente für die Förderung der Arbeitsintegration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen. Deshalb hat er Anfang Jahr zwei Pilotprogramme für mehrheitlich junge Geflüchtete ins Leben gerufen. Dafür stellt das Staatssekretariat für ­Migration (SEM) in den nächsten vier Jahren insgesamt 54 Millionen Franken bereit, die zwischen 800 und 1000 Flüchtlingen zugutekommen sollen.

Finanziert werden damit eine sechsmonatige frühzeitige Sprachförderung und eine einjährige Integrationsvorlehre. Es sind Ausbildungen, die später den Einstieg in eine berufliche Grundbildung erleichtern sollen. Sie werden von den kantonalen Berufsbildungsämtern durchgeführt. So auch in St. Gallen.

Sprachkurse an drei Standorten

Wie Serge Ludescher vom St. Galler Berufsbildungsamt sagt, wird die Sprachförderung für Flüchtlinge – der sogenannte Förderkurs N – bereits im Februar starten können. «Wir werden 48 Plätze an drei verschiedenen Berufsschulen anbieten – in Buchs, Rapperswil und St. Gallen.» Die potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden über die Sozialämter und die Repas, die Regionalen ­Potenzialabklärungs- und Arbeitsinte­grationsstellen der St. Galler Gemeinden, angemeldet. Vermutlich werde es mehr Kandidatinnen und Kandidaten geben als verfügbare Plätze, sagt Ludescher. Deshalb müssen die Verantwortlichen, sprich der Trägerverein Integrations­projekte TISG und das Amt für Berufsbildung, noch eine definitive Liste zusammenstellen. «Priorität haben junge Menschen unter 25 Jahren, eine formale Altersgrenze gibt es allerdings nicht», sagt Ludescher. Meist haben sie die obligatorische Schule noch im Heimatland besucht, was ihnen die Suche nach einer Lehrstelle fast verunmöglicht. Die Förderkurse stehen im Unterschied zum einjährigen Integrationskurs, den es schon länger gibt, auch Geflüchteten im N-Status offen – das heisst, noch während des Asylverfahrens. Allerdings nur dann, wenn das Verfahren Erfolg versprechend ist. Wer in die Auswahl kommt, wird ein Semester lang 20 Wochen­lektionen mit intensivem Deutschunterricht, mathematischen Grundkenntnissen, Werten und Normen sowie einen Teil Allgemeinbildung besuchen können. So sollen die jungen Flüchtlinge besser auf eine Lehre vorbereitet sein.

Diese Vorbereitung ist auch für Geflüchtete mit besseren Sprachkenntnissen nicht so einfach. Deshalb wird auch im Kanton St. Gallen die einjährige Integrationsvorlehre eingeführt. Anders als beim Sprachkurs können sich dafür aber nur anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene anmelden. Der Kanton hat für das Schuljahr 2018/2019 zwei Projekte eingereicht: «Die Genehmigung des SEM ist zwar noch hängig, wir sind aber zuversichtlich, dass beide ­Projekte im August starten können», so Serge Ludescher.

Zwei Branchen machen bereits mit

Für die Integrationsvorlehre braucht es neben den Behörden aber noch weitere Kooperationspartner: «Die Branchenverbände oder grössere Betriebe mussten dafür ihr Interesse anmelden. Nur so können genügend Vorlehrstellen und damit auch Schulklassen gebildet werden», erklärt Serge Ludescher. In zwei Branchen hat dies geklappt: im Polybau und in der Gastronomie. Falls die Be­willigung des Bundes erteilt wird, werden 64 Vorlernende im August starten können.

Der Bund zahlt pro Ausbildungsplatz einen Pauschalbeitrag von 13 000 Franken, die restlichen Kosten übernehmen grösstenteils die St. Galler Gemeinden. Im Kanton St. Gallen sind die Gemeinden solidarisch für das Asylwesen und Integrationsprojekte zuständig. Nach einer erfolgreichen Vorlehre sollen die Absolventinnen und Absolventen in die Ausbildung mit eidgenössischem Attest oder Fähigkeitszeugnis wechseln können. Auch die Teilnehmenden der Integrationsvorlehre werden den theore­tischen Unterricht an den Berufsschulen Buchs, Rapperswil, St. Gallen und eventuell Wattwil besuchen, und die Praxis direkt in einem Betrieb erlernen.

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