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Die Klinik St.Georg in Goldach ist in Schieflage

Sie stand schon einmal vor dem Aus und geriet 2016 wegen umstrittener Stammzellen-Therapien eines russischen Arzts unter ihrem Dach ins Zwielicht. Jetzt steht der Klinik St. Georg in Goldach das Wasser erneut bis zum Hals.
Christoph Zweili
Die Privatklinik St. Georg in Goldach. (Bild: Andrea Stalder)

Die Privatklinik St. Georg in Goldach. (Bild: Andrea Stalder)

20 Zimmer, 28 Betten, ausgerichtet auf Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie und Hals-Nasen-Ohren-Behandlungen: Das bietet die Privatklinik St. Georg in Goldach an. Zu den Leistungen gehören auch Plastische Chirurgie, Urologie und Opthalmologie (Augenheilkunde). Auch wenn das lukrativ klingt: Schwarze Zahlen schrieb das 2014 nach einer Totalsanierung neu eröffnete Haus nie. «Unsere Fallzahlen sind zu niedrig und wir haben nicht genug Belegärzte an Land ziehen können», gibt Verwaltungsrats-Präsident Peter Cott freimütig zu. «Die Konkurrenz in der Branche ist gross. Die meisten Ärzte sind bereits bei anderen Kliniken unter Vertrag. Wir haben zu wenig Patienten und zu wenig Operationen.»

Der 47-jährige Rechtsanwalt mit Bündner Wurzeln führt unter anderem ein Büro in Liechtenstein. Er hat mehrere Verwaltungsratsmandate, die Klinik St. Georg führt er seit 2012 in einem Teilzeitverhältnis. «Eigene Aktien an der Klinik habe ich nicht.» Seit einem Jahr trage er sich nun mit dem Gedanken, die unrentable Klinik zu verkaufen – zunächst ohne Erfolg. Dann aber schöpfte Cott Hoffnung: «Wir haben verschiedene Gespräche geführt, bis wir bei der Privatklinik-Gruppe Genolier Swiss Medical Network SA fündig geworden sind.» Die Gruppe ist vertreten in der Westschweiz, im Tessin und in der Deutschschweiz bis Zürich – Kliniken in der Ostschweiz sind keine dabei.

Cott: «Ich grolle dem Kanton nicht»

Heidi Hanselmann, Gesundheitschefin Kanton St.Gallen

Heidi Hanselmann, Gesundheitschefin Kanton St.Gallen

Acht Monate lang habe man mit der potenziellen Käuferin verhandelt. «Vor einer Woche hat sich der CEO der Genolier-Gruppe persönlich beim St. Galler Gesundheitsdepartement vorgestellt.» Die Ansage: Die Gruppe würde die Klinik mit den 40 Angestellten übernehmen – allerdings nur, wenn der Leistungsauftrag des Kantons verlängert wird. Dieser war bisher wegen der fehlenden Wirtschaftlichkeit auf Ende Jahr befristet. Die Crux: Der Kanton hatte die Klinik St. Georg erstmals 2014 in die Spitalliste Akutsomatik aufgenommen und dies «primär volkswirtschaftlich begründet», wie es auf Anfrage beim Gesundheitsdepartement heisst. «Die Klinik war und ist für die Versorgung der St. Galler Bevölkerung nicht bedarfsnotwendig.» Der Leistungsauftrag der Klinik umfasst 17 Leistungsgruppen im Bereich von Basisleistungen, Urologie, Hals-Nasen-Ohren, Gynäkologie und Chirurgie am Bewegungsapparat.

Die St. Galler Regierung will erst im Herbst über das Ersuchen der Klinik entscheiden, wenn auch die Leistungsaufträge der anderen Spitäler und Kliniken traktandiert seien, liess er die Gesuchstellerin Mitte letzter Woche wissen. Ein vorgezogener Entscheid über die Verlängerung des Leistungsauftrags würde die aktuelle Kostenlage der Klinik ohnehin nicht berücksichtigen, massgebend wäre laut Kanton das Jahr 2017. «Dieses Vorgehen ist korrekt. Ich grolle dem Kanton daher nicht. Aber wenn er für uns keine Ausnahme macht, schwimmen uns die Felle davon», sagt Cott. «Unser finanzieller Schnauf reicht nicht bis zum Herbst. Und selbst wenn, wüssten wir nicht, wie der Kanton dann entscheidet.» Man habe daher am Montag dieser Woche das Konsultationsverfahren eingeleitet und die Belegschaft informiert. Gemäss Bundesgericht muss ein Arbeitgeber, der eine Massenentlassung plant, seinen Angestellten «ausreichend Zeit» einräumen, damit diese im Idealfall Vorschläge machen können, wie sich Kündigungen vermeiden lassen, beziehungsweise ihre Zahl beschränkt sowie die Folgen gemildert werden können. Die Klinikleitung hat in diesem Fall eine Frist bis 28. Juni gesetzt.

«Ich hätte erwartet, dass der Kanton nicht so formalistisch vorgeht. Wir bringen immerhin einen guten, potenten Käufer, der die Klinik samt Belegschaft übernimmt. Die Klinik im Top-Zustand einfach aufzugeben, ist doch stumpfsinnig», sagt Cott. Kommt angesichts der laufenden Spitaldiskussion eine mögliche Schliessung dem Kanton sogar gelegen? Gesundheitschefin Heidi Hanselmann antwortet vorsichtig: «Eine Spitalschliessung spart nicht telquel Kosten im Staatshaushalt, denn die meisten Patienten lassen sich dann einfach an einem andern Spital behandeln. Die Kantone berappen die Leistungen dann trotzdem – einfach an einem andern Spital. Gelänge es weniger Behandlungen durchzuführen, dann hätte das einen Einfluss auf die Kosten.»

Der langsame Niedergang

Vor zwei Jahren hatte die Goldacher Klinik im Zwielicht gestanden: Behörden von Bund und Kanton hatten einen Raum versiegeln lassen. Im Zentrum der Untersuchung stand die Firma Swiss Medica XXI Century SA ebenfalls mit Sitz in Goldach: Wegen Verdachts auf illegale Anwendung von Heilmitteln. Swiss Medica hatte im Internet Stammzellentherapien gegen mehr als 60 Krankheiten propagiert, darunter schwere wie Multiple Sklerose, Autismus, Alzheimer, Parkinson und Morbus Crohn. Die 2011 im Tessin gegründete Swiss Medica war bis Anfang 2016 noch in Lugano angesiedelt, seit Januar 2016 hat sie ihren Hauptsitz in der Villa Rothenstein in Goldach. Zudem war sie in einem Raum in der nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Privatklinik St. Georg eingemietet, wie der damalige Klinikdirektor Kurt A. Kaufmann gegenüber unserer Zeitung bestätigte (Ausgabe vom 13. Juni 2016). Swiss Medica in die Schlagzeilen gebracht hatte die zentrale Figur der Firma, der in Moskau wohnhafte Russe Nikolay Vorobiev, ein ehemaliger sowjetischer Militärarzt und seit 2011 Direktor und Verwaltungsratspräsident der Goldacher Firma. Auf placidway.com, einer Plattform für Medizintourismus, wird Vorobiev nach wie vor als führender Experte für Anti-Aging-Therapien gepriesen, aber auch als Psychiater, Spezialist für Suchtmittel und Zelltherapie.

Strafbare Handlungen lagen keine vor

Swissmedic, die Heilmittelbehörde des Bundes, warnt ausdrücklich vor Stammzellen-Behandlungen, wie sie Swiss Medica anbietet. Viele dieser Therapien seien nicht auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit überprüft und nie offiziell zur Verwendung zugelassen worden. St. Georg-Klinikdirektor Kaufmann sprach 2016 von einem Vertrauensbruch und distanzierte sich «von allem, was auf der Internetseite von Swiss Medica über Stammzellentherapien steht» – es gehe nicht, dass Swiss Medica auf Anfrage hin im Ausland propagiere, sie biete in der Klinik derartige Therapien an. Von Vorobiev getrennt hat sich die Klinik aber offenbar nicht: Der Russe wird immer noch als Direktor von Swiss Medica geführt.

Laut gestriger Auskunft des Schweizerischen Heilmittelinstituts ist das Verwaltungsverfahren, das Swissmedic 2016 gegen die Swiss Medica XXI Century AG führte, im Herbst 2016 abgeschlossen worden. «Der Firma wurden dabei gewisse Tätigkeiten auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin untersagt. Heilmittelrechtliche strafbare Handlungen lagen aber soweit ersichtlich keine vor», schreibt Swissmedic.

Dass es zwischen der Privatklinik und Swiss Medica zur Zusammenarbeit kam, hängt unter anderem mit Beda Hutter zusammen, Gründer und Inhaber der Goldacher Medizinaltechnikfirma Nouvag. Im Januar 2016 hatte Hutter die Firma Swiss Medica nach Goldach geholt. Seither sitzt er im Verwaltungsrat der Firma, die ihren Hauptsitz an der gleichen Adresse wie Hutters Nouvag hat.

Hutter war es auch, der die 1969 von einer Ärztegruppe gegründete Klinik St. Georg 2002 mit Millioneninvestitionen vor der Schliessung bewahrt hatte – Hutter war zudem Verwaltungsratspräsident der Klinik. Was damals viele überraschte: Die Klinik wurde an die SBU Medica AG in Appenzell verkauft, eine Investmentgesellschaft, in der seit 2012 unter anderem Cott und der St. Galler Nikolaos Makourin im Verwaltungsrat sitzen. Beide sind seit dem gleichen Zeitraum auch im Verwaltungsrat der Klinik St. Georg.

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