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Eine Grenzbrücke für Grüninger

ST.GALLEN. Kurz vor dem 40. Todestag Paul Grüningers hat die St.Galler Regierung die Idee einer Rheinbrücke für den Flüchtlingsretter gutgeheissen. Im Herbst soll ein Schweizer TV-Spielfilm mit Stefan Kurt als Grüninger gedreht werden.
Marcel Elsener
Die künftige Grüninger-Brücke über den Alten Rhein von Diepoldsau nach Hohenems, wo 1938/39 viele Juden in die Schweiz flüchteten. (Bild: Coralie Wenger)

Die künftige Grüninger-Brücke über den Alten Rhein von Diepoldsau nach Hohenems, wo 1938/39 viele Juden in die Schweiz flüchteten. (Bild: Coralie Wenger)

ST. GALLEN. An einem heissen Julitag 2011 war es, da St.Galler und Vorarlberger Grüne die Idee einer Rheinbrücke zu Ehren von Paul Grüninger lancierten; der beherzte St.Galler Polizeihauptmann, der aus humanitärem Willen wider die herrschenden Gesetze Hunderten Juden das Leben rettete, sollte nach Stadtsanktgaller und anderen Ehrenplätzen im In- und Ausland endlich auch im Rheintal einen würdigen Erinnerungsort erhalten. Idealerweise aus Anlass seines 40. Todestages am 22. Februar 2012.

Nun ist dieses Datum noch wenige Tage entfernt, und bis Anfang dieser Woche sah es nicht danach aus, als dass sich die St. Galler Regierung zum Thema äussern würde. Sieben Monate lang hörte man nichts aus der Pfalz, nicht einmal eine Grundsatzerklärung – obwohl es nur positive Reaktionen auf die Idee gab, namentlich auch auf Vorarlberger Seite.

Doch noch in diesem Jahr

Der Altstätter Kantonsrat Meinrad Gschwend, Urheber der Einfachen Anfrage, war enttäuscht und vermutete bereits dubiose Verhinderer im Hintergrund. Würde der Kanton, der sich Jahrzehnte lang schwer tat mit der Rehabilitierung des widerborstigen Chefbeamten, ein weiteres unrühmliches Kapitel in Sachen Grüninger schreiben? Kaum zu glauben. Und doch kamen Zweifel auf, auch bei den leidgeprüften Mitgliedern der Grüninger-Stiftung. Sogar international runzelte man die Stirn: So erkundigte sich etwa die deutsche Stiftung Weisse Rose – benannt nach dem Studenten-Widerstand gegen Hitler in München – in St.Gallen nach dem Stand der Ehrenbrücke.

Vorgestern ging es plötzlich schnell: Statt wie vorgesehen erst übernächste Woche zog die Regierung das Geschäft vor und nahm Stellung – und erst noch positiv. Die Brücke über den Alten Rhein zwischen Diepoldsau und Hohenems werde künftig «Paul-Grüninger-Brücke» heissen, sagt auf Anfrage David Hugi, Kommunikationsverantwortlicher des Baudepartementes. Die Regierung sei «der gleichen Meinung wie Gschwend» und halte den vorgeschlagenen Ort der Ehrung für «speziell geeignet». Dass es «länger gedauert» habe, begründet Hugi mit Abklärungen; dafür sei nun mit den Gemeinden, dem Land Vorarlberg und den Initianten «alles eingefädelt».

Nebst den Schildern an der bislang namenlosen Brücke wird eine Tafel angebracht, deren Text bereits fest steht: «In dankbarer Erinnerung» wird Grüningers Hilfe für mehr als 3000 Flüchtlinge stellvertretend auch für weitere mutige Menschen gewürdigt, die beidseits der Grenze Verfolgte vor dem Nazi-Regime retteten.

Noch nicht bekannt ist das Datum der Einweihung: Diese werde «im Verlauf des Gedenkjahres von den privaten Initianten und den Gemeindebehörden organisiert», sagt Hugi; «wohl noch im Frühjahr», präzisieren Beteiligte. Der zum jetzigen Zeitpunkt doch überraschende Bescheid der St. Galler Regierung freut die grünen Politiker Meinrad Gschwend und Bernd Bösch, Vorarlberger Landrats-Abgeordneter. Sie können es «verschmerzen», dass es mit der Ehrung nicht mehr auf das Wunschdatum reicht, aber wenigstens «im heurigen Jahr». Die zuständige Landesrätin Andrea Kaufmann sei ebenso wie der Hohenemser Bürgermeister «von Anfang an aufgeschlossen» gewesen und beide hätten dem St. Galler Bauchef Willi Haag ihre Unterstützung signalisiert, weiss Bösch.

Film im Palace und Seminar

Eine Veranstaltung nah am 40. Gedenktag gibt es dennoch: Im St. Galler Palace wird am Sonntag, 19. Februar, 11 Uhr, Richard Dindos Dokumentarfilm nach dem Buch von Stefan Keller, «Grüningers Fall» (1997), gezeigt; im Anschluss diskutieren die 90jährige Grüninger-Tochter Ruth Roduner, Ständerat Paul Rechsteiner und Historiker Stefan Keller.

Gleichenorts findet am 10. April ein zweites Grüninger-Podium statt; wiederum mit Buchautor Keller sowie weiteren Journalisten, aus Anlass eines HSG-Seminars von Theaterautor Milo Rau zur beispielhaften Aufarbeitung der jüngeren Schweizer Geschichte – Erinnerungspolitik mit aktuellen Ein- und Aussichten.

Das Ehepaar Paul und Alice Grüninger mit Tochter Ruth (Roduner-Grüninger) auf einem bislang nicht publizierten Familienbild im Jahr 1922. (Bild: Familienbesitz)

Das Ehepaar Paul und Alice Grüninger mit Tochter Ruth (Roduner-Grüninger) auf einem bislang nicht publizierten Familienbild im Jahr 1922. (Bild: Familienbesitz)

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