Eine gradlinige, gutbürgerliche Küche

Richtungswechsel in einem etablierten Restaurant sind Wagnis und Chance zugleich, das hat auch Thomas Schwarz vom «Steinbock» in Tägerwilen erfahren müssen. Bei unserem letzten Besuch im Oktober 2003 war er gerade aus dem «Sternen» in Salenstein an den Untersee gezogen und hatte das stattliche Haus von...

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Richtungswechsel in einem etablierten Restaurant sind Wagnis und Chance zugleich, das hat auch Thomas Schwarz vom «Steinbock» in Tägerwilen erfahren müssen. Bei unserem letzten Besuch im Oktober 2003 war er gerade aus dem «Sternen» in Salenstein an den Untersee gezogen und hatte das stattliche Haus von Felix Bischof übernommen. Dessen 2-Konzept-Küche – im Pavillon des Soussol die Gourmetküche, im Erdgeschoss die Appenzeller Stube mit Alltagsgerichten – bewährte sich nicht mehr, weshalb er sich auf eine einzige Karte im Haus beschränkt.

Klassiker beibehalten

Die neue Ausrichtung scheint Anklang zu finden. Vor allem in der holzgetäferten Gaststube mit Kachelofen lassen sich Gesellschaften gerne an den Schiefertischen nieder. Im Wintergarten des Pavillons treffen sich Freunde oder Paare in einer modernen, eher kühlen Ambiance. Raucher finden in der Lounge eine einladende Sitzecke mit Humidor.

«Mein Ziel ist eine gradlinige, gutbürgerliche Küche mit frischen Grundprodukten aus der Region, alles hausgemacht und vieles aus biologischem Anbau», sagt Thomas Schwarz. Regelmässig bietet er auch Spezialitätenwochen an. Seine Klassiker hat er beibehalten: Hackbraten mit Steinpilzen, Rösti und Gemüse (25.50) oder Rindsschmorplätzli an Ittinger-Bier-Sauce mit Kartoffelstock und Gemüse (27.–). Auch die speziellen Salatsaucen – Most-, Knoblauch-, Kürbiskernöl oder Rapsöl-Honigvinaigrette – sind ein Markenzeichen und inspirierten uns zur Vorspeise: Spargeln auf Rauchlachs mit Rucola an der leicht süssen Vinaigrette (17.–). Das Gegenüber äusserte sich lobend über die Morchel-Kalbfleisch-Terrine mit Rucola und Orangenschnitzen (17.–) und fand auch die Bärlauchsuppe (8.50) schmackhaft. Eine Kostprobe wert ist der Bärlauch-Ziegenkäse-Tatar auf Frühlingssalaten (15.–) oder die Kaninchen-Ravioli mit Bärlauch und Pinienkernen (17.–).

Weniger ist mehr

Am Abend unseres Besuchs war die Fisch-Auswahl beschränkt – auf der Karte gab es einzig ein gedünstetes Forellenfilet auf Blattspinat an Zitronen-Olivenöl und Reis (27.–) –, da der Wirt auf ein fangfrisches Angebot achtet. Deshalb wählten wir mit nicht minder grossem Appetit Lammrücken mit Pilzkruste auf Peterli-Gemüse mit Thymiankartoffeln und Rüebli (34.–) sowie Kalbsschnitzel an Morchelrahmsauce mit Eiernüdeli und Frühlingsgemüse (39.–); das Fleisch war comme il faut, die Saucen fein abgeschmeckt, das Gemüse marktfrisch. Das hausgemachte Rhabarber-Joghurt-Glace auf marinierten Erdbeeren (12.–) sparen wir uns für ein andermal auf; die mit Früchten garnierte Schoggi-Mousse (12.–) aus 80%-cru-Schokolade war zu verlockend – und auch die Glace (3.20/Kugel).

Der Schwerpunkt des Weinkellers liegt bei Gewächsen aus Europa und hier vor allem aus dem Bordeaux, das mit einer grossen Auswahl lockt. Zum Auftakt liessen wir uns einen frisch-fruchtigen Gelben Muskateller von Aigner aus dem Kremstal (2006) entkorken (6.–/dl). Zum Hauptgang harmonierte ein spanischer Dominio de Atauta 2002 aus dem Ribera del Duero (82.–): ein komplexer, biodynamisch ausgebauter Wein mit viel Stoff.

Unser Eindruck: Der «Steinbock» will kein Gourmet-Lokal sein, bietet aber hausgemachte, schnörkellose Gerichte aus frischen Zutaten. Der Service ist herzlich und zuvorkommend. (sj.)


Visitenkarte

Steinbock, Tägerwilen

Hauptstrasse 85, Thomas Schwarz, Tel. 071 669 11 72 Fax 071 669 17 52

www.steinbock-taegerwilen.ch

Ruhetage: Samstag mittag und Sonntag (So mittag für Gesellschaften auf Anfrage offen)

Karte: Vorspeisen 11.– bis 19.–, Hauptgänge 25.50 bis 44.–; Mittagsmenus 15.– bis 27.–

Besonderes: Spezialitätenwochen, Kochkurse, Bankette, Catering, Kunst-Ausstellungen.

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