«Eine gehörige Schlappe»

Hans M. Richle, Präsident des St. Galler Gewerbeverbandes, ist enttäuscht. Die Befürworter längerer Ladenöffnungszeiten im Kanton haben am Wochenende eine klare Abfuhr erlitten. 63,5 Prozent der Stimmenden legten ein Nein in die Urne.

Regula Weik
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Es bleibt wie bisher: Um 19 Uhr ist abends Schluss mit einkaufen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Es bleibt wie bisher: Um 19 Uhr ist abends Schluss mit einkaufen. (Bild: Hanspeter Schiess)

St. Gallen. Er sei «überrascht und enttäuscht», sagt Hans M. Richle, Präsident des kantonalen Gewerbeverbandes. Nach einer Pause fügt er an: «So eine Schlappe, eine gehörige. Das hätte ich nie gedacht.» Er habe mit einem knappen Ausgang gerechnet – so oder anders herum. «Es wurde eine Chance verpasst.»

Diese hätte geheissen: Die St. Galler Geschäfte können während der Woche von Montag bis Freitag bis 20 Uhr offenhalten – freiwillig. Heute und nach dem gestrigen Abstimmungsresultat auch künftig gilt im Kanton St.

Gallen Ladenschluss 19 Uhr.

Deutlich wie vor 14 Jahren

Von der einen Stunde länger Einkaufen am Abend wollte eine wuchtige Mehrheit der St. Gallerinnen und St. Galler nichts wissen. Das Resultat ist fast so deutlich wie damals, vor vierzehn Jahren, als das Stimmvolk die erste Ladenschlussvorlage mit einer Zweidrittelmehrheit verwarf.

Damals sollten die Läden von Montag bis Freitag von 5 bis 21 Uhr offen halten können; hinzu kamen vier Sonntagsverkäufe. Sieben Jahre später war das Thema erneut auf dem Tisch – leicht moderater. Die neue Vorlage sah während der Woche Öffnungszeiten von 6 bis 21 Uhr vor. 6000 Stimmen gaben damals den Ausschlag – gegen die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten.

«Terrain schlecht vorbereitet»

Im dritten Anlauf nun – wiederum sieben Jahre nach der letzten Abstimmung – blieb der Sonntag zwar heilig. Auch abends wurde «nur» eine Stunde mehr gefordert. Trotzdem ist das Verdikt deutlich: 63,5 Prozent Nein-Stimmen.

«Hart war es für das Thema schon immer in unserem Kanton», sagt Regierungsrat Joe Keller. Doch wirklich überrascht ist der Volkswirtschaftsdirektor über den Abstimmungsausgang nicht. Es hätten verschiedene Gründe mitgespielt – gewerkschaftliche, familienpolitische, kirchliche.

«Umgekehrt kamen die gewerbepolitischen Argumente von weniger Verboten, mehr Flexibilisierung beim Volk nicht an», sagt Keller. Für ihn ist klar: «Das Terrain war schlecht vorbereitet. Die Vorlage, bereits die dritte, kam für viele Leute zu rasch. Sie erlebten das als Zwängerei. Und sie empfangen das Anliegen als herbeigeredet.»

Dann fügt er eine ganz andere Überlegung an: Wenn es um «den Schutz vor Mitbewerbern» gehe, seien der Staat und die Regelung via Gesetze immer gefragt.

Nur zwei Gemeinden sagten Ja

Gewerbepräsident Richle geht mit Regierungsrat Keller einig: «Es waren verschiedene Mosaiksteine, die zum Nein führten.» Und die Uneinigkeit des Gewerbes? Es gab begeisterte Befürworter und engagierte Gegner.

Hat der Verband an den Mitgliedern vorbei- politisiert? «Es gab Gegenstimmen», sagt Richle, «das bestreite ich nicht.» Doch die verschiedenen Gremien des Verbandes hätten alle zugestimmt.

Eine kleine Genugtuung bleibt Richle: Rapperswil-Jona – die Gemeinde hat dank Sonderregelung bereits heute längere Öffnungszeiten – stimmte der Vorlage zu. «So schlecht kann die Idee also nicht sein», sagt Richle. Ein Ja resultierte einzig noch in Amden.

«Jetzt gehen wir eben ins Internet oder in den Thurgau einkaufen», sagt Richle leicht deprimiert. «Ein furchtbarer Tag.»