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«Wo ist hier die Nachhaltigkeit?»: Der St.Galler Grünen-Präsident kritisiert die Migros wegen Frucht aus China scharf

Der St.Galler Kantonsrat und Grünen-Präsident Thomas Schwager ärgert sich beim Einkauf in der Migros über plastikverpackte Honigpomelos aus China. Die exotischen Früchte werden vom Grossverteiler als «marktfrisch» angepriesen. Die Migros verteidigt das Vorgehen.
Tim Naef

«Liebe Migros, heute schäme ich mich besonders, bei Dir einzukaufen!», echauffiert sich Thomas Schwager, Kantonsrat und Präsident der St.Galler Grünen, auf Facebook. Der Grund für seinen Ärger: Eine in Plastik eingeschweisste Frucht aus China, die er bei seinem Einkauf in der Migros-Filiale Neumarkt entdeckte. «Es waren Honigpomelos», präzisiert Schwager auf Nachfrage. Er habe zunächst googeln müssen, was das überhaupt für eine Frucht sei.

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Grundsätzlich stehe ihm die Migros als Genossenschaft näher als andere Grossverteiler wie Lidl oder Aldi. Doch dass die Zitrusfrucht aus Fernost als «marktfrisch» angepriesen werde, sei ihm extrem sauer aufgestossen.

Frucht wurde als «marktfrisch» angepriesen

Thomas Schwager, Kantonsrat und Präsident der St.Galler Grünen. (Bild: Regina Kühne)

Thomas Schwager, Kantonsrat und Präsident der St.Galler Grünen. (Bild: Regina Kühne)

«Die Früchte kommen aus China. Und sie sind einzeln in Plastik eingepackt», sagt Schwager. Dazu sei das Ganze noch als «marktfrisch» angepriesen worden. Das gehe so nicht. «Was in Gottes Namen denkt sich ein Migros-Einkäufer, der eine Frucht aus China in die Produktepalette aufnimmt, bei welcher man zuerst auf Wikipedia nachschauen muss, um zu erfahren, was es überhaupt ist?», fragt Schwager.

«Das soll Generation M sein? Wo ist hier das Versprechen mit Zukunft?»

Damit spricht Schwager das Nachhaltigkeitsprogramm der Migros an. Mit dem Werbespruch «Generation M – Versprechen mit Zukunft» verpflichtet sich der Schweizer Grosshändler nach eigenen Angaben, «die Umwelt zu schützen, den nachhaltigen Konsum zu fördern, gegenüber Gesellschaft und Mitarbeitenden sozial und vorbildlich zu handeln und uns für einen gesunden Lebensstil einzusetzen.»

Schwager sagt, das Beispiel mit den Honigpomelos zeige einmal mehr, dass das vermeintliche Versprechen für die Zukunft einzig und allein ein Marketing-Gag eines Konzerns sei.

Stellungnahme Migros

Dem widerspricht Patrick Stöpper, Mediensprecher der Migros. Der Plastik habe hier einzig und alleine die Aufgabe, die Früchte auf ihrer vierwöchigen Reise frisch zu halten. Ohne diese Verpackung würden die Honigpomelos austrocknen. «Früher hatte es gar noch ein Netz um die Frucht», so Stöpper. Dieses lasse man aber aufgrund von Nachhaltigkeitsüberlegungen mittlerweile weg.

Die Verpackung habe zudem direkt mit der Bezeichnung «marktfrisch» zu tun. «Marktfrisch bedeutet in diesem Fall schlicht, dass die Frucht trotz eines vierwöchigen Transports frisch in unseren Läden ankommt. Stöpper bekennt aber, dass man dies falsch verstehen könne.

Was ist eine Honigpomelo und wo wird sie angebaut?

Die Honigpomelo ist eine Sorte der Pomelo, auch Pampelmusen genannt, welche hauptsächlich in Israel und Südafrika angebaut wird. Dabei stellt die Honigpomelo eine besondere Züchtung dar, welche wiederum nur in Südchina auf der Insel Yuhan angebaut wird. Die Luftlinie in die Schweiz beträgt dabei rund 9300 Kilometer.

Kritik an der Nachhaltigkeit der Migros

Für die Migros ist es bereits das zweite Mal innert weniger Tage, dass die Nachhaltigkeitspolitik der Genossenschaft in der Kritik steht. Diese Woche wurde bekannt, dass der Obi-Baumarkt Arbeiter aus Polen mit dem Car in die Schweiz einfährt, um die Inventur zu machen – die Migros betreibt als Franchise-Nehmerin alle elf Obi-Filialen in der Schweiz.

Es stellte sich auch hier die Frage, ob das Vorgehen mit dem Programm «Generation M» vereinbar ist. «Für zukünftige Inventuren werden wir gemeinsam mit unserem Dienstleister prüfen, ob sich die Anreisedistanzen optimieren lassen», sagte Migros-Mediensprecher Andreas Bühler gegenüber dieser Zeitung am Donnerstag auf Anfrage.

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