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Eine einzige CVP-Hochburg

In den Kantonen Thurgau und St. Gallen ist die SVP zwar die wählerstärkste Partei. Abgestimmt wird aber meist gemäss den CVP-Parolen, wie eine Arbeit an der Universität Zürich zeigt.
Christoph Zweili

Dass die Stadt St. Gallen linker wählt als die Landgemeinden, die Gemeinden Homburg und Eichberg rechter als Romanshorn und Rorschach, ist bekannt. Gemeinhin werden Orte, in denen eine Partei überdurchschnittlich hohe Anteile erzielt, als Wählerhochburgen bezeichnet. Lukas Lauener, in Davos aufgewachsener Datenjournalist, definiert die Hochburgen anders: Er hat für seine Arbeit im Rahmen eines Masterseminars über politischen Datenjournalismus am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Zürich die nationalen Abstimmungsausgänge in allen Gemeinden auf ihre Übereinstimmung mit den Parteiparolen verglichen und sie als Blog veröffentlicht – zu finden unter pwipdm.uzh.ch/word press.

Von der CVP repräsentiert

Der 24-Jährige kommt nach der Auswertung von 52 eidgenössischen Abstimmungen zwischen 2008 und Februar 2014 zum Schluss, «dass eine überwältigende Mehrheit der Gemeinden durch die CVP am besten repräsentiert wird».

Der Blick in die Ostschweiz zeigt: In der Stadt St. Gallen beträgt die Übereinstimmung mit der CVP 67,03 Prozent, gefolgt von den Mitteparteien BDP, GLP, FDP sowie SP und Grünen. Die politische Realität ist allerdings eine andere: Im Stadtparlament sitzen heute 16 SP-Vertreter sowie 13 CVP-Politiker, 10 FDP, 9 SVP, 5 Grüne, 4 GLP, 2 EVP, 2 Junge Grüne, 2 Juso, 1 BDP, 1 Politische Frauengruppe.

Frauenfeld: SVP an fünfter Stelle

In Frauenfeld ist die Übereinstimmung mit den Parolen der CVP mit 69,69 Prozent noch höher. Anders als erwartet kommt die SVP mit 55,92 Prozent erst an fünfter Stelle. Im 40köpfigen Stadtparlament stellt sie mit 10 Sitzen aber die stärkste Fraktion, gefolgt von FDP (6), SP (5), Chrampfe & Hirne (5), CVP (4), Grüne (4), EVP (3), GLP (1), EDU (1) und Menschen für Frauenfeld (1).

Begonnen mit der Volksinitiative «Gegen Kampfjetlärm in Tourismusgebieten», über die Minarett-Initiative, die Vorlagen zu sechs Wochen Ferien und Begrenzung des Zweitwohnungsbaus bis hin zur SVP-Masseneinwanderungs-Initiative decken die untersuchten Abstimmungen ein breites Themenfeld ab. Eine interaktive Karte stellt aus Sicht jeder Gemeinde dar, welche Partei am nächsten bei ihrer Stimmbevölkerung politisiert und wie gross die prozentualen Übereinstimmungen mit den Parteien sind. Abweichungen der Kantonalparteien zu den Mutterparteien hat Lauener berücksichtigt.

Die Beispiele St. Gallen und Frauenfeld sind keine Ausreisser: Auch in der restlichen Ostschweiz kommen die Abstimmungsempfehlungen der Christlichdemokratischen Volkspartei klar am besten an. Eine überwältigende Mehrheit der untersuchten Gemeinden weist in Sachfragen auf Bundesebene die grösste Übereinstimmung mit der Mittepartei aus.

Nur 30 überwiegend ländliche Gemeinden im Thurgau, im Rheintal und im Süden des Kantons St. Gallen stimmen am häufigsten nach SVP-Parolen ab, obwohl die Schweizerische Volkspartei in beiden Kantonen die wählerstärkste Partei ist. SVP-Abstimmungshochburg ist die Ausserrhoder Gemeinde Schönengrund mit einer Übereinstimmung von 68,22 Prozent (siehe Kasten).

In der Ostschweiz folgt die Gemeinde Mörschwil mit einer Übereinstimmung von 66,52 Prozent am treusten den FDP-Parolen, obwohl der Wähleranteil der Freisinnigen nur 17,76 Prozent beträgt. In den ehemaligen SP-Hochburgen im Oberthurgau, Arbon und Romanshorn, ist mit Übereinstimmungsanteilen von rund 55 Prozent immer noch Sympathie zu den Sozialdemokraten auszumachen. Am höchsten ist die Übereinstimmung mit den SP-Parolen in der Ostschweiz heute aber in Trogen mit 61,82 Prozent, gefolgt von St. Gallen (60,6), Rehetobel (58,06) und Rorschach (57,9). In Frauenfeld orientieren sich immerhin noch 55,83 Prozent an den SP-Parolen.

BDP hat Potenzial

Interessant wird Laueners Arbeit dort, wo er die Übereinstimmungswerte mit den 2011 erzielten Wahlresultaten auf Gemeindeebene vergleicht. Stimmen die Gemeinden so, wie sie gewählt haben? Wie erwartet ist das längst nicht überall so: Wo die Differenzen zwischen Abstimmungsübereinstimmung und Wähleranteil am grössten sind, spricht Lauener daher optimistisch von Potenzial. «Das kann natürlich auch heissen, dass es eine bestimmte Partei dort gar nicht gibt», bekennt der Masterstudent freimütig.

Demnach hätte die BDP im Appenzeller Vorder- und Mittelland noch grosses Potenzial. Mit andern Worten: Hier folgen die Wähler zwar dem Gedankengut der Bürgerlich-Demokratischen Partei, wählten deren Vertreter 2011 aber nur unterdurchschnittlich oft. Die Sozialdemokraten sollten im ausserrhodischen Rehetobel auf Stimmenfang gehen. Noch eine Erkenntnis: Vor vier Jahren wählten die Innerrhoder trotz weitgehender inhaltlicher Übereinstimmungen nicht die SVP. Und auch nicht die FDP – «die hätte das grösste Potenzial», sagt Lauener.

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