Eine Badi für die Volksgesundheit – die Geschichte der Erholungs- und Sportanlagen Altstätten

1970 wurde mit dem Bau des Sportzentrums der Genossenschaft Erholungs- und Sportanlagen Altstätten begonnen.

Benjamin Schmid
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Auf dem Areal der ehemaligen Badeanstalt entstand im Sommer 1970 das grosse Lehrschwimmbecken.

Auf dem Areal der ehemaligen Badeanstalt entstand im Sommer 1970 das grosse Lehrschwimmbecken.

Bild: Archiv

Am 17. Januar 1967 gründeten sportbegeisterte Altstätter mit Unterstützung der Stadt die Genossenschaft Erholungs- und Sportanlagen Altstätten (Gesa). Man war der Ansicht, dass immer mehr Menschen in ihrem beruflichen Alltag an Bewegungsmangel leiden. Volksgesundheit und Freizeitgestaltung spielten eine je länger je bedeutendere Rolle. Die um die Jahrhundertwende gebaute Badeanstalt entsprach nicht mehr den steigenden Anforderungen der Zeit.

Ausserdem fehlte der Platz für weitere sportliche Aktivitäten. Es musste was getan werden. Das Sportzentrum war ein Gemeinschaftswerk privater Initiative und öffentlicher Beihilfe. Ohne die Beharrlichkeit der Gesa, rund um Vincenz Candrian, wäre das Projekt in den Anfängen gescheitert. Ebenso wenig wäre es zustande gekommen, hätten nicht Gemeinderat und Schulräte samt ihren Bürgern die Bereitschaft bekundet, den Löwenanteil der Kosten von etwa vier Millionen Franken zu übernehmen.

Modernstes Sportzentrum des Rheintals

Nachdem das Bauland beschafft und die Finanzierung organisiert worden waren, galt es, den mannigfaltigen Wünschen aus der Bevölkerung gerecht zu werden. Auf der Anlage, die südlich der Heidenerstrasse bis 1971 entstehen sollte, nahm das Hallenbad einen besonderen Platz ein, war es doch das erste im Rheintal. Die Freibadanlage, bestehend aus einem Sport-, einem Sprung-, einem Lehrschwimm- und einem Planschbecken war zur Erholung nicht nur der Altstätter Bevölkerung angedacht. Die Fussballer freuten sich auf einen Fussballplatz mit Zuschauerrampe und Flutlicht, während sich die Leichtathletinnen und Leichtathleten auf die Sprung- und Wurfanlage sowie die Laufbahn freuten.

Angrenzend zum Fussballplatz konzipierte Architekt Albert Bayer einen Hartplatz für zahlreiche Ballspielarten. Eine provisorische Spielwiese wurde geplant, die der Quartierjugend für Ballspiele und den Vereinen für Trainingszwecke zur Verfügung gestellt werden sollte. Oder gegebenenfalls auch als Bauplatz für eine spätere Eissportanlage genutzt werden konnte. Mit einem dreitägigen Festakt hatte Altstätten im Mai 1971 das modernste Sportzentrum des Rheintals in Betrieb genommen.

Gedicht der Altstätter Jugend

(xa) Grosse Leute, grosse Sorgen – die Gesa koste sehr viel Geld, doch Ihr mögt’s uns nicht verargen: ein Punkt, der für uns noch nicht zählt.

Wir möchten Luft und uns bewegen, wir haben Überschuss an Kraft, wir möchten schwimmen auch bei Regen, das alles habt ihr uns beschafft! Vor allem soll man das Hallenbad loben, unter Wasser noch strahlt es hell; für die Damenwelt sind oben Bar-Frisiertische zur Stell’!

Draussen fördern viele Becken die Aktion «Gesundes Volk»; 50 Meter lange Strecken, für alle Lernenden Lehrschwimmbecken, drei Sprungbretter, die in den Himmel recken, ein hübsches «Mutter und Kind»-Planschbecken, eine Rutschbahn wird den Rutschbedarf decken, der Rasen das Volk an die Sonne schrecken!
Nun lasst Euch aber noch erzählen, von der Schnelllaufpiste für Weltrekorde, von Männern, die sich liessen wählen, für Parlamentarier-Fussballsport! Von Nachtbeleuchtung, dunklem Turnier, von Zuschauerrampe und Caférevier, von Handball-, Volley- und Korbballfeld, für die Zukunft von dem vielen Geld, das bald eine Kunsteisbahn wir erlauben, man soll sogar an den Tennisplatz glauben. In den vielen neuen Dingen, die jeder sicher zu nutzen weiss; wissen wir noch ein Lied zu singen: Vita-Parcours für Säugling und Greis!Bevor Ihr alle von dieser Feier zufrieden, begeistert geht nach Haus, für die Herren Candrian, Stadler und Bayer sei dieser schöne Blumenstrauss!