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EINBÜRGERUNG: Wiler Stadtparlamentariern über Bekim Alimi: "Ich habe immer wieder gehört, dass er zwei Gesichter habe"

Über die Einbürgerung des Wiler Imams Bekim Alimi muss das Stadtparlament entscheiden. Erika Häusermann von der GLP hat Alimi dazu einen umstrittenen Fragenkatalog zugestellt und nun Antworten erhalten, denen sie nur bedingt Glauben schenkt. Sie findet, dass für Prediger andere Masstäbe gelten sollen als für Privatpersonen.
Johannes Wey
Erika Häusermann (GLP) ist der Meinung, dass bei der Einbürgerung von Imamen andere Massstäbe gelten sollen als bei muslimischen Privatpersonen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Erika Häusermann (GLP) ist der Meinung, dass bei der Einbürgerung von Imamen andere Massstäbe gelten sollen als bei muslimischen Privatpersonen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Frau Häusermann, am 5. April behandelt das Wiler Stadtparlament die Einbürgerung von Bekim Alimi. Wie werden Sie abstimmen?
Ich bin bei dieser Sitzung gar nicht im Parlament, ich bin dann leider im Ausland in den Ferien. Wenn ich vor Ort wäre, würde ich Nein stimmen, weil das Gesetz keine Möglichkeit vorsieht, das Geschäft zurückzuweisen und nochmals eingehender zu prüfen. Für mich kommt die Abstimmung zu früh.

Die Kantonspolizei, das Staatssekretariat für Migration und sogar der Nachrichtendienst des Bundes sehen keine Einwände gegen die Einbürgerung Alimis.
Ich bin überzeugt, dass diese Behörden ihre Arbeit gut gemacht haben. Und ich bin überzeugt, dass Bekim Alimi integriert ist und gegen keine Gesetze verstösst.

Und das soll für eine Einbürgerung nicht reichen?
Für eine Privatperson schon. Ich habe überhaupt kein Problem, wenn ein Muslim sich einbürgern lassen will. Aber bei einem Imam, der auf seine Gemeinde einen grossen Einfluss hat, sollte man genauer hinschauen. Bekim Alimi soll im kleinen Kreis Haltungen vertreten, die seinen Antworten auf meine Fragen widersprechen. Ich habe über ihn immer wieder gehört, dass er zwei Gesichter habe. Diese Ansicht teilt auch Islamexpertin Saïda Keller-Messahli, die auch meinen Fragenkatalog kennt.

Was für Widersprüche meinen Sie?
Begebenheiten, die von Verena Gysling, einer ehemaligen Stadtparlamentarierin der Grünen Prowil, an mich herangetragen wurde. Ein Teil meiner Fragen bezog sich auf solche Schilderungen, die Gysling bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit von muslimischen Frauen zugetragen wurden. In einer Männerrunde in der Moschee soll ein Vater Alimi gefragt haben, was er machen solle, wenn sein Sohn eine Andersgläubigbe heiraten wolle. Er solle den Sohn verstossen, habe Alimi gesagt. Um all das zu klären, habe ich ihm persönlich die zwölf Fragen gestellt.

Sie sagen, bei einem Imam müsse man kritischer hinschauen als bei einer Privatperson. Würden Sie beispielsweise bei einem evangelikalen Priester aus Brasilien oder den USA dieselben Massstäbe anlegen?
Ja, da würde ich ähnliche Fragen stellen.

Sind Sie mit Alimis Antworten auf Ihre Fragen zufrieden?
Seine Antworten sind vorbildlich. Würde man ihn daran messen, wäre er ein besserer Schweizer als viele andere. Danach können ihn nun auch die Mitglieder seiner Gemeinde beurteilen. Sein Bekenntnis zu Toleranz und Offenheit verpflichtet ihn nun zu entsprechendem Handeln. Ob das klappt, werden wir nun auch von seinen Gemeindemitgliedern erfahren. Aber gerade deswegen finde ich es zu früh, schon jetzt über Alimis Einbürgerung zu entscheiden.

Weshalb sind Sie mit Ihrem Fragenkatalog überhaupt an die Öffentlichkeit gegangen?
Ich habe meinen Parlamentskollegen die zwölf Fragen an Bekim Alimi mit einem Begleitbrief zugeschickt, damit ist es auch öffentlich.

Ihr Vorgehen wurde auch kritisiert, unter anderem vom Philosophen Michael Rüegg.
Diese Reaktion habe ich überhaupt nicht verstanden. In der Schweiz darf man doch zu allem Fragen stellen. Ich habe aus dem ganzen Land sehr viele Rückmeldungen per Mail und Telefon erhalten. Diese waren bis auf zwei allesamt positiv. Unter anderem wurde mein Mut gelobt. Aber ich finde gar nicht, dass das mutig war. Das gehört einfach zu meiner Arbeit als Parlamentarierin.

Bekim Alimi fühlt sich gedemütigt.
Auch das kann ich nicht nachvollziehen und das war in keiner Weise meine Absicht. Ich habe sachliche Fragen gestellt zu seiner Haltung zu den Werten und Normen der Schweiz . Solche Fragen müssen sich alle Einbürgerungswilligen gefallen lassen.

Zusammen mit seinen Antworten hat Bekim Alimi Ihnen auch eine Gegenfrage gestellt: Welches Verhalten oder welche Aussage bringen Sie dazu, an seinem Wohlwollen zu zweifeln?
Ich stelle sein Wohlwollen nicht in Frage. Ich habe ihm einen Katalog von Fragen zugestellt, um darauf Antworten zu erhalten.

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