EINBRUCHZAHLEN: Einbrecher meiden die Abgeschiedenheit

Eichberg, Hemberg und Oberhelfenschwil sind jene St. Galler Gemeinden, die im vergangenen Jahr keine Einbrüche zu verzeichnen hatten. Leute auf dem Land seien generell aufmerksamer, heisst es dort.

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Elsi Hofstetter erinnert sich noch gut an den Einbruch in ihren Dorfladen in Eichberg. Die Pferde hinter dem Haus seien in der Nacht plötzlich unruhig geworden. Dass aber Einbrecher um den Laden geschlichen waren, daran dachte sie damals nicht im Traum. Zigaretten, Trockenfleisch und Bargeld seien gestohlen worden. «Nach dem Einbruch haben wir einen Hund gekauft», erzählt Hofstetter, danach sei nie mehr etwas passiert. Auch andere Kleinbetriebe im Dorf wurden in jener Nacht Opfer der Diebesbande. Das Fahrzeug der Einbrecher wurde später in Zürich gefunden.

Das Ganze liegt rund 20 Jahre zurück. Den Laden hat Hof­stetter mittlerweile an ihre En­kelin weitergegeben. Einbrüche gibt es in Eichberg kaum, und wenn, dann erinnern sich die Leute daran. 2012 brachen Nachtbuben ins Gemeindehaus ein. Danach wurde eine Kamera installiert. 2014 unternahmen die «Schnuderis», wie Hofstetter die Einbrecher nennt, noch einen Versuch, wurden aber dabei ertappt.

Lange Fluchtwege und wachsame Einwohner

Gemäss Kriminalstatistik 2016 gehen die Einbruchzahlen im Kanton St. Gallen zurück (Ausgabe von gestern). Weshalb in Eichberg so wenig Einbrecher ihr Unwesen treiben, kann Gemeindeschreiber Gregor Kaiser nicht mit Bestimmtheit sagen. «Weil wir so arm sind?», witzelt er. «Vielleicht war es auch einfach Glück.» Sicher aber sei, dass man auf dem Land generell wachsamer sei. Wenn ein fremdes Auto durchs Dorf fahre, dann schaue man schon genauer hin, so Kaiser. «Vielleicht ist auch die Polizei präsenter geworden.»

Das wird künftig zunehmend der Fall sein. Die Kantonspolizei wird ihr Korps in den kommenden Jahren ausbauen und vor allem im Gebiet Bodensee-Rheintal, das bei Diebesbanden vor ­allem wegen der Autobahn-Nähe besonders beliebt ist.

Insgesamt wenig beliebt bei Einbrechern ist das Toggenburg. Oberhelfenschwil ist seit drei Jahren einbruchfrei. «Das sind zwar erfreuliche Nachrichten. Aber es wäre fatal, deswegen jetzt un­vorsichtig zu werden», sagt der Oberhelfenschwiler Gemeindepräsident Toni Hässig. Ihm seien aus den vergangenen Jahren nur ein paar vereinzelte Fälle bekannt. Vor rund zehn Jahren ­wurde etwa ins Gemeindehaus eingebrochen. Die wenigen Fälle begründet Hässig mit der Abgeschiedenheit des Dorfs, das auf einer Anhöhe liegt. «Der Fluchtweg zur Autobahn ist weit», so Hässig. Auch Hemberg blieb 2016 von Einbrüchen verschont. Die Leute hier seien wohl generell aufmerksamer und bei Fremden eher etwas misstrauischer, sagt Gemeindeschreiber Cornel Schmid. Den Hauptgrund sieht aber auch er in der geografischen Lage des Dorfs, das sich wie Oberhelfenschwil auf einem Hügel befindet.

Roman Hertler

roman.hertler@tagblatt.ch