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Was Meghan Markle, kann der Ständerat schon lang

Silvan Lüchinger

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Meghan Markle, gewesene Serviertochter, hatte in ihren Brautschleier die Blumenflora aller 53 Länder eingestickt, die zum britischen Commonwealth gehören. Es ist nicht anzunehmen, dass sie alle Blumen mit Namen kennt. Eine Herzogin von Sussex ist für Höheres vorgesehen als für Botanik. Dennoch: Was die Engländer als Gestaltungswurf feiern, ist im Berner Bundeshaus schon lange zu bewundern. Nicht handgestickt zwar, aber handgeschnitzt.

Meghan Markle und ihr Commonwealth-Schleier. (Bild: Getty)

Meghan Markle und ihr Commonwealth-Schleier. (Bild: Getty)

Wenn die Vereinigte Bundesversammlung tagt, zwängen sich auch die Ständeräte in den Nationalratssaal. Beispielsweise bei Bundesratswahlen. Ihre Sitze stehen im Halbrund an der Saalwand. Ähnlich einem Chorgestühl, dessen Rückwand mit reichen Flachschnitzereien verziert ist. Damit jede und jeder den richtigen Stuhl findet, sind den Kantonen zwei Pflanzen zugeordnet – erwartbar bei den einen, überraschend bei anderen.

Entworfen hat die Holzbilder der Lehrer, Bildhauer und Publizist Ferdinand Huttenlochner, ein Baden-Württemberger. Umgesetzt hat sie Otto Weber, ein Bieler. Warum sie dem Kanton Appenzell Innerrhoden die Kapuzinerkresse zugeordnet haben, ist schwer erklärbar. Vielleicht wegen des damals noch blühenden Klosters? Immerhin: Die Pflanze ist in allen Teilen essbar, und ihre farbigen Blütenblätter zieren bis heute manchen Salat. Was sich von der Balkongeranie nicht sagen lässt. Dennoch müssen sich die Ausserrhoder auf ihrem Ständeratsstuhl mit dieser Zierpflanze abfinden. Dass es die Pelargonie in unzähligen Varianten gibt, ist ein schwacher Trost; die ursprüngliche Heimat Südafrika hilft dem Tourismus auch nicht wirklich weiter. Wenn sich der Innerrhoder und der Ausserrhoder Ständerat gut vertragen, ist das möglicherweise der Kapuzinerkresse zu verdanken. Sie wirkt entzündungshemmend und antibakteriell.

Auch eine blinde Sau findet manchmal...

Die St. Galler Ständeräte können einen gewissen Stolz nicht verbergen, wenn sie ihre Plätze einnehmen. Die Schöpfer des Gestühls haben ihnen eine Eiche zugedacht, mit zahlreichen Eicheln an den Zweigen und einem putzigen Eichhörnchen im Geäst. Unter dem Baum tummelt sich ein Wildschwein. Wer dabei an den Volksmund denkt, wonach auch eine blinde Sau manchmal eine Eichel findet, kann nur ein boshafter Nachbar sein. Tatsache ist: Eichenlaub gilt seit der Antike als Symbol für Souveränität und Solidität. Ein Eichenlaubkranz findet sich auch auf dem Zehnräppler. Wer den Zehner nicht ehrt, wird nie ein reicher Kanton. Eher rätselhaft erscheint dagegen die wilde Brombeerranke mit Fuchs und Pilzen über dem zweiten St. Galler Sitz. Brombeeren sind an sich schon in Ordnung; sie können aber auch zur Plage werden. So viele St. Galler gibt es in Bundesbern allerdings nicht.

Gänzlich überraschungsfrei nehmen sich da der Birnbaum und der Apfelbaum des Thurgaus aus. Allerdings nur auf den ersten Blick. Wilde Rosen und ein Zaunkönig deuten an, dass der Kanton mehr zu bieten hat als Mostobst. Erst recht gilt das für den kämpferischen Hasen, der sich im Klee unter dem Apfelbaum einem Jagdhund entgegenstellt. Der Entscheid, welcher der Thurgauer Standesvertreter der Hase und welcher der Jagdhund ist, bleibt dem Betrachter überlassen.

Hinweis Rosmarie Honegger: Berner Bundeshausbotanik, Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft Zürich, 2018.

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