Ein Wenigredner ergreift das Wort

MÖRSCHWIL. Bruno Damanns Kandidatur für die Regierungswahlen hat viele überrascht. Ausserhalb von St. Gallen und Gossau sei er zu wenig bekannt, sein politischer Leistungsausweis bescheiden, wird kritisiert. Doch Damann ist bereit, zu kämpfen.

Marion Loher
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«Als Selbständigerwerbender kenne ich die täglichen Sorgen eines KMU», sagt Bruno Damann, Arzt und CVP-Kandidat für die Regierungsratswahlen. (Bild: Urs Bucher)

«Als Selbständigerwerbender kenne ich die täglichen Sorgen eines KMU», sagt Bruno Damann, Arzt und CVP-Kandidat für die Regierungsratswahlen. (Bild: Urs Bucher)

Warmer, langanhaltender Applaus für Bruno Damann. Soeben ist der Arzt, Stadtrat und Kantonsrat aus Gossau von den Delegierten der kantonalen CVP zum Regierungsratskandidaten nominiert worden. Die Gesichtszüge des 58-Jährigen entspannen sich, und für einen Moment glaubt man, ein Lächeln auf seinen Lippen zu erkennen. Emotionale Ausbrüche sind nicht sein Ding. In einem Interview sagte der Mannschaftsarzt des FC St. Gallen einmal, dass er bei einem Treffer seines Teams nicht gleich den Sitznachbarn umarme. Trotzdem freue er sich – «halt eben mehr innerlich». Und so hat sich Damann auch an der Versammlung vom Donnerstagabend wohl mehr im stillen gefreut. Seine Tischnachbarn, Regierungsrat Beni Würth und Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler, jedenfalls blieben von Umarmungen verschont.

Ein Politiker, der zu hören kann

Damanns Nomination für die Regierungswahlen im nächsten Frühjahr kommt für viele überraschend. Zu wenig bekannt sei er, zu unscheinbar, zu alt, sagen Kritiker. Ausserdem sei sein politischer Leistungsausweis auf kantonaler Ebene bescheiden. Kein «politischer Crack» eben.

«Bruno, wer?» dürfte sich denn auch der eine oder andere Nicht-Gossauer, Nicht-CVPler und Nicht-FC-St. Gallen-Fan gefragt haben. Ja, wer ist Bruno Damann eigentlich? Parteiintern lautet die Antwort: «Ein ruhiger, unermüdlicher Schaffer, der extrem gut vernetzt ist, aber nicht nach Aufmerksamkeit giert», sagt der Präsident der Kantonalpartei, Patrick Dürr, an der Nominationsversammlung. Fraktionschef und Neu-Nationalrat Thomas Ammann bezeichnet Damann als einen «Mann der Taten und nicht der grossen Worte». «Sehr viel Sozialkompetenz und Teamfähigkeit, aber auch Durchsetzungsvermögen» spricht ihm der abtretende Regierungsrat Martin Gehrer zu. Als Arzt könne er gut zu hören, was für einen Politiker eine unübliche Eigenschaft sei, sagt Kantonsrat Andreas Widmer.

Bei Bekannten und langjährigen Weggefährten, die politisch das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne haben wie Damann, tönt es nicht viel anders. Er pflege einen angenehmen Umgang, sei ein gradliniger, ehrlicher und loyaler Typ, heisst es. Er arbeite lösungsorientiert, sei zuverlässig und immer auf Konsens aus.

Eines ist Damann mit Sicherheit nicht: ein Vielredner. Während seiner Zeit im Gossauer Stadtparlament von 2005 bis 2012 trat er nur selten ans Rednerpult. Aber wenn er das Wort ergriff, dann hörten ihm die Parlamentarier von links bis rechts aufmerksam zu. Nicht selten folgten sie seinen Empfehlungen. Als Parlamentskollege wurde Damann geschätzt. Das zeigte unter anderem seine Wahl 2009 zum Parlamentspräsidenten: Sie fiel einstimmig aus.

Wahlkampferprobter Steinbock

Damann ist verheiratet und Vater von fünf Kindern im Alter von 14 bis 29 Jahren. Die Familie wohnt seit bald 30 Jahren in Gossau. Er ist Mitinhaber des dortigen Ärztehauses und kenne deshalb die «Sorgen eines KMU». Der Regierungsratskandidat ist nicht bekannt für Schnellschüsse. Er lässt sich Zeit, grübelt, wägt Vor- und Nachteile ab. Das hat er auch vor drei Jahren getan, als man ihn für das Stadtratsmandat anfragte. Damals brachte er den Parteivorstand beinahe zur Verzweiflung, weil er sich so viel Zeit gelassen hatte. Ein Bauchentscheid sei es auch diesmal nicht gewesen. Doch die Exekutivarbeit liege ihm, das habe er in den letzten drei Jahren als Stadtrat gemerkt, sagt Damann. Und er wolle die Chance nutzen, die sich ihm nun biete. Er sei bereit, zu kämpfen. Schliesslich sei er «Steinbock» und wahlkampferprobt. Der letzte liegt nur wenige Wochen zurück. Den Sprung in den Nationalrat schaffte er nicht – wie bereits vor vier Jahren. Der achte Platz auf der CVP-Zwölferliste in diesem Jahr war eine Enttäuschung.

Eine solche will er bei den Regierungswahlen vermeiden. «Beni und ich wären ein gutes Gespann», sagt Damann. Der Regierungsrat und der Kandidat haben einiges gemeinsam. Beide sind in Mörschwil aufgewachsen, und geschäftliche Beziehungen pflegten schon ihre Urgrossväter. «Benis Urgrossvater verkaufte meinem Urgrossvater vier Aren Garten in Mörschwil.»