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Kommentar

Ein weiterer Sargnagel für die serbelnde Kleinpartei

Der Hitler-Tweet des Thurgauers Thomas Keller zeigt die Schwächen der BDP. Als Kleinpartei mit nationalem Anspruch muss die BDP auch auf kantonaler Ebene einen Apparat in Betrieb halten, ohne dafür genügend taugliches Personal zu haben.
Andri Rostetter
Andri Rostetter (Bild: Ralph Ribi)

Andri Rostetter (Bild: Ralph Ribi)

Der Fall Thomas Keller kommt für die BDP zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. National befindet sich die Partei im Sinkflug, im April stolperte der Bündner Kantonalpräsident über den Bauskandal – und kurz darauf gab Parteichef Martin Landolt via «Sonntagsblick» bekannt, dass er sein Amt bald einmal zur Verfügung stellen will. Das ist schlechte Werbung für eine ohnehin serbelnde Kleinpartei.

Dass jetzt noch ein unbedeutender Thurgauer Provinzpolitiker die einst blühende Bundesratspartei mit einer fatalen Unbedarftheit in die nationalen Schlagzeilen katapultiert, ist für die BDP ein weiterer herber Schlag. Die Resonanz solcher Fehltritte hat aber nicht nur mit der Breitenwirkung der Sozialen Medien zu tun, sondern auch mit den Strukturen der Partei selber. Die BDP fand überall dort einen guten Nährboden, wo die SVP als staatstragende Partei auf die konfliktträchtige Blocher-Linie umschwenkte. Das war in Bern und Graubünden der Fall.

In der Ostschweiz ist die Kleinpartei dagegen nie auf einen grünen Zweig gekommen. Die SVP hat in diesen Kantonen keinen Wandel durchgemacht. Im Thurgau ist die SVP nach wie vor behäbig-regierungstreu, in St. Gallen war sie das nie. Damit fehlten die wichtigsten Voraussetzungen für einen bürgerlichen Neuanfang. Gleichwohl bekamen beide Kantone ihre eigenen BDP-Ableger. Im Kanton St. Gallen leidet die Partei seit ihrer Gründung 2009 – abgesehen von der Periode unter Richard Ammann – unter Querelen in der Parteileitung, Personalproblemen und Führungsschwäche. Im Thurgau geht es der BDP nicht viel besser.

Die Krux: Als Kleinpartei mit nationalem Anspruch muss die BDP auch auf kantonaler Ebene einen Apparat in Betrieb halten, ohne dafür genügend taugliches Personal zu haben. Wer kein Jahrhunderttalent ist, muss als Grünschnabel in den etablierten Parteien zuerst einmal die Ochsentour der Basisarbeit überstehen. In einer Kleinpartei wie der BDP kann man auch von politischer Erfahrung unbeleckt rasch Karriere machen. Bestes Beispiel ist der St. Galler Ex-BDP-Präsident Michael Moser. Der Buchser wurde als 29-Jähriger an die Spitze der Kantonalpartei gewählt, nach gerade einmal zwei Jahren als Präsident eines unbedeutenden Regionalkomitees. Moser hat den Bettel bereits wieder hingeworfen, jetzt will ein anderer Nachwuchspolitiker den Karren aus dem Dreck ziehen.

Unter diesen Voraussetzungen wird es die BDP schwer haben, wieder zu jener Kraft zu werden, die sie in den Jahren nach der Blocher-Abwahl einmal war. Ihr Image als bürgerliche Alternative für die Anständigen hat die Partei ohnehin längst verloren. Der Hitler-Tweet ist nicht das Ende der BDP, aber ein weiterer Sargnagel.

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