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«Ein Warnruf vor der inneren Kündigung»

Die Regierung hat den Protestbrief von 1024 Kantonsangestellten beantwortet. Doch die Kritik verstummt nicht, wie das Beispiel von Fred Reutlinger zeigt. Er macht seine persönliche Empörung öffentlich.
Marcel Elsener
Fred Reutlinger-Ehrbar, Mitarbeiter St. Galler Amt für Wirtschaft, Abteilung Support. Bild: PD

Fred Reutlinger-Ehrbar, Mitarbeiter St. Galler Amt für Wirtschaft, Abteilung Support. Bild: PD

Letztlich gehe es ihm um «Angstfreiheit», um ein «angstfreies, freudiges Arbeitsklima» mit gegenseitigem Respekt, sagt Fred Reutlinger-Ehrbar. «Es kann nicht sein, dass das Personal Angst hat vor der Regierung. Und dass man vor jeder Novembersession Einbussen befürchtet.»

Reutlinger, seit 29 Jahren im öffentlichen Dienst, jahrelang für Tourismus zuständig, heute Support-Mitarbeiter, hat einen Brief an die Regierung geschrieben, mit Kopie an die Presse. Das habe er in dieser Form zeitlebens noch nie getan, sagt er. Bislang habe er sich, auch als Vorstand im VPOD, zusammen mit anderen für das Personal eingesetzt. Jetzt gelte es aber, persönlich Farbe zu bekennen. Der Grund für sein Schreiben ist die Verärgerung über das neue Lohnsystem, Reutlinger gehört zu den Erstunterzeichnern des offenen Briefs. Zugespitzt hat sich die Empörung nach der Antwort der Regierung, doch den «letzten Zwick» gaben ihm die Aussagen von Kantonsplaner Ueli Strauss, und die Tatsache, dass niemand aus der Verwaltung dessen Kritik an der Personalpolitik namentlich unterstützt. Wie wenn das «Angstklima» bestätigt werden müsste.

«Ich bin über die Reaktion empört», schreibt Reutlinger an die Regierung. «Sie gehen in keiner Weise auf die Bedenken, Ängste, Verletzungen, und Ansprüche der 1024 unterzeichnenden Staatsangestellten ein.» Vielmehr rechtfertige die Regierung nur ihr Handeln. «Ihre ganze Argumentation deutet nicht darauf hin, dass Sie unsere Anliegen, Hoffnungen und Bedürfnisse verstehen oder verstehen wollen. lch habe vielmehr den Eindruck, dass sie das sperrige, langwierige Projekt endlich abschliessen wollen.» Sodann erinnert Reutlinger an die Befürchtungen, die das Personal seit der Abschaffung des Beamtenstatus (1997) «immer wieder» äusserte. Dass nämlich «der öffentliche Arbeitgeber (Regierung, Kantonsrat, Personalamt) nicht in der Lage sein wird, den Wechsel weg vom hoheitlichen Handeln aus einer übergeordneten Position heraus hin zu partnerschaftlichem Handeln auf Augenhöhe zu vollziehen». Dies blieben sich beide Parteien – Arbeitgeber wie Arbeitnehmer – seit 20 Jahren schuldig. «Keine der vielen Änderungen des Personalrechts wurde paritätisch ausgehandelt.» Nun hätten sich in der Projektführung von Nelo «alle Befürchtungen bewahrheitet», schreibt Reutlinger und folgert: «Der Kanton St.Gallen hat die sozialpartnerschaftlichen Grundsätze nicht verinnerlicht.»

«Sozialpartnerschaft ist keine lästige Pflicht»

Reutlinger beansprucht in seiner subjektiven Einschätzung keine Allgemeingültigkeit. Und er weiss, dass sich ältere Angestellte schwerer tun mit Veränderungen in der Arbeitswelt und «bessere Begründungen» erwarten. Doch er vermutet, dass sich das schweigende Dreiviertel der 4000 informierten Personen «nicht einfach mit der Situation abgefunden hat». Mit Bezug auf die 1024 Unterzeichner schreibt er an die Regierung: «Diese Mitarbeitenden bieten Hand, aktiv an einem Konsens mitzuarbeiten. Denn sie wollen sich nicht hoheitlich verwalten lassen.» Ihr Unmut sei als «Warnruf kurz vor der Resignation und der inneren Kündigung zu verstehen». Wenn die Regierung diesem «Aufschrei» nicht gerecht werde, «dann nehmen Sie als Kollateralschaden in Kauf, dass viele ehemals hochmotivierte, bestqualifizierte Mitarbeitenden bei der erstbesten Gelegenheit zu Arbeitgebern wechseln, die einen respektvolleren Umgang mit ihrem Personal pflegen».

«Selbst nach 29 Dienstjahren und unzähligen ähnlichen Erfahrungen hoffe ich weiterhin auf eine bessere Sozialpartnerschaft», schliesst Reutlinger seinen Brief, den er als «Psychohygiene» versteht. Bestenfalls, hofft er, bei der Regierung «das Sozialverständnis» zu fördern – für ein nächstes Mal. Auf dass die Sozialpartnerschaft «als Chance und nicht als lästige Pflicht» verstanden werde. Und«nie mehr als Einbahnstrasse». (mel)

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