Ein Teilerfolg für die Italiener

Das Konsulat bleibt zwar geschlossen. Dennoch können die in der Ostschweiz lebenden Italiener bald wieder ihren Pass in St. Gallen verlängern lassen – an einem Schalter im Kulturzentrum. So ganz glücklich sind die Italiener mit dieser Lösung allerdings nicht.

Marion Loher
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ST. GALLEN. Die Italiener in der Ostschweiz haben Grund zur Freude: Ab nächstem Monat können sie ihre konsularischen Angelegenheiten wieder in St. Gallen erledigen. Seit der Schliessung des Konsulats im vergangenen Sommer mussten die in der Ostschweiz lebenden Italiener jeweils nach Zürich fahren, um beispielsweise ihren Pass verlängern zu lassen. Nun hat der italienische Generalkonsul in Zürich die Eröffnung eines konsularischen Schalters im Kulturzentrum am Unteren Graben in St. Gallen beschlossen. Dieser wird einmal in der Woche am Nachmittag geöffnet haben, erstmals am Montag, 4. Mai, von 13 bis 19 Uhr.

Ziel bleibt eine Agentur

«Selbstverständlich freuen wir uns. Der Schalter ist ein Schritt in die richtige Richtung», sagte Rolando Ferrarese, Leiter des italienischen Kulturzentrums, an der gestrigen Medienorientierung. So ganz glücklich scheinen er und seine Kollegen des St. Galler «Comites» (Komitee der Italiener im Ausland) aber nicht zu sein. «Unser Ziel ist nach wie vor eine konsularische Dienstleistungsagentur, die täglich geöffnet hat und in der zwei bis drei Beamte arbeiten.» Dafür würden sie weiterkämpfen.

Bei der jetzigen Lösung werde lediglich ein Beamter während sechs Stunden in St. Gallen sein. Ob er den Andrang bewältigen könne, werde sich zeigen, sagte Komiteemitglied Carlo Ancora. Der Schalter dürfte tatsächlich rege genutzt werden. Schliesslich ist St. Gallen die Anlaufstelle für 56 000 in der Ostschweiz lebende Italiener.

Rekurs weiter hängig

Noch hängig ist ein Rekurs gegen die Schliessung des Konsulats. Dabei geht es vor allem um die vom italienischen Staat aufgeführten Kosten, die bei einer Schliessung eingespart werden können. Der Rekurs sei vom italienischen Verwaltungsgericht in Rom angenommen worden. Wann diesbezüglich ein Entscheid fallen werde, sei schwierig zu sagen, hiess es gestern bei den Komiteevertretern.

Gegen Schliessung gekämpft

Als im Januar 2014 bekannt wurde, dass der italienische Staat aus Spargründen das Konsulat in St. Gallen – wie auch in anderen Städten – schliessen wird, war der Ärger in der Ostschweiz gross. Die hiesigen Italiener wollten den Entscheid nicht einfach so hinnehmen und begannen, um den Erhalt des Konsulats zu kämpfen. Sie schickten zahlreiche Briefe nach Rom, demonstrierten vor dem Gebäude und zogen mit Fackeln durch die Gassen der St. Galler Altstadt. Der italienische Staat blieb jedoch bei seinem Entscheid: Im Juli gleichen Jahres wurden die Türen des italienischen Konsulats in St. Gallen für immer geschlossen. Der Leiter des Kulturzentrums, Rolando Ferrarese, ist sich allerdings heute noch sicher: Mit der Schliessung seien keine Einsparungen erzielt worden.

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