Ein Tag im Schlamm

ALTSTÄTTEN. Autos im Garten, Schlamm vor der Tür und überflutete Keller. In Altstätten sieht es am Tag nach den Überschwemmungen chaotisch aus. Auf solche Wassermassen vorbereitet war niemand.

Nina Rudnicki
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Bewohner und Ladenbesitzer retten aus ihren Häusern, was die Flut nicht zerstört hat. Aus den Räumen im Erdgeschoss fegen sie den letzten Matsch. Die Keller stehen noch unter Wasser. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Bewohner und Ladenbesitzer retten aus ihren Häusern, was die Flut nicht zerstört hat. Aus den Räumen im Erdgeschoss fegen sie den letzten Matsch. Die Keller stehen noch unter Wasser. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Ein Bagger schaufelt Geröll, riesige Felsbrocken und ganze Baumstämme aus dem Stadtbach in Altstättens Zentrum. Ununterbrochen fahren mit Schutt beladene Lastwagen durch die verschlammten Strassen. Den Weg zwischen den vielen Schaulustigen, Anwohnern, Zivilschützern und Feuerwehrmännern hupen sie sich frei.

Am Tag nach der Überschwemmungsnacht vom Montag gleicht das Zentrum einem Ameisenhaufen. Fast jeder hat eine Schaufel in der Hand, kratzt den Schlamm vor seiner Haustüre oder in der Garage zusammen. In den Kellerfenstern stecken Schläuche, mit denen das Wasser nach draussen gepumpt wird. Seit drei Stunden steht der Zivilschützer Samuel Hardegger an einem Kellerfenster in der Ringgasse. Es ist kurz vor Mittag. «Da unten war alles voll. So viel Wasser abzusaugen, dauert eben», sagt er. Beim Haus gegenüber habe man gleich einen Gülletank eines Bauern gefüllt und weggebracht. «Und sobald ich hier fertig bin, gehe ich weiter zum Keller der Metzgerei Ritter.»

Gesperrte Strassen

Das Zentrum Altstättens sieht am übelsten aus. Schlimm getroffen hat es aber auch das Kloster Maria Hilf. Hier haben die Wassermassen den Naturkeller überflutet. Und die Trogenerstrasse, die über den Ruppen führt, ist an diesem Vormittag wegen verschiedener Schlammabgänge gesperrt. Ausserdem sind einige Haushalte ohne Wasser. Die Leitungen wurden beschädigt oder zerstört.

«Das Wasser kam so schnell, uns blieb keine Zeit zu reagieren», sagt der Altstätter Vize-Stadtpräsident Reto Walser. «Das Ausmass ist verheerend. Dieses Unwetter wird uns noch lange beschäftigen.» Walser, der seit 50 Jahren in Altstätten lebt, kann sich an nichts Vergleichbares erinnern. Umso wichtiger sei es, die Bäche so schnell als möglich freizuräumen und die Kanalisationen zu spülen, damit das Wasser abfliessen kann. Die Feuerwehr und 70 Zivilschützer helfen dabei.

Container im Schutt-See

Ausserhalb des Zentrums, am Kesselbach, sieht es nicht ganz so dramatisch aus. Am Strassenrand liegt noch etwas Matsch. Trotzdem stehen hier Bagger am Ufer parat. «Wenn es wieder zu regnen beginnt oder es Baumstämme hinunter schwemmt, können wir den Bach sofort freischaufeln, bevor er verstopft», sagt Ralph Dietsche, Kommunikationschef des regionalen Führungsstabs Oberes Rheintal. Er gibt den Tip, sich die Baustelle einer Überbauung gleich gegenüber dem neuen Rathaus anzuschauen. Diese erinnert denn auch eher an einen See. Die 3,5 Meter tiefe Baugrube ist bis oben mit Wasser gefüllt. In der Mitte treibt ein Container, in dem sonst Bauarbeiter Znüni essen.

Stapel aus Autos im Vorgarten

Die Stadt rechnet mit weit über hundert Schadensmeldungen von privaten Haushalten. Alleine am Spangelnweg, der gleich am Stadtbach liegt, stapeln sich Autos in den Vorgärten. Gartenhäge sind eingedrückt und Kinderschaukeln verbogen. Dieses Bild, das wie aus einem Hollywood-Tornado-Film wirkt, scheint die Bewohner aber kaum noch zu beeindrucken.

Eine ältere Dame kommt mit einer vollen Einkaufstasche zurück, stapft durch den Schlamm, quetscht sich an einem zerstörten Auto vorbei und verschwindet dann hinter ihrer Haustüre. Ohne dabei eine Miene zu verziehen.

Entlang des Stadtbachs türmen sich angespülte Autos. (Bild: Hanspeter Schiess)

Entlang des Stadtbachs türmen sich angespülte Autos. (Bild: Hanspeter Schiess)

Helfer befreien die Stadt von Schlamm und riesigen Felsbrocken. (Bild: Hanspeter Schiess)

Helfer befreien die Stadt von Schlamm und riesigen Felsbrocken. (Bild: Hanspeter Schiess)

Es ist kaum möglich, hinauszugehen, ohne im Schlamm zu waten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Es ist kaum möglich, hinauszugehen, ohne im Schlamm zu waten. (Bild: Hanspeter Schiess)

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