Ein Stück Olympia im Säntispark

ABTWIL. Für die zwei Leiter ist es «das Mass aller Dinge»: Seit Januar ist ihr Zentrum für Medizin und Sport im Säntispark offiziell ein «Swiss Olympic Medical Center». Von diesem Qualitätslabel profitieren künftig auch Spitzensportler.

Janique Weder
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Kyrill Oehninger, Europameister bei den Curling-Junioren, trainiert mit Physiotherapeutin Monika Hofstetter. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Kyrill Oehninger, Europameister bei den Curling-Junioren, trainiert mit Physiotherapeutin Monika Hofstetter. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Hans-Ulrich Backes bringt es auf den Punkt: «Mehr kann sich ein Sportmediziner nicht erarbeiten.» Die Freude und der Stolz stehen ihm und Co-Leiter Patrik Noack ins Gesicht geschrieben. Seit Januar trägt das Zentrum für Medizin und Sport im Säntispark das Qualitätslabel «Swiss Olympic Medical Center». «Die Auszeichnung steht für die Leidenschaft, die wir in die Praxis stecken», so Noack.

Die Ostschweiz holt auf

Schweizweit gibt es lediglich zwölf «Swiss Olympic Medical Centers». In der Ostschweiz sind sie gar rar vertreten, denn zehn der zwölf Zentren befinden sich in oder westlich von Zürich. «Mit dem Standort in Abtwil konnten wir die Lücke im Osten schliessen», sagt Hans-Ulrich Backes. Ein zweites Ostschweizer Zentrum befindet sich in Bad Ragaz. Das medizinische Zentrum des Grand Resorts trägt das Label seit 2004.

Swiss Olympic ist eine Dachorganisation der Schweizer Sportverbände. Sie vergibt das Qualitätslabel an jene medizinischen Zentren, die sich schwerpunktmässig um die Betreuung von Spitzensportlern und Nachwuchsathleten kümmern. Kernkompetenzen der Zentren sind laut Swiss Olympic «sportmedizinische und labortechnische Untersuchungen sowie Leistungsdiagnostik und medizinische Trainingsberatung».

Mit guten Beziehungen alleine kommt aber niemand zum begehrten Label – das Dossier für die Richtlinien zur Labelvergabe umfasst 14 Seiten.

«Geräte rentieren nicht»

Hans-Ulrich Backes kennt die Anforderungen, die Swiss Olympic stellt, aufs genaueste: «Nebst den personellen Voraussetzungen ist auch eine passende Infrastruktur Pflicht.» Dafür hätten Noack und er neue Geräte für «mehrere hunderttausend Franken» anschaffen müssen. «Aus betriebswirtschaftlicher Sicht rentiert das nicht», sagt Backes. Doch die Praxis kann auf finanzielle Unterstützung zählen. Zu ihren Partnern gehören die Klinik Hirslanden, die Orthopädie am Rosenberg und die Medbase-Gruppe, wobei letztere einen Grossteil des Budgets abdecke.

Viel ändere sich laut den Leitern nicht. Trotz Labels gehe der berufliche Alltag der Ärzte so weiter wie bis anhin. «In erster Linie ist die Zertifizierung für die Sportlerinnen und Sportler von grosser Bedeutung», so Noack. Denn ab sofort darf die Praxis nach Swiss-Olympic-Tarif abrechnen. Will heissen, dass die Dachorganisation bei ausgewählten Athleten bis zu 60 Prozent der Kosten übernimmt. «Ohne Label wäre das unmöglich», sagt Noack.

Doch auch den beiden Sportmedizinern bedeutet das Label viel. Sie sehen es als Zeichen der Anerkennung seitens Swiss Olympic: «Eine solche Auszeichnung ist das Mass aller Dinge – noch eine Stufe höher, noch eine Stufe besser wie bisher.» Über zehn Jahre trug das Zentrum bereits das Label «Swiss Medical Base approved by Swiss Olympic» – eine Art Kleinausgabe des Medical Centers.

Dario Cologna in Abtwil betreut

Ob sie nun mehr Aufträge erhalten, können die Ärzte nicht sagen. «Wahrscheinlich klopfen in Zukunft mehr Vereine und Verbände an», sagt Backes. Die Praxis sei aber bereits jetzt oft ausgebucht. «Bleibt der grosse Ansturm aus, ist das kein Weltuntergang.» Noack fügt an: «Unser Einkommen machen wir sowieso nicht mit den Profis.» Denn das Zentrum ist auch eine herkömmliche Arztpraxis: Allgemeinmediziner, Physiotherapeuten, Orthopäden, Kardiologen, Kinderärzte oder Chiropraktiker. Die Angebotspalette ist breit. Lang ist die Liste der betreuten Spitzenathleten: Mit Langläufer Dario Cologna und Triathletin Nicola Spirig sind nur zwei prominente Namen genannt. Aber auch Nachwuchstalente trainieren im Säntispark. So etwa Curling-Hoffnungsträger Kyrill Oehninger. Mit Physiotherapeutin Monika Hofstetter arbeitet der Junior-Europameister an seinen Knieproblemen.

Backes ist Arzt des FC St. Gallen

Hans-Ulrich Backes betreut seit Jahren die U21-Fussballmannschaft und ist im Medical- Team des FC St. Gallen. Zweimal jährlich untersucht er dessen Mannschaft – von Kopf bis Fuss. «Wir messen allerlei; Grösse, Gewicht, BMI, Fettanteil, Rumpf- und Sprungkraft.» Dann fügt Backes lachend hinzu: «Da zeigt sich jeweils, wer an Weihnachten zu viel gefuttert hat.»

Patrik Noack (Bild: HANSPETER SCHIESS SCHIESSFOTOGRA)

Patrik Noack (Bild: HANSPETER SCHIESS SCHIESSFOTOGRA)

Hans-Ulrich Backes (Bild: HANSPETER SCHIESS SCHIESSFOTOGRA)

Hans-Ulrich Backes (Bild: HANSPETER SCHIESS SCHIESSFOTOGRA)

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