«Ein spezielles und schönes Gefühl»: «New York Times» berichtet über Holzbau einer Gossauer Firma 

Die Gossauer Blumer-Lehmann AG hat einen der weltweit grössten Holzbauten realisiert: den neuen Swatch-Hauptsitz in Biel. Geschäftsführer Richard Jussel spricht über das mediale Interesse bis in die USA und die grössten Herausforderungen beim Bau.

Dinah Hauser
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Der neue Hauptsitz der Swatch-Group in Biel: Nach fast fünf Jahren Bauzeit wurde der 240 Meter lange Holzbau eingeweiht. (Bild: Keystone)

Der neue Hauptsitz der Swatch-Group in Biel: Nach fast fünf Jahren Bauzeit wurde der 240 Meter lange Holzbau eingeweiht. (Bild: Keystone)

Die Swatch Group hat mit dem neuen Hauptsitz in Biel auch eines der weltweit grössten Holzgebäude erhalten. Die Gossauer Firma Blumer-Lehmann AG hat den 240 Meter langen, schlangenförmigen Bau nach einem Modell des japanischen Architekten Shigeru Ban realisiert. Sogar die «New York Times» berichtete kürzlich über das Gebäude und Holz als zukunftsträchtiges Material.

Was bedeutet es für Sie als Geschäftsführer, wenn internationale Medien über Ihre Arbeit berichten?

Richard Jussel, Geschäftsführer Blumer-Lehmann AG. (Bild: PD)

Richard Jussel, Geschäftsführer Blumer-Lehmann AG. (Bild: PD)

Richard Jussel: Wir sind in der ganzen Welt tätig. Momentan haben wir Projekte in neun Ländern, unter anderem England, Südkorea und der Türkei. Zudem arbeiten wir immer wieder mit bekannten Architekten zusammen. Dennoch ist es ein sehr spezielles und schönes Gefühl von einem amerikanischen Medium aufgegriffen zu werden. 

Erwarten Sie nun mehr Anfragen?

Was wir direkt merken, sind die vermehrten Besucher auf unserer Homepage. Die Architekten beobachten das Geschehen in der Branche. Der eine oder andere merkt sich das und kommt dann vielleicht später auf uns zu, wenn er ein Bauwerk plant.

Worauf achten Architekten?

Einerseits auf Kompetenz. Wir konnten das Swatch-Gebäude mit seinen 4600 Einzelteilen fehlerfrei und im Zeitplan aufstellen. Dadurch hinterlassen wir eine gute Visitenkarte. Andererseits liegt Holz im Trend. Mit unserer Arbeit demonstrieren wir, was Holz alles kann.

Wie war Ihre Zusammenarbeit mit dem Architekten?

Das Zusammenspiel lief sehr gut. Shigeru Ban war sehr interessiert an den handwerklichen Abläufen und hat uns mehrere Male besucht. Wir haben gegenseitiges Vertrauen aufgebaut. Gerne würden wir wieder mit ihm zusammenarbeiten.

Welches waren die grössten Herausforderungen beim Bau?

Vor allem die Geometrie war sehr anspruchsvoll. Bei über 2800 Flächen à zirka 2,2 mal 2,2 Meter war kein rechter Winkel dabei, jedes Bauteil war einzigartig. Für die Montage war Millimeterarbeit erforderlich. Zudem war es wichtig, dass die 4600 Teile in der richtigen Reihenfolge produziert und geliefert wurden. Hätten wir im gesamten Prozess einen Fehler gemacht, wäre schnell ein Millionenschaden entstanden.

Was sind Vorteile von Holz?

Es bindet CO2 und verursacht im gesamten Herstellungsprozess nur wenig graue Energie für etwa Transport, Lagerung und Verkauf. Es ist ein leichtes und gut bearbeitbares Material mit einer hohen statischen Eigenschaft. Es eignet sich also gut als Träger oder Stütze. Verbaut ist es ein sehr angenehmer Stoff zum Wohnen und Leben.

Was sind die Nachteile?

Man muss es vor Feuchtigkeit schützen, bis es fertig montiert ist. Das stellt in der Regel aber kein grosses Problem dar. Ausserdem ist es wichtig, dass man die ganze Wertschöpfungskette in Schwung hält. Also, dass es etwa immer genug Holz im Wald hat. Das erachte ich aber gleichzeitig als eine Chance, die Wälder gesund zu halten.