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Ein Skifahrer löst neben der Piste eine Lawine aus – diese Konsequenzen drohen

Jedes Jahr begeben sich in den Schweizer Bergen trotz Lawinengefahr Wintersportler auf ungesichertes Gelände. Nicht immer verläuft die Fahrt durch den Tiefschnee glimpflich. Wer aber haftet, wenn man von einer Lawine verschüttet wird?
Alexandra Pavlovic
Trotz Warnhinweisen begeben sich in den Schweizer Bergen jedes Jahr Wintersportler auf ungesicherte Pisten. (Archivbild: Urs Jaudas)

Trotz Warnhinweisen begeben sich in den Schweizer Bergen jedes Jahr Wintersportler auf ungesicherte Pisten. (Archivbild: Urs Jaudas)

Viel Schnee, Sonne und unberührte Pisten – für jeden Freerider ist eine solche Situation ein Genuss. Aber nicht nur die Freerider, auch normale Skifahrer und Snowboarder fahren immer mal wieder gerne abseits der markierten Pisten. Und das trotz Warnungen der Skigebietsbetreiber und erhöhter Lawinengefahr. Das geht nicht immer glimpflich aus.

Am Dienstag etwa ist eine Skigruppe bestehend aus zwei Männern im Alter von 23 und 28 Jahren sowie eine Frau im Alter von 22 Jahren, im Skigebiet Flumserberg in einen Hang ausserhalb der markierten Pisten gefahren. Gemäss der St.Galler Kantonspolizei löste sich eine Lawine und verschüttete alle drei Personen. Die beiden Männer wurden nur leicht verschüttet und konnten sich selbständig befreien. Die Frau wurde bis auf eine Hand komplett verschüttet. Diesem glücklichen Umstand war es zu verdanken, dass ihre beiden Kollegen sie ausgraben und die Pistenrettung verständigen konnten. Manchmal kommt es bei solchen Aktionen aber auch zu Todesfällen. In diesem Winter starben in den Schweizer Bergen bereits sechs Personen. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) kommen hierzulande jährlich rund 20 Personen bei Lawinenunglücken um, viele weitere werden verletzt.

Unfallversicherung zahlt Rettungskosten

Bei solch waghalsigen Aktionen fragt man sich, mit welchen Konsequenzen Wintersportler rechnen müssen, wenn sie abseits der Piste fahren? «Wer eine Lawine auslöst und selbst verschüttet wird, dem zahlt die Unfallversicherung gemäss dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) sämtliche versicherten Pflegeleistungen und Kosten», sagt Thomas Hunsperger, Versicherungsexperte bei der Mobiliar. Will heissen, Ausgaben, die bei einer Bergung oder Rettung des Verunglückten aus der Lawine anfallen, werden gänzlich übernommen. Darunter falle etwa auch Rettung, Transport, Behandlung und Medikamente.

Wer hingegen eine Lawine auslöst und dadurch jemand anderen konkret gefährdet, muss gemäss BFU auch mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Wenn die Lawine auf eine markierte Piste, signalisierte Schneesportroute oder öffentliche Strasse niedergehe, während sich dort Personen befinden, drohe den Lawinenauslösern ein Verfahren wegen Störung des öffentlichen Verkehrs gemäss Strafgesetzbuch. Wenn nun Menschen infolge der Lawine nicht nur gefährdet, sondern sogar verletzt werden oder ums Leben kommen, stehen die Tatbestände der fahrlässigen Tötung oder fahrlässigen Körperverletzung im Vordergrund. Voraussetzung einer Verurteilung wegen eines Fahrlässigkeitsdelikts sei unter anderem immer die Verletzung einer Sorgfaltspflicht.

Mehrheit der Versicherten soll nicht für einige wenige Personen aufkommen

Fahren abseits der Piste gelte gemäss dem Versicherungsexperten zudem unter bestimmten Umständen – schwerwiegende Missachtung der üblichen Vorsichtsgebote – als Wagnis. Ein solches sei sogar gesetzlich geregelt. Ein Blick ins UVG zeigt; dass bei Nichtberufsunfällen, die auf ein Wagnis zurückgehen, die Geldleistungen um die Hälfte gekürzt und in besonders schweren Fällen verweigert werden. Gemäss einem Bericht des Schweizer Unfallversicherers Suva riskieren Versicherte demnach nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch, dass die Nichtberufsunfallversicherung weniger bezahlt. «Heilkosten wie Spitalrechnungen und Medikamente bezahlt die Suva zwar in jedem Fall. Geldleistungen wie Taggelder und Invalidenrente können jedoch massiv gekürzt oder gar gestrichen werden.»

Veranlasst hat die Kürzungen der Bund als Gesetzgeber, heisst es weiter. Die Begründung: Die grosse Mehrheit der Versicherten soll nicht für einige wenige Personen aufkommen müssen, die ausserordentlich viel riskieren.

Kürzung der Geldleistung von 50 Prozent oder mehr

Aber Achtung: Wagnis ist nicht gleich Wagnis. Das Gesetz unterscheidet zwischen absoluten und relativen Wagnissen. Als absolutes Wagnis gilt eine Handlung dann, wenn die damit verbundenen Gefahren nicht auf ein vernünftiges Mass reduziert werden können oder wenn sie unsinnig oder verwerflich erscheint. Häufig sind das Sportarten mit hoher Geschwindigkeit oder Renncharakter. Wer beispielsweise an Auto- oder Motocrossrennen teilnimmt oder Kampf-Sportarten mit Vollkontakt ausübt, dem werden im Falle eines Unfalls die Geldleistungen um 50 Prozent oder mehr gekürzt. Selbiges gilt für Personen, die in Länder mit Entführungsrisiko reisen.

Bei einem relativen Wagnis hingegen können die Gefahren von der handelnden Person auf ein vernünftiges Mass reduziert werden. Hierzu zählen im Gesetzt etwa die bei Schweizern beliebten Schneesport-Aktivitäten: das Befahren einer eindeutig gesperrten Route, sei es wegen deren Gefährlichkeit oder wegen zu hoher Lawinengefahr oder auch das Verlassen offizieller Pisten bei hoher Lawinengefahr – ungeachtet der Warnungen bei der Seilbahn- oder Skiliftstation.

Verunglückt also eine versicherte Person beim Ausüben einer Sportart, die als relatives Wagnis eingestuft wird, muss zunächst überprüft werden, ob angemessene Sicherheitsmassnahmen getroffen wurden. Ist dem nicht so, werden die Geldleistungen der betreffenden Person um mindestens 50 Prozent gekürzt. Bei einem Unfall abseits der Piste müssen also nicht nur körperliche Verletzungen in Kauf genommen werden, sondern auch finanzielle Verluste.

«Jede Rettungsaktion hat Kosten zur Folge»

Erst kürzlich sind im Skigebiet Flumserberg drei Skifahrer von einer Lawine verschüttet worden. Die Lage hat sich seither durch die leichte Erwärmung schrittweise entschärft. «Seit Mittwoch gilt die Lawinengefahrenstufe 3 – erheblich – ausserhalb der Pisten», sagt Heinrich Michel, CEO der Bergbahnen Flumserberg. «Wintersportler, die sich am Flumserberg ausschliesslich auf den Pisten bewegen können ihren Sport gefahren- und bedenkenlos geniessen». Damit das auch weiterhin so bleibe, komme ein Team aus zwölf Patrouilleuren und einem Pistenrettungschef ihrer Sorgfaltspflicht nach und begutachte jeden Morgen die Lawinen an exponierten Hängen und führe wenn nötig Lawinensprengungen durch. «Die Pisten werden erst freigegeben, wenn die Kontrolle erfolgt ist oder die Sprengungen durchgeführt wurden.» Trotz Warnhinweisen können die Bergbahnen aber nicht verhindern, dass sich dennoch einige abseits der Piste bewegen. «Wer die Piste verlässt muss einfach die Gefahren einschätzen und eigenverantwortlich handeln», sagt Michel dazu. Die Aufgabe der Bergbahnen sei es die Schneesportler über die Lawinensituation zu informieren, zu sensibilisieren und an die Vernunft zu appellieren. Sollte das Rettungsteam dennoch ausrücken müssen, entstehen gemäss Michel für verunfallte Personen einige Ausgaben: «Jede Rettungsaktion hat Kosten zur Folge. Die Rega verrechnet zum Beispiel für den Flug mit Pilot und Rettungssanitäter zirka 2500 Franken. Hinzu kommt unser Aufwand bei einem Rega-Einsatz in Höhe von Pauschal 280 Franken.» Von den Ski- und Snowboardfahrern wünscht er sich daher, dass sie auf den Piste bleiben und sich vernünftig, gut informiert und eigenverantwortlich auf dem Flumserberg bewegen. (lex)

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