Verkohlte Leiche im Thurgau: Ein Serbe soll einen Landsmann ermordet und verbrannt haben – ihm drohen 18 Jahre Haft

Ein 37-jähriger Mann wird beschuldigt, 2017 einen 41-Jährigen ermordet zu haben, weil er diesem Geld schuldete. Im März steht er dafür vor Gericht.

Claudia Schmid
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Die Verhandlung findet am Kreisgericht in St.Gallen statt.

Die Verhandlung findet am Kreisgericht in St.Gallen statt.

Ralph Ribi

Im Sommer 2017 fand eine Spaziergängerin in einem Waldstück bei Pulvershaus im Kanton Thurgau eine verkohlte Leiche. Die Identifikation des Mannes nahm einige Zeit in Anspruch, schliesslich fand die Polizei aber heraus, dass es sich um einen 41-jährigen serbischen Staatsangehörigen handelt.

Die weiteren Ermittlungen führten auf die Spur eines 37-jährigen Landsmannes, der sich zum Tatzeitpunkt illegal in der Schweiz aufhielt. Er wurde Mitte August 2017 verhaftet, kam in Untersuchungshaft und befindet sich seit anfangs 2018 im vorzeitigen Strafvollzug.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass er für den Tod des Opfers verantwortlich ist. Als Tatmotiv sieht sie Schulden, die er nicht zurückzahlen konnte.

Am 25. und 26. März wird das Tötungsdelikt nun am Kreisgericht St.Gallen verhandelt. Die Staatsanwaltschaft beantragt Schuldsprüche wegen Mordes, mehrfachen Diebstahls, rechtswidrigen Aufenthaltes und Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung.

Als Sanktion fordert sie eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren und eine Landesverweisung von 15 Jahren.

Gelegenheitsjobs übernommen

Laut Anklageschrift reiste der Beschuldigte im April 2016 in die Schweiz ein und blieb über die erlaubte Zeit hier, ohne dass er dazu eine Bewilligung besass. Er lebte in der Wohnung seiner Grosseltern und übernahm bei Verwandten und Bekannten Gelegenheitsjobs. Er soll stets knapp bei Kasse gewesen sein.

Das spätere Opfer lernte er in einem Billardclub kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine kollegiale Freundschaft. In der Anklageschrift wird der Getötete als Kickboxer beschrieben, der sich in der «Türsteherszene» bewegt habe, immer wieder in Schlägereien mit Körperverletzungen verwickelt gewesen sei und sich deshalb in einigen Strafverfahren habe verantworten müssen.

Ausserdem hat er zusammen mit Kollegen ein Geschäft mit Geldspielautomaten betrieben, mit dem er offenbar ansehnliche Einnahmen erwirtschaftete.

Geld geliehen und verspielt

Im Frühsommer 2017 erhielt der Beschuldigte vom Opfer ein Darlehen, das er im Juli hätte zurückzahlen sollen. Weil er das Geld verspielte, war er dazu nicht in der Lage und fürchtete gemäss Anklage, dass der Kreditgeber die Summe mit Gewalt zurückfordern könnte. Deshalb habe er sich entschlossen,, das Opfer aus dem Weg zu räumen.

Der Beschuldigte habe den Mann zu sich nach Hause eingeladen, ihm mit einem Stock oder einer Metallstange zweimal massiv auf den Kopf geschlagen und ihm tödliche Verletzungen zugefügt.

Danach habe er aus dem Portemonnaie des Toten Bargeld entnommen. Später soll er die Leiche in das Waldstück bei Erlen im Thurgau gebracht, mit Brandbeschleuniger überschüttet und angezündet haben.

Für das Gerichtsverfahren Ende März hat das Kreisgericht zwei Verhandlungstage angesetzt. Angesichts der hohen Freiheitsstrafe, welche die Staatsanwaltschaft fordert, tagt es nicht wie üblich in einem Dreier-, sondern in einem Fünfergremium.