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Rund 3500 Velofahrerinnen und Velofahrer fuhren um den Bodensee. (Bild: Ralph Ribi)

Rund 3500 Velofahrerinnen und Velofahrer fuhren um den Bodensee. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Selbstversuch am Bodensee-Radmarathon: «Auf den Sattel, fertig, los!»

Trotz morgendlicher Regenfällen wagten sich am Samstag rund 3500 Velofahrerinnen und Velofahrer an den 46. Bodensee-Radmarathon um den See. Ein Erfahrungsbericht über 220 Kilometer.
Raphael Rohner

Frühmorgens um 6 Uhr stehen sie schon in Altenrhein und machen Witze. Ich bekomme meine Augen noch kaum richtig auf, sind die ersten Rennvelofahrer schon dabei, die Karte zu studieren und zu schauen wo sie die schnellsten Zeiten herausfahren können. Jedes der vor der Turnhalle liegenden Carbonvelos kostet etwa eineinhalb Monatslöhne. Sie lachen und draussen ist es noch finster. An einem kleinen Stand können letzte Ausrüstungsgegenstände gekauft werden. Ein Radfahrer kauft sich Regenüberzüge für seine Schuhe. Reden will er nicht, er wirkt nervös. Der Himmel ist schwarz und der Regen fällt. Ein Blick auf das Thermometer offenbart: «Es wird ein kalter Ritt. 13°C.»

Kurz vor 7 Uhr beim Startposten Altenrhein. (Bild: Raphael Rohner)

Kurz vor 7 Uhr beim Startposten Altenrhein. (Bild: Raphael Rohner)

«Normalerweise sind die Rennvelofahrer etwas regenscheu, dann hat es weniger Nachmeldungen», sagt Postenchef von Altenrhein Christof «Bischi» Bischof. Spontan suchen rund 800 Fahrerinnen und Fahrer das Abenteuer rund um den See. Total fahren rund 3500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit.

Um 7 Uhr geht die Fahrt um den ganzen Bodensee los. Rund 220 Kilometer stehen bei der Gold-Runde an. Gleichzeitig starten an weiteren vier Posten Radfahrer. Statt der ganzen 220 Kilometer kann auch eine Silber- (150 km) und eine Bronzerunde (80 km) gefahren werden. Von Altenrhein führt die Strecke nach Tägerwilen, zum ersten Posten. Es regnet schön deftig und man fährt in Kolonnen am See entlang. Die Velolichter funkeln in den Tropfen und Pfützen. «Schöner Scheiss», sagt ein Rennvelofahrer aus dem Thurgau. Der Regen läuft ihm über die Nasenspitze und er zieht mit einem Grinsen vorbei. Eine Frau mit Hund schaut uns mit ungläubigem Blick nach.

Radfahrerin reanimierte fremden Kollegen

Später auf der Strecke wird während der Fahrt ab und zu geredet. Wildfremde Männer und Frauen kommen beim Bergauffahren ins Gespräch. Man tauscht sich aus. «Welche Komponenten hast du? Taugt deine Jacke was? Was kann dein Velo-Computer so?» Oder man plaudert über die Strecke und das Abenteuer Bodensee-Rundfahrt.

Solidarität unter Fahrern wird gross geschrieben. (Bild: Raphael Rohner)

Solidarität unter Fahrern wird gross geschrieben. (Bild: Raphael Rohner)

Mehrere Male stehen Velofahrer am Streckenrand. Manche brauchen eine Pause, andere haben eine Panne oder gar einen Unfall. Schnell halten die darauffolgenden Fahrerinnen und Fahrer an. Einem ist der Reifen kaputt gegangen, einem anderen die Kette gerissen. Schnell sind helfende Hände mit Ersatzteilen zur Stelle: «Die Solidarität der Radfahrer ist riesig», sagt OK-Präsident Markus Gähwiler, der dieses Jahr seinen 15. Radmarathon organisiert. Auch bei medizinischen Notfällen helfen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorbildlich:

«Ein Rennvelofahrer hatte mitten auf der Strecke einen Herzstillstand und eine andere Rennvelofahrerin half ihm auf der Stelle. Sie war glücklicherweise gelernte Krankenschwester.»

An einer anderen Stelle kam es zu einem Unfall durch einen gestürzten Kollegen. Auch da halfen sich teils fremde Fahrerinnen und Fahrer.

Kilometer 100: Die Fahrerinnen und Fahrer sind frohen Mutes. (Bild: Raphael Rohner)

Kilometer 100: Die Fahrerinnen und Fahrer sind frohen Mutes. (Bild: Raphael Rohner)

«Hier sind die Teilnehmer nicht so verbissen»

Auf der Strecke fahren nebst ehemaligen Velo-Profis, wie Jens Heppner auch viele junge und ältere Fahrerinnen und Fahrer. «Die jüngste Teilnehmerin des Radmarathons ist sechs Jahre alt. Der älteste Fahrer weit über 80», sagt Gähwiler. Das sei einer der Gründe, warum er und all die anderen Helfer so gerne ihre Zeit opfern für das Organisieren und das Durchführen des Bodenseeradmarathons: «Die Leute haben einfach Freude am Fahren und da wir keine Zeiten messen, sind die Teilnehmer auch nicht so verbissen.»

Mark Graf bei Kilometer 70. (Bild: Raphael Rohner)

Mark Graf bei Kilometer 70. (Bild: Raphael Rohner)

Die Teilnehmer kommen von überall her. Mark Graf aus Herisau fährt seit einigen Jahren Rennvelo: «Ich fahre mit, weil ich gerne an der frischen Luft bin und weil ich gerne friere.» Er ist bei Kilometer 70 und ist mit einer Gruppe von Freunden aus Herisau unterwegs. Einige Zeit später fahre ich für einige Kilometer mit einem Mann aus Luxemburg. Sein Name ist Jean-Louis und er macht extra Ferien in der Schweiz: «Den Bodensee mit Gleichgesinnten zu umrunden, ist doch wunderbar.» Ein über 80-jähriger Fahrer kommt aus Belgien und macht die Tour jedes Jahr.

«Vielleicht gehe ich mit dem Schiff zurück»

Die Strecke führt über Stein am Rhein nach Radolfszell zurück nach Konstanz und dann mit der Fähre nach Meersburg. Dort am Streckenposten machen sich die Fahrerinnen und Fahrer bereit für die letzten 100 Kilometer. Es riecht nach Perskindol und man klopft Sprüche über das Geschaffte. Meine Beine brennen bereits und ich will endlich heim – am liebsten in die Badewanne.

Auf der Fähre geht es über den Bodensee. (Bild: Raphael Rohner)

Auf der Fähre geht es über den Bodensee. (Bild: Raphael Rohner)

Auf den vergangenen Kilometern war ein Mann auf dem Einrad unterwegs, ein anderer im Liegevelo. Man fragt sich, wie weit diese wohl fahren werden. Nach einem Biberli und Tee geht es weiter. Immerzu den orangen Wegweisern nach. Die Stimmung ist locker und man fährt nicht mehr so schnell wie zu Beginn. Durch die kleinen deutschen Dörfer sind immer wieder Tempo-Anzeigen angebracht. Mühsam hält man seinen Schnitt und versucht, mit anderen Fahrern mitzuhalten.

«Ich nehme vielleicht das Schiff heim, ich brauche aber die Medaille. Meine Kinder haben vom Turnen mittlerweile mehr Medaillen als ich», witzelt ein Fahrer mitten auf der Strecke. Es wird gelacht und in die Pedale getreten. Mir kam der gleiche Gedanke auch schon: einfach abkürzen und Schluss. Gähwiler kennt das Phänomen:

«Der Bodensee-Radmarathon ist ein Kampf gegen sich selbst. Man beisst sich irgendwann nur noch durch. Das Ziel: einmal rundherum. Die ganzen 220 Kilometer hinter sich zu bekommen.»

Zehn Stunden im Sattel. Zurück in Altenrhein. Der Bodensee-Radmarathon ist eine Tortur – aber eine gute. Man bekommt erst langsam ein Gefühl davon, wie gross der Bodensee wirklich ist, mit jedem gefahrenen Meter. Man fährt mit Gleichgesinnten und spornt sich gegenseitig an. Vom Profi bis zum E-Biker sind alle gemeinsam unterwegs mit dem Ziel, die Strecke zu meistern und durchzukommen. Man kommt geistig oft an einen Punkt, an dem man nicht mehr will. Wenn man denkt: «Nö – das tue ich mir nicht an.» Doch sieht man dann die anderen teils schmerzverzerrten Gesichter fährt man weiter. Tauscht Früchteriegel während der Fahrt aus oder spendet dumme Sprüche und fährt ein Stück zusammen.

(Bild: Ralph Ribi)(Bild: Ralph Ribi)
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46. Bodensee-Radmarathon: Erste Eindrücke vom Sportereignis

Am Ende findet bestimmt jeder irgendwas unterwegs für sich. Im Ziel wird einem die Medaille für die bestandene Herausforderung umgehängt und man gratuliert wildfremden Menschen, als wäre man seit Jahren beste Freunde. Es wird viel gelacht. Manche machen nur kurz Halt und müssen noch einmal rund 50 Kilometer zu ihrem Ziel fahren. Andere sitzen auf dem Boden und haben ein Bier in der Hand.

Geschafft, denke ich mir und fahre heim. Kurz bricht die Sonne durch die Wolken und ich sehe den Bodensee im schönsten Sonnenschein.

Am Ziel nach 220 Kilometern. Die Medaille und das Bier verdient. (Bild: Raphael Rohner)

Am Ziel nach 220 Kilometern. Die Medaille und das Bier verdient. (Bild: Raphael Rohner)

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