Ein Schwergewicht an der HSG

ST.GALLEN. Boxer Wladimir Klitschko hat mit der HSG einen Lehrgang entwickelt, der im Frühjahr 2016 an der Universität startet. Klitschko selbst wird während eines Kurstages in St.Gallen unterrichten.

Michel Burtscher
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Wechselt vom Boxring in den Vorlesungssaal der HSG: Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko. (Bild: ap/Ivan Sekretarev)

Wechselt vom Boxring in den Vorlesungssaal der HSG: Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko. (Bild: ap/Ivan Sekretarev)

ST. GALLEN. Der ukrainische Boxer Wladimir Klitschko ist ab kommendem Frühjahr nicht mehr nur im Boxring aktiv, sondern auch in den Vorlesungssälen der HSG. Dann startet an der Universität ein Studiengang, den der Schwergewichtsweltmeister zusammen mit der HSG entwickelt hat. Die Weiterbildung heisst «CAS Change & Innovation Management» – befasst sich also mit Veränderung und Innovation in der Wirtschaftswelt. Es sei «eine Ausbildung der Extraklasse», wird Klitschko in der neusten Ausgabe des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» zitiert.

14 950 Euro pro Teilnehmer

Der Profiboxer wird im Rahmen der Weiterbildung auch an der HSG unterrichten, wie Kursleiter Thomas Kochanek bestätigt: «Er hat sich bereit erklärt, an mindestens einem der Kurstage selbst zu dozieren.» Der Lehrgang besteht aus 18 Präsenztagen, verteilt über vier Monate. «So wollen wir sicherstellen, dass sich die Weiterbildung mit dem Beruf vereinbaren lässt», sagt Kochanek. Sie richtet sich an Führungskräfte und Manager im oberen Bereich der Hierarchie. «Es ist ein Studium der Erwachsenenausbildung, kein Erststudium», sagt Kochanek. Entsprechend sind die Kosten: 14 950 Euro pro Teilnehmer.

«Das Curriculum fokussiert sich auf die aktuellen Themen und Trends im Change-Management und Innovationsmanagement», sagt Kochanek. Die Ziele sind klar: «Die Studierenden sollen lernen, wie sie sich auf die rasanten Veränderungen der Wirtschaftswelt einstellen und damit umgehen können», erklärt er. Das Interesse an diesem Themenbereich sei sehr gross. Dabei könnten die Führungskräfte aus der Wirtschaft von Sportprofis wie Klitschko lernen, sagt Kochanek. Zum Beispiel, was Full-Time-Leadership angehe. «Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen der Wirtschaft und dem Hochleistungssport.»

Die Weiterbildung konzentriere sich aber nicht auf diese Lehren aus dem Sportbereich, betont Kochanek. Sie seien eine Ergänzung. Neben Klitschko und Dozenten der HSG werden die Studierenden von weiteren Personen aus der Praxis unterrichtet. «Wir sind mit Managern von Sportgrössen und mit Wirtschaftsführern im Gespräch.»

Schon als Unternehmer tätig

Klitschko wird wohl aber das bekannteste Gesicht des Lehrgangs bleiben. Der Zwei-Meter-Mann wurde 1976 in der Ukraine geboren. Später hat er Sportwissenschaft und Philosophie studiert und mit dem Doktortitel abgeschlossen. Daher auch sein Kampfname: «Dr. Steelhammer». Als Boxer gewann er Olympia-Gold und ist amtierender Weltmeister. Der Sport liegt in der Familie: Auch Bruder Vitali war Boxer. Dieser ging später in die Politik und amtet heute als Bürgermeister von Kiew.

Wladimir Klitschko hingegen wandte sich der Wirtschaft zu und ist seit mehreren Jahren als Unternehmer tätig. «Ich habe verstanden: Ich bin in einem grossen Geschäft. Ich wollte wissen, wie es funktioniert», sagte er gegenüber dem deutschen «Handelsblatt». Zusammen mit seinem Bruder machte er sich im Jahr 2004 als Box-Promoter selbständig, 2007 gründeten die Brüder eine Marketing-Agentur. Das Unternehmertum habe er in seinem Blut, sagt Klitschko. Viele Sportler täten sich schwer, nach der ersten eine zweite Karriere zu beginnen. «Diesen Übergang zu schaffen, ist eine unglaubliche Herausforderung, eine Challenge – und diese Challenge nehme ich an.»