«Ein schmerzhafter Entscheid»: Die St.Galler Festspiele 2020 werden definitiv abgesagt

Die St.Galler Festspielinszenierung geht dieses Jahr nicht über die Bühne. Der geregelte Probebetrieb ist während der Coronakrise nicht möglich, die Planungsunsicherheit zu gross.

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Ein Bild der Premiere der Oper Il trovatore von Giuseppe Verdi an den St.Galler Festspielen 2019.

Ein Bild der Premiere der Oper Il trovatore von Giuseppe Verdi an den St.Galler Festspielen 2019.

Bild: Benjamin Manser

(pd/lim) Nach dem Lockdown des Bundesrates sagten Konzert und Theater St.Gallen sämtliche Theatervorstellungen und Konzerte ab. Mit einer Ausnahme: Die Festspiele wollte man sich als letzte Option so lange wie möglich offenhalten. Jetzt ist definitiv: Auch die St.Galler Festspiele gehen in diesem Jahr nicht über die Bühne.

Zu diesem «schmerzhaften Entscheid» sieht sich Konzert und Theater St.Gallen gezwungen, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Denn der Fahrplan in Richtung Normalität nach der Coronapandemie erlaube es nicht, von einem geregelten Probenbetrieb innerhalb der dafür notwendigen Frist ausgehen zu können.

Werner Signer, geschäftsführender Direktor von Konzert und Theater St.Gallen.

Werner Signer, geschäftsführender Direktor von Konzert und Theater St.Gallen.

Bild: Adriana Ortiz Cardozo

Ebenso bleibe die Planungsunsicherheit bezüglich Veranstaltungen mit unter 1000 Besucherinnen und Besuchern bestehen, und die Frage der Öffnung der Grenzen sei weiterhin offen. Werner Signer, der geschäftsführende Direktor von Konzert und Theater St.Gallen, sagt:

«Damit hat sich die letzte Hoffnung zerschlagen, dieser Ausnahmesaison doch noch zu einem künstlerisch würdigen Abschluss verhelfen zu können. Das tut uns leid für unser treues Publikum, für unsere Partner und für die Künstlerinnen und Künstler.»

Verschiebung ist nicht möglich

Eine integrale Verschiebung auf das kommende Jahr sei wegen der langfristigen Planung der Festspiele nicht möglich, das Programm der St.Galler Festspiele vom Sommer 2021 ist bereits fixiert. Hingegen werde geprüft, ob einzelne Programmteile allenfalls in zwei Jahren in die Festspiele integriert werden können.

Seit 2006 bilden die St.Galler Festspiele den krönenden Abschluss der Konzert- und Theatersaison, der jeweils Tausende von Kulturinteressierten aus der näheren und weiteren Umgebung anzieht und international renommierte Künstlerinnen und Künstler nach St.Gallen bringt. Die Verantwortlichen hielten sich die Option auf die Durchführung bis zuletzt offen, auch nachdem die reguläre Spielzeit im Theater und in der Tonhalle abgebrochen werden musste und die Festspieloper aus planerischen Gründen vorzeitig vom Klosterhof ins Theater verlegt worden war.

Die 15. St.Galler Festspiele hätten vom 26. Juni bis zum 10. Juli 2020 stattfinden sollen. Mit ihrer Absage wartet Giuseppe Verdis Oper «Stiffelio» weiter auf ihre St.Galler Erstaufführung, ausserdem kann das Tanzstück «Gegen den Strom» des bulgarischen Choreografen Dimo Kirilov Milev nicht realisiert werden. Das Motto des Konzertprogramms lautete «Spielarten der Liebe».

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Julia Nehmiz, Christina Genova