Ein schlimmer Verdacht

DIEPOLDSAU. Die Tafel auf der Paul-Grüninger-Brücke zwischen Diepoldsau und Hohenems wieder weg! Das Andenken an ihn und andere Flüchtlingsretter zum zweitenmal innert vier Monaten attackiert! Ein böser Verdacht kommt auf - doch schliesslich ist alles ganz anders.

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Die Grüninger-Tafel fehlt erneut. (Bild: pd)

Die Grüninger-Tafel fehlt erneut. (Bild: pd)

Die Tafel auf der Paul-Grüninger-Brücke zwischen Diepoldsau und Hohenems wieder weg! Das Andenken an ihn und andere Flüchtlingsretter zum zweitenmal innert vier Monaten attackiert! Nachdem die Tafel im Februar mitsamt der Halterung vom Geländer abgerissen und in den Fluss geworfen wurde, sei sie jetzt «aus dem Rahmen gebrochen» worden, entrüsteten sich gestern die Grünen Vorarlbergs und alarmierten die Polizei in beiden Ländern.

«Die Sache ernst nehmen»

Sofort wurden auch die Medien über die Anzeige informiert. Nachdem die Schweizer Polizei dem Hinweis auf «mutmassliche Täter aus dem rechtsextremen Milieu» im Februar «offensichtlich nicht nachgegangen» sei, hoffe man, «dass die Behörden die Sache diesmal ernst nehmen», schrieben die Grünen. Der Lustenauer Landtagsabgeordnete Bernd Bösch warnte vor einer «Bagatellisierung» – dies wäre «eine Einladung an die einschlägigen Kreise, bei nächster Gelegenheit erneut zuzuschlagen». Grüninger sei als Symbol für eine offene Asylpolitik «Rechtsextremen immer noch ein Dorn im Auge». Deshalb gehe er von einem «politisch motivierten Delikt» aus. «Wer sollte sich sonst die Mühe machen? Ich finde das äusserst beunruhigend.»

Alles ganz anders

Gespannt erwarten wir die Erklärungen der St. Galler Polizei; ein zweites Mal wäre der schulterzuckende Verweis auf andere Vandalenakte wie Schrebergarten-Verwüstungen oder Schmierereien wahrlich ein Hohn. Umso verblüffender die trockene Aussage von Kapo-Mediensprecher Hanspeter Krüsi: «Die Tafel ist in der Revision. Das ist alles. Ein Delikt liegt nicht vor.» Man habe die Grünen über den «Sturm im Wasserglas» aufgeklärt, da hätten sie die Medien aber schon aufgescheucht. Warum die im Frühling neu montierte Tafel einer Renovation bedarf und wann sie wieder angebracht wird, weiss Krüsi nicht.

Die Grünen, im Kampf gegen Neonazis in Vorarlberg «gebrannte Kinder», bedauerten ihren Fehlalarm – und ernteten prompt teils giftigen Spott. Nun könnte man die Überreaktion einfach unter «Dumm gelaufen» abhaken. Doch ist der braune Sumpf, auf dem sie gründet, leider nicht ausgetrocknet. Und so gilt die Empfehlung an die Behörden trotz Fehlalarms: auf solch heiklem Terrain nicht bagatellisieren, sondern informieren. Und sei es in diesem Fall mit einem Satz, dass die Grüninger-Tafel in Revision sei. (mel)