Ein schlechtes Vorbild für die Politik

Der Kanton St. Gallen hat ein Herz für Vögel. Oder wenigstens für die Lachmöwe und die Flussseeschwalbe. Die Mittelmeermöwe hingegen ist unbeliebt. Das gab die Staatskanzlei gestern in einer Medienmitteilung bekannt.

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Der Kanton St. Gallen hat ein Herz für Vögel. Oder wenigstens für die Lachmöwe und die Flussseeschwalbe. Die Mittelmeermöwe hingegen ist unbeliebt. Das gab die Staatskanzlei gestern in einer Medienmitteilung bekannt.

Lachmöwe und Flussseeschwalbe sollen nun besser geschützt werden. Und die Mittelmeermöwe lernt den Kanton von einer anderen Seite kennen. Das Tier sitzt nämlich schon im März auf seinen Eiern. Lachmöwe und Flussseeschwalbe hingegen sind erst im April beziehungsweise Mai so weit. Dann sind aber die meisten Brutplätze bereits von der Mittelmeermöwe besetzt.

Hier greift nun der Kanton ein. Und zwar mit einer perfiden Methode: Die Brutplätze im Zürichsee werden im März mit Gittern abgedeckt. So kann die Mittelmeermöwe nicht mehr landen. Die anderen Vögel aber schon. Weil sie erst im April kommen. Dann nimmt der Kanton die Gitter wieder weg.

Eigentlich kann man gegen die Mittelmeermöwe nichts haben. Sie ist ein schöner Vogel. Warum sie trotzdem so schlecht angeschrieben ist, lässt sich einfach erklären: Sie ist nicht von hier. Oder auf Neudeutsch: Sie hat einen Migrationshintergrund. Ihre Vorfahren haben sich erst in den 1960er-Jahren in der Schweiz niedergelassen. Also kurz nach den Italienern.

Der Kanton ist sich der Brisanz der Aktion offensichtlich nicht bewusst. Erstens gewinnt er mit seinen vergitterten Brutplätzen sicher keinen Integrationspreis. Zweitens ist er ein denkbar schlechtes Vorbild für die Politik. Gewisse Parteien könnten auf die Idee kommen, die Parkplätze vor den Geburtskliniken so anzupassen, dass Ausländer nicht mehr bremsen können. (ar)