Ein Schiff für einen Euro

Für einen symbolischen Euro wechselte das 1928 erbaute Motorschiff «Österreich» seinen Besitzer. Neuer Eigentümer ist der Verein der Freunde des geschichtsträchtigen Schiffes, dem aber der Jubel über den Erwerb im Hals stecken blieb.

Gernot Grabher
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Der Verein der Freunde des Schiffes retteten die «Österreich» vor der Verschrottung. (Bild: Gernot Grabher)

Der Verein der Freunde des Schiffes retteten die «Österreich» vor der Verschrottung. (Bild: Gernot Grabher)

Seit 2009 lag die ausgemusterte «Österreich» zur Verschrottung an der Fussacher Werft in Vorarlberg. Nun geriet das Schiff mindestens medial in unruhige Gewässer. «Wir wurden über den Tisch gezogen», sagt Jürgen Zimmermann, Vorsitzender des Zusammenschlusses, der sich zur Erhaltung des Bodenseeschiffes gegründet hat. Zimmermann räumt ein, dass die Besprechungen über die Erhaltung der «Österreich» mit den Vertretern der Illwerke, zu 75 Prozent Eigentümer, und den Vorarlberg Lines, zu 25 Prozent Mitbesitzer, zwar höflich verliefen – aber in der Sache kompromisslos. Die Freunde der «Österreich» wollten erreichen, dass das Schiff zuerst ausgeräumt und sein Zustand überprüft werden sollte, bevor der Kaufvertrag unterzeichnet würde.

Käufer ein Ultimatum gestellt

«Nichts da», liessen die Eigner verlauten. «Stattdessen wurde uns ein Ultimatum bis 31. März 2015 gestellt: entweder sofortiger Kauf, oder es erfolge umgehend die Verschrottung», sagt Zimmermann. Illwerke und Vorarlberg Lines betonen dagegen, der Vertragsentwurf liege dem Verein schon seit 2014 vor. Zugesichert wurde im notariell abgesegneten Kaufvertrag von den Verkäufern lediglich die Übernahme der Kosten für das Ausräumen des Schiffsrumpfes.

Die Vereinsvertreter verweisen darauf, dass diese Kosten bei einer Verschrottung ohnehin zu übernehmen gewesen wären. Zu verkaufen wäre im Falle des Abbruchs lediglich das Alteisen, Holzteile, Kunststoffe, Kabelstränge oder die beiden Dieselmotoren wären auf jeden Fall gesondert zu entsorgen. «Nur unter dem Druck des Ultimatums haben wir den Kaufvertrag unterzeichnet», sagt Zimmermann.

Tiefschlag erfolgte prompt

Als unfairen «Tiefschlag» empfand der Vereinsvorstand eine Medienorientierung von Alexandro Rupp, Geschäftsführer der Vorarlberg Lines. Der sagte, dass die «Österreich» von der Betriebsgesellschaft überhaupt nicht gebraucht werde, auch in saniertem Zustand nicht. «Diese Entscheidung steht in krassem Widerstand zu früheren eigenen Analysen der Vorarlberg Lines, die aussagen, dass das Schiff eine wertvolle Ergänzung der Flotte wäre und wirtschaftlich geführt werden könnte», sagt Zimmermann.

Im Fernsehen äusserte sich Rupp unlängst über eine Eingliederung der «Österreich». Nach deren Renovierung sei man zu Gesprächen bereit. Die Freunde des Schiffes mutmassen allerdings, die hohen Kosten der Sanierung der «Sonnenkönigin» – im Oberdeck waren Risse aufgetreten und mussten aufwendig saniert werden – seien der Grund für die Kehrtwende. Rupp wies dies zurück, die «Sonnenkönigin» sei gut gebucht und nicht die Ursache der Haltung gegenüber den auf drei bis vier Millionen Euro geschätzten Kosten für die Erhaltung der «Österreich».

Idee eines Infoschiffs

Zur Erhaltung des geschichtsträchtigen Schiffes äusserte sich der Vorarlberger Historiker Peter Melichar im Zusammenhang mit Auffassungen zu Denkmälern in Vorarlberg. «Insofern wäre es eine gute Idee, das Schiff zum Denkmal zu erklären. Immerhin erinnert das 1928 in Dienst gestellte Schiff daran, dass Österreich 1938 seine Staatlichkeit verloren hat.» Es habe seinen Namen erstaunlicherweise zwischen 1938 und 1945 erhalten, als sonst alles, was mit Österreich zu tun hatte, ostmärkisch wurde. Laut Melichar könnte es mit wenig Aufwand zu einer unaufdringlichen «Informationsmaschine» für Touristen werden. Bodenseeschiffe werden immer wieder gebraucht, um die vielen Touristen zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich hin und her zu transportieren. «Ist es nicht sinnvoller und ökonomischer, ein vorhandenes Schiff zu renovieren», fragt Melichar rhetorisch, «als es in Schrott und Sondermüll zu verwandeln, um dann irgendwann einmal – wenn es gerade betriebswirtschaftlich opportun erscheint – wieder ein neues anzuschaffen?»