«Ein Sarganserländer geht nicht nach Grabs ins Spital»

Die St.Galler Regierung soll eine Versorgungsregion Südostschweiz prüfen, fordert die Talgemeinschaft Sarganserland-Walensee.

Regula Weik
Drucken
Teilen
Spital Walenstadt.

Spital Walenstadt.

Bild: Ralph Ribi

Die Talgemeinschaft Sarganserland-Walensee ist überzeugt: Die neue Spitalstrategie der Regierung wird nicht aufgehen. Denn: «Die Sarganserländer Bevölkerung wird mehrheitlich nach Chur abwandern.» Sie werde nicht nach Grabs ins Spital gehen. Die Regierung will fünf Regionalspitäler im Kanton schliessen, darunter jenes in Walenstadt. Dessen Zahlen zeigen: Die Sarganserländer sind ihrem Spital treu. 77 Prozent der Patientinnen und Patienten wohnen in der Region. 10 Prozent kommen gar von ausserhalb des Kantons, um sich in Walenstadt behandeln zu lassen. Die Talgemeinschaft wehrt sich deshalb dagegen, dass es in Walenstadt künftig keine stationären Angebote mehr geben soll. Dadurch erleide der Kanton einen volkswirtschaftlichen Schaden. Für die Region wäre er gar «immens».

Das Spital Walenstadt hat 400 Mitarbeitende, ist damit der zweitgrösste Arbeitgeber in der Region. 2,1 Prozent der Bevölkerung der Region Sarganserland arbeiten im Spital – «das ist die höchste Quote im Kanton», so die Talgemeinschaft.

Personalsuche wird schwieriger

Was die Talgemeinschaft besonders ärgert: Durch die Ankündigung der Regierung, das Spital Walenstadt 2027 schliessen zu wollen, werde «die Abwanderungsspirale beschleunigt»; es werde sich zudem «kaum mehr qualifiziertes Personal» für eine Stelle in Walenstadt finden. Diese Befürchtung der Talgemeinschaft bekommt die Geburtshilfe bereits zu spüren; sie wird auf Februar geschlossen und nach Grabs verlagert. Es fehlt schlicht das Personal. Setze sich diese Entwicklung fort, müsse das Spital Walenstadt am Ende noch früher als von der Regierung geplant die Türen schliessen; durch die Schliessungsankündigung und die aktuellen Entscheide werde die Strategie der Regierung nämlich «vorsätzlich begünstigt».

Die Talgemeinschaft weist auch auf die besondere Lage des Spitals Walenstadt hin: Es sei für die Versorgung Verletzter aus den nahen Tourismusgebieten Pizol und Flumserberg wichtig. Das geplante Gesundheits- und Notfallzentrum könne dies keineswegs abdecken.

«Der Süden fühlt sich ausgegrenzt»

Mit der geplanten Schliessung des Spitals Walenstadt fördere die Regierung «die Entsolidarisierung und Entzweiung» des Kantons. «Der Süden fühlt sich immer stärker ausgegrenzt». Das sei «staatspolitisch gefährlich». Unverständlich ist für die Talgemeinschaft denn auch, dass die Planung der Regierung an der Kantonsgrenze aufhört. Eine kantonsübergreifende Zusammenarbeit und die Idee einer «Versorgungsregion Südostschweiz» müssten zwingend geprüft werden.