Ein Raubzug durch den Thurgau

Ein junger Mann aus Kirchberg knackt Geldautomaten, reisst Tankstellenautomaten aus der Verankerung und überfällt eine Serviceangestellte. Die Deliktsumme beträgt 250 000 Franken.

Philipp Haag
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Münchwilen. Muskulös ist der junge Mann, der vor dem Bezirksgericht Münchwilen steht. In Weiss gekleidet, sportlich in Turnschuhen, T-Shirt und Jeans, wirkt er schüchtern, hält sich während der siebenstündigen Verhandlung am Verteidigerpult fest. Und er spricht leise, so leise, dass ihn der Gerichtsschreiber mehrere Mal ermahnt, lauter zu reden.

In St. Gallen und Thurgau

Es sind Dutzende von Delikten, begangen in den Kantonen St. Gallen und Thurgau sowie in der Stadt Zürich, die der Thurgauer Staatsanwalt dem 24jährigen Mazedonier aus Kirchberg vorwirft. Schwerwiegendster Vorwurf ist der gewerbs- und bandenmässige Diebstahl in 35 Fällen. So knackte der Angeklagte mit Kollegen Kassaautomaten in Wil, sie rissen in zwei Serien bei Tankstellen in der weiteren Umgebung von Wil die Notenautomaten aus der Verankerung, wuchteten sie auf, entwendeten das Bargeld und brachen bei Solarien in Dörfern rund um Wil die Münzzeitzähler und Geldwechsler auf. Ebenfalls beteiligt war der junge Mann bei einem Überfall auf eine junge Serviceangestellte in Kirchberg. Die meisten ihm zur Last gelegten Delikte gibt der junge Mann zu.

Sachschaden: 130 000 Franken

Die Deliktsumme beträgt gemäss Anklageschrift 250 000 Franken, der Sachschaden 130 000 Franken. Während der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 38 Monaten, aufzuschieben für eine stationäre Massnahme, die der Angeklagte bereits angetreten hat, fordert, plädiert der Pflichtverteidiger auf 15 Monate, weil er unter anderem den gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl bei den Fällen, in denen der Angeklagte ohne Beute blieb, als Versuch einstuft, ausserdem bei weiteren Delikten einen Freispruch fordert.

Der Staatsanwalt und der Verteidiger schätzen die Persönlichkeit des Angeklagten denn auch unterschiedlich ein. Während der Staatsanwalt dem jungen Mann, der vorbestraft ist, eine tiefe Intelligenz sowie den Hang zur Selbstüberschätzung attestiert, beschreibt ihn der Verteidiger als naiv und abenteuerlustig, der in diese Bandenkriminalität reingerutscht ist. Und der Angeklagte verspricht, dieses Mal laut und deutlich, mit seiner Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Das Urteil wird schriftlich erlassen.