Ein Prestige-Anlass wird liquidiert

Der Ostschweizer Medienpreis ist am Ende. Kritiker werfen der Stiftung Untätigkeit vor. Der Stiftungsrat weist die Vorwürfe zurück.

Andri Rostetter
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Eingedampft: Die Verleihung des Ostschweizer Medienpreises 2018 im St.Galler Pfalzkeller.

Eingedampft: Die Verleihung des Ostschweizer Medienpreises 2018 im St.Galler Pfalzkeller.

Archivbild: Mareycke Frehner

Der Todesstoss kam eigentlich schon vor drei Jahren. Das «St.Galler Tagblatt» war plötzlich nicht mehr bereit, die Geschäftsstelle für die Stiftung Ostschweizer Medienpreis gratis und franko zu führen. Man hatte der Stiftung ja schon genug Gutes getan, vom Broschürendruck bis zur Mitfinanzierung des Preisgeldes von 25'000 Franken. In Zeiten von schwindenden Inserateerträgen und sinkenden Abozahlen konnte und wollte man sich derartige Goodwill-Aktionen nicht mehr leisten. Die Stiftung suchte händeringend nach einer Lösung. Eine neue Geschäftsstelle musste her – und vor allem: neue Sponsoren.

Der Ostschweizer Medienpreis war im Jahr 2000 gegründet worden, zu einer Zeit, in der Optimismus und Cash in der Branche im Überfluss vorhanden waren. Das hatte sich bis 2017 radikal geändert. Die Sponsoren waren immer schwieriger zu überzeugen, einzelne wie die St.Galler Privatbank Wegelin waren schlicht von der Bildfläche verschwunden. Und die Medienhäuser hatten sowieso kein Geld mehr.

Leise Vorwürfe an die Medienhäuser

Jetzt, knapp drei Jahre später, ist der Preis definitiv Geschichte. Der Stiftungsrat hat an seiner Sitzung vom 24. März entschieden, den Preis einzustellen und die Stiftung zu liquidieren. «Es ist trotz vielfältiger Bemühungen nicht gelungen, dem Preis eine solide finanzielle Basis zu geben», teilt der Stiftungsrat via Communiqué mit.

In den vergangenen Jahren sei es «zunehmend schwieriger geworden, geeignete Partner und Sponsoren für den Ostschweizer Medienpreis zu finden». Der Stiftungsrat übt zudem leise Kritik an den Ostschweizer Medienhäusern: Es sei nicht gelungen, eine «auch in der Branche breit abgestützte Lösung zu schaffen, die den Medienpreis auf ein solides und nachhaltiges Fundament gestellt hätte».

Einzelne Medienhäuser hätten sich durchaus bemüht, ihren Teil zum Überleben des Preises beizutragen, sagt Stiftungsratspräsident Iso Rechsteiner auf Anfrage. Die Zusagen hätten aber bei weitem nicht gereicht. Einziger grosser Geldgeber wäre das «St.Galler Tagblatt» gewesen. Chefredaktion und Verlag hatten einen Beitrag von 10'000 Franken zugesichert – immerhin ein Viertel des heutigen Jahresbudgets der Stiftung.

20'000 Franken für den Geschäftsführer

Schon nach dem Wechsel der Geschäftsstelle 2018 musste die Stiftung massiv abspecken. Die bisherigen fünf Kategorien mit je 5000 Franken Preisgeld wurden abgeschafft, es gab nur noch einen einzigen Preis mit einer Summe von 10'000 Franken. Zudem legte die Stiftung ihre Preisverleihung mit dem seit 1952 verliehenen Radio- und Fernsehpreis der SRG Ostschweiz zusammen.

Kurz nachdem am Dienstag die Stiftung ihre Auflösung öffentlich gemacht hatte, kursierten erste Vorwürfe. Die Hauptkritik: Stiftungsrat und Geschäftsstelle hätten sich zu wenig um Sponsoren bemüht, heisst es aus dem Umfeld der Stiftung. Geschäftsführer Philipp Landmark, Ex-Chefredaktor des «St.Galler Tagblatts», habe mehrfach vielversprechende Gespräche mit potenziellen Geldgebern im Sand verlaufen lassen. Und dies, obwohl er mit 20'000 Franken pro Jahr fürstlich bezahlt worden sei, während Stiftungsräte und Jury ehrenamtlich gearbeitet hätten.

«Ich habe grosses Verständnis»

Rechsteiner weist die Kritik zurück. «Diese Vorwürfe kann man in einer solchen Situation immer machen. Sie sind einfach nicht gerechtfertigt.» Landmark sei sehr aktiv gewesen, auch er, Rechsteiner, habe sich stark eingesetzt. «Ich mache niemandem einen Vorwurf. Im Gegenteil, ich habe grosses Verständnis», sagt der PR-Unternehmer und ehemalige SRF-Kadermann. Die Branche gebe einfach nicht mehr her.

Dass Landmarks Honorar die Hälfte des Budgets ausmachte, sei durchaus im Rahmen. Die Zahl basiert laut Rechsteiner auf einer Jahresarbeitszeit von 400 Stunden – bei einem Stundenlohn von 50 Franken. Vergleichen mit der alten Geschäftsstelle lassen sich diese Zahlen kaum. Zum einen gibt es keine Abrechnung, zum anderen dürfte der Aufwand tatsächlich zugenommen haben. Nur schon, weil viele alte Sponsorings auf «Beziehungsdelikten» zwischen der damaligen «Tagblatt»-Geschäftsleitung und den Geldgebern beruhten: Man kannte sich, man half sich.

Natürlich habe man auch nach Alternativen gesucht, sagt Rechsteiner, etwa eine Verkleinerung der Preissumme. Für die Stiftung war aber klar: Damit hätte der ohnehin schon eingedampfte Anlass noch mehr an Attraktivität verloren. Diskutiert worden war offenbar auch über wechselnde Austragungsorte. Die Hoffnung war, den Preis so für andere Medienhäuser interessanter zu machen.

«Ein St.Galler Anlass»

Einer, der dies begrüsst hätte, ist Silvio Lebrument, Geschäftsführer Medien der Somedia-Gruppe. «Für uns war der Ostschweizer Medienpreis ein St.Galler Anlass.» Diese Wahrnehmung dürfte dazu beigetragen haben, dass die Zahlungsbereitschaft der Medienhäuser ausserhalb des St. Galler Einflussraumes eher gering war.

Gerade Lebruments Somedia hat sich in den letzten Jahren nicht am Preis beteiligt, obwohl Gespräche zwischen der Stiftung und dem Churer Medienhaus stattgefunden haben. Die SRG will mit ihrer Preisverleihung übrigens weitermachen – auch mit weniger Publikum.

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