Ein Politiker für alle

Nachruf

Peter Boppart
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Letzten Donnerstag war die Kathedrale in St. Gallen bis auf den letzten Platz gefüllt. Menschen aller Schichten und über alle Parteien nahmen in einer eindrücklichen Trauerfeier Abschied. Dieses starke Zeichen war wohl Wertschätzung für die Arbeit und das Engagement von Nino Cozzio, wie es deutlicher nicht sein konnte. Bis zum letzten Orgelklang verharrten die versammelten Trauergäste still und in Gedanken an einen einzigartigen Menschen und Freund.

Nino Cozzio durfte in einer katholisch geprägten Grossfamilie aufwachsen. In diesem starken Umfeld liegt wohl auch der Ursprung seiner Bescheidenheit. Nicht der Weg ist entscheidend, sondern das, was man auf diesem Weg lernt. So arbeitete Nino Cozzio nach seiner kaufmännischen Ausbildung als Journalist, bevor er sein Studium zum Juristen erfolgreich abschloss und danach auch das Anwaltspatent erwarb. Politik war für Nino Cozzio nicht Beruf, sondern Berufung. Er brauchte keine Verstärkeranlage, um sich Gehör zu verschaffen. Nicht der Zweihänder, sondern die feine Klinge war Nino Cozzios Waffe, die er stets klug einzusetzen wusste. Argumente und Fakten immer gepaart mit einer Portion Humor sowie der ihm ins Gesicht geschriebene Schalk halfen, Mehrheiten hinter sich zu scharen. Kraft schöpfte Nino Cozzio auch aus seiner stark geprüften Familie. Mit dem Unfalltod von Sohn Raphael stand man gemeinsam harte Zeiten durch. Dieser Schicksalsschlag schweisste Frau Trudy, Sohn Tobias und Vater Nino noch mehr zusammen. Nichts kann so wichtig sein wie die Liebe zur Familie.

Nino Cozzio sass von 2000 bis 2004 und ab 2012 im Kantonsrat. Von 2004 bis 2006 war er Generalsekretär des Volkswirtschaftsdepartements, bevor er 2006 glanzvoll für die CVP in den Stadtrat gewählt wurde. Fussabdrücke hinterliess Nino Cozzio nicht nur in vielen kantonsrätlichen Kommissionen, als Stiftungsrat und Präsident der Stiftung der Arbeit sowie als Vizepräsident der Stiftung für Suchthilfe oder als Vorstandsmitglied der Städteinitiative Sozialpolitik und der Konferenz städtischer Sicherheitsdirektoren, sondern vor allem als Stadtrat der Direktion Soziales und Sicherheit. Nino Cozzio liebte diese Kombination und er konnte sich dank seiner Kompetenzen und seiner Menschlichkeit stark einbringen. In seine Amtszeit fielen wichtige Entscheide, für die er verantwortlich zeichnet. So etwa der Ausbau der subventionierten Kinderkrippen, die Gründung und Etablierung der Zeitvorsorge, die gemeindenahe Palliative Care, die Aufstockung des Polizeicorps und die Durchsetzung der Eigenständigkeit der Stadtpolizei, um nur einige politische Pflöcke stichwortartig zu nennen, die Nino Cozzio einschlug. Mit seinem Tod verlieren nicht nur die Stadt und der Kanton, sondern wir alle einen liebenswerten, grossartigen Menschen. Einen Menschen, der sich immer und immer wieder beharrlich für andere eingesetzt und aufgeopfert hat. Nino Cozzio hat nie den schnellen politischen Erfolg gesucht. Ihm war es wichtig, für die gute Sache zu kämpfen. Nicht die mediale Präsenz stand beim CVP-Politiker im Vordergrund, sondern Probleme anzupacken und zu lösen, statt sie dauerhaft zu bewirtschaften. Dabei konnte er durchaus klare Grenzen oder Leitplanken setzen. Gerechtigkeit war ihm als Jurist mit gesundem Menschenverstand wichtig und ebenso auch, Verbindendes vor Trennendes zu setzen.

Der Krebs war ab Sommer 2015 ständiger Begleiter. Bewusst nahm Nino Cozzio auch diesen Kampf an. Bewunderns- und bemerkenswert war, wie er sich die ganze Zeit weiter für seine geliebte Stadt und den Kanton, vor allem aber für deren Menschen einsetzte. Jede Begegnung, jedes Gespräch war ihm wichtig. Im Wissen um seine schwere Erkrankung forderte er sich selbst Unheimliches ab. Das war Nino Cozzio: Vorbild, Kämpfer, Freund – und immer alles mit vollem Engagement. Aber nicht nur er verdient Respekt und Anerkennung, sondern auch seine Frau Trudy und Sohn Tobias, die mit ihm den gemeinsamen letzten Weg gehen mussten. Eine Zeit, die bestimmt nicht einfach war, aber letztlich dafür steht, dass das Verbindende bis in die Ewigkeit hält. Nino Cozzio wird seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch weiten Kreisen der St. Galler Öffentlichkeit als einfühlsame und tolerante, engagierte, intelligente, sachkompetente, humorvolle und gesellige, liebenswerte, ausgleichende Persönlichkeit in Erinnerung bleiben. Nino Cozzio hinterlässt eine riesige Lücke. Eine Lücke, die man nicht einfach schliessen kann, aber auch nicht schliessen muss.

Peter Boppart

Kantonsrat CVP St. Gallen