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Kommentar

Ein paar tiefe Kratzer im HSG-Lack

Wegen mutmasslich überhöhter Spesenbezüge an einem HSG-Institut hat die Universitätsleitung eine Administrativuntersuchung eingeleitet. Der Vorfall kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Unileitung ist gut beraten, wenn sie sich sofort und eindeutig positioniert.
Andri Rostetter
Andri Rostetter, Ressortleiter Ostschweiz

Andri Rostetter, Ressortleiter Ostschweiz

Jetzt auch noch ein Spesenskandal: Die Universität St. Gallen ist in der Bredouille. Das genaue Ausmass bleibt zwar im Dunkeln. Aber man muss davon ausgehen, dass es um saftige Summen geht. Wegen ein paar hundert Franken leitet niemand drei Administrativverfahren ein. Der Vorfall kommt für die HSG zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Erst vor zwei Tagen musste die Universitätsleitung einen anderen Brandherd unter Kontrolle bringen. Ein Brandherd notabene, der noch eine Weile lodern wird.

Die Finanzmarktaufsicht hatte den HSG-Professor Johannes Rüegg-Stürm heftig in den Senkel gestellt. Stimmen die Vorwürfe, muss Rüegg-Stürm als Raiffeisen-Präsident eine miserable Falle gemacht haben – und das ausgerechnet in seinem Kerngebiet Corporate Governance. Dass der Professor gerade jetzt ein Freisemester bezieht, ist kaum Zufall. Es sieht eher danach aus, als wollte die Uni den Mann aus der Schusslinie nehmen, um das Reputationsrisiko zu mindern. Aus der Welt schaffen lässt sich der Schaden nicht mehr. Rüegg-Stürms Ruf ist zünftig angekratzt. Er wird der Mann bleiben, der das Raiffeisen-Debakel mitverantwortet hat. Unterrichtet er weiter auf dem Rosenberg, dürfte das auch auf die Uni zurückfallen.

Dass die Uni im Zweifelsfall gern abwartet, zeigte der Fall Daniele Ganser. Der umstrittene Historiker war bis vor kurzem Dozent an der HSG. Ganser war wegen seiner Nähe zu Verschwörungstheoretikern in die Kritik geraten. Zuerst sah es danach aus, als wolle die Uni die Sache aussitzen. Im April wurde es den Verantwortlichen dann offenbar doch zu viel, Ganser war seinen Lehrauftrag los. Eine schlechte Figur machte die Uni auch im Fall Kagame. Als der ruandische Autokrat 2015 am St. Gallen Symposium auftrat, wies die HSG jede Verantwortung von sich. Man habe ja nur die Räume zur Verfügung gestellt.

Spesen, Rüegg-Stürm, Ganser, Kagame: Die Fälle sind zwar kaum miteinander vergleichbar. Jeder einzelne hinterlässt aber tiefe Kratzer im HSG-Lack. Die Unileitung ist deshalb gut beraten, wenn sie sich jeweils sofort und eindeutig positioniert. Und jeden Fall sauber aufarbeitet. Das ist sie nicht nur dem Steuerzahler schuldig. Sondern auch sich selber.

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