Ein offenes Ohr für die Fluglärmgegner

So nah ist die Verkehrsministerin sonst nie: Der Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau reiste gestern nach Weinfelden, um Bundesrätin Doris Leuthard ihren Unmut kundzutun. Sie fanden das Gespräch und erhielten ein Versprechen.

Silvan Meile
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WEINFELDEN. Anita Magnin aus Guntershausen sagt, sie könne nur noch mit geschlossenen Fenstern und Oropax schlafen. Der Fluglärm raubt der Hinterthurgauerin sonst den Schlaf. Deshalb ging sie gestern Abend zusammen mit knapp 20 anderen Fluglärmgegnern des Bürgerprotests Hinterthurgau nach Weinfelden, um Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) eine Protestnote zu übergeben. Denn für ein CVP-Volksfest kam die Bundesrätin in den Thurgau. Gute Gelegenheit für die Gruppe, um für eine faire Fluglärmverteilung zu protestieren.

Versprechen der Bundesrätin

Seit zehn Jahren kämpft der Hinterthurgauer Bürgerprotest gegen die vielen Flugbewegungen, die sich in ihrem Himmel kreuzen. Sie sehen sich als Lärmopfer. Rechtzeitig zum Eintreffen der Bundesrätin auf dem Weinfelder Marktplatz halten die Hinterthurgauer deshalb ihr Transparent hoch: «Noch mehr Fluglärm - NEIN!» Doch die Bundesrätin beantwortet zuerst die Fragen des Moderators Mario Testa. Zum Bedauern der Gruppe des Bürgerprotest wird das Thema Fluglärm mit keiner Silbe erwähnt. Dann kam aber doch noch Freude auf: Die Bundesrätin liess es sich im Anschluss an ihr offizielles Interview nicht nehmen, Josef Imhof, den Präsidenten des Bürgerprotests, anzusprechen. «Das war der wirkungsvollste Auftritt unseres zehnjährigen Vereins», sagt dieser später. Die Bundesrätin habe ihm gesagt, dass sie gewillt sei, den Fluglärm besser zu verteilen. «Sie hat mir auf glaubwürdige Art und Weise versichert, dass auch der Süden des Flughafens seinen Teil der Lasten übernehmen müsse», sagt er. Die Hinterthurgauer sehen vor allem das Ufer um den Zürichsee als bevorteilte Region. «Sie stand mir gegenüber, ich fühlte mich ernst genommen», freut sich der Präsident des Bürgerprotests.

Für die Bundesrätin sind solche Situationen keine Seltenheit. «Das habe ich in jedem Kanton», sagt sie gegenüber unserer Zeitung. Und überall herrsche eine andere Vorstellung von fairer Verteilung. Dem Bürgerprotest aus dem Hinterthurgau gab sie aber tatsächlich das Versprechen ab, bezüglich Fluglärm werde der Lastenausgleich umgesetzt.

Für Präsident Josef Imhof ist klar: «Wenn unsere Protestbewegung nicht an diese Veranstaltung gekommen wäre, wäre das Thema Fluglärm nicht angesprochen worden.»

Pegida verzichtet

Ihr Kommen angekündigt hatte auch die Islam-kritische Gruppe Pegida Schweiz. Sie verzichtete dann aber auf eine Kundgebung, nachdem die Jungsozialisten, ebenfalls über Facebook, zu einer Gegendemonstration aufgerufen hatten. Dutzende Kantonspolizisten waren bereits am frühen Abend in Weinfelden präsent.

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