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Ein Obelisk für den St.Galler Kantonsvater

Das Grabmal des St. Galler Kantonsgründers Karl Müller von Friedberg war jahrzehntelang verwahrlost. Nun steht ein neuer Obelisk auf dem Friedhof in Konstanz. Auch zur Freude der Nachfahren aus Rom.
Anna Miller
Andreas Osner, Bürgermeister von Konstanz, Nachfahre Edoardo Schmidt di Friedberg, und der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti (von links) enthüllen den neuen Obelisken. (Bild: Ralph Ribi)

Andreas Osner, Bürgermeister von Konstanz, Nachfahre Edoardo Schmidt di Friedberg, und der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti (von links) enthüllen den neuen Obelisken. (Bild: Ralph Ribi)

Zwei Jahre lang hat sich Martin Klöti, Regierungsrat des Kantons St. Gallen, für diesen Tag eingesetzt, an diesem Mittwoch ist es soweit, der Gründer des Kantons St. Gallen bekommt endlich wieder ein anständiges Grab. Feierlich wird der neue Obelisk von Karl Müller von Friedberg enthüllt, vor rund zehn Anwesenden. Die grossen Bäume schützen vor dem teils starken Regen. Es gibt eine kleine Festansprache, der Bürgermeister von Konstanz, Andreas Osner, ist gekommen. Und sogar ein Nachfahre des berühmten Müller von Friedberg, Edoardo Schmidt di Friedberg, extra aus Rom eingeflogen, mit einem Verwandten, der vom ­Italienischen ins Deutsche übersetzt.

Die Enthüllung des Obelisken ist der vorläufige Höhepunkt einer etwas ungewöhnlichen ­Rettungsaktion. Das Grabmal von Karl Franz Aloys Matthyas Reichsfreiherr und Reichsritter von Müller von Friedberg (1755–1836) auf dem Konstanzer Hauptfriedhof war über Jahrzehnte sich selbst überlassen worden, bis es so stark verwittert war, dass der alte Obelisk wohl bald in sich zusammengestürzt wäre. Die Bronzeplakette, auf der das Familienwappen der Friedbergs prangte, wurde 1982 von Jugendlichen abgerissen und in den Rhein geworfen – keiner, der die Plakette in den vergangenen fast 40 Jahren ersetzt hätte. Dabei ist das Grab seit mindestens 1933 durch den Kanton St. Gallen betreut. Der ehemalige Leiter des Amtes für Kultur, Walter Lendi, konnte sich das Trauerspiel nicht mehr länger ansehen und meldete die Situation vor zwei Jahren beim Amt für Kultur.

Der Kantonsgründer ausserhalb St. Gallens

Und Martin Klöti, Kulturminister, handelte. Vor einem Jahr wurde ein neuer Obelisk aus Sandstein in Auftrag gegeben. Kostenpunkt: Rund 55000 Franken, inklusive neuem Bronzewappen und einer immergrünen Hecke aus Eibe, dicht und kräftig, ein würdevoller Ersatz für den befallenen Buchsbaum, der das Grab zuvor schmückte.

Eine Exhumierung wurde nicht angeordnet, dafür hätte es eines neuen Totenscheins bedurft, ausserdem gilt das Grab auch in Konstanz als Kulturdenkmal. Es seien drei Särge unter dem Boden, sagt die Friedhofsverantwortliche, keiner davon beschriftet, da hätte man schlicht nicht wissen können, ob man den richtigen Leichnam erwische. Also kümmerte sich Martin Klöti auch in Konstanz um ein würdevolles Grab für von Friedberg, ­obwohl er ihn gerne bei sich in St. Gallen gesehen hätte.

Kurz vor halb zwölf, die drei Männer ziehen am schwarzen Tuch, das den Obelisken noch feierlich verhüllt, leider in die falsche Richtung, das Ganze muss für die Fotografen nochmals wiederholt werden, und so ruft der Nachfahre dem Begleiter kurz zu, gib mir den Stock, dann machen sich die drei Herren erstmals ­daran, das Tuch wieder über den Stein zu legen, alles nochmals von vorne. Danach geht es zum Mittagessen im Hotel Riva am Bodensee, mit Felchenfilet, Spargeln und Ochsenherztomate, die Gäste sind zufrieden, und Regierungsrat Klöti sagt, es sei seine Pflicht, dafür zu sorgen, dass ein Mensch, der so wichtig für den Kanton St. Gallen war, nicht einfach im Regen stehen gelassen werde, und sein Grab nicht achtlos verwittert.

Nachfahre aus Rom zum ersten Mal in Konstanz

Das sieht auch der extra aus Rom angereiste Nachfahre von Friedbergs so, Edoardo Schmidt di Friedberg, der die Tradition hochhält, ein älterer Herr mit Hut und dunkler Sonnenbrille, Gehstock aus Holz mit Perlmuttdekor, rahmengenähten Schuhen und einem Blick, der oft in die Ferne schweift. Ein Gelehrter, einer, der viel nachdenkt und sorgsam spricht, schmallippig, und doch mit viel Leben in den Augen, wenn er von seiner Familiengeschichte spricht.

Er stamme noch aus einer Generation, wo es den Kindern verboten war, bei Tisch zu sprechen oder den Erwachsenen Fragen zu stellen, und so lauschte er zusammen mit seinen Geschwistern still den Geschichten, die über seine Vorfahren erzählt ­wurden. Er lauschte, wie Worte fielen, Namen und Orte, das Löwendenkmal in Luzern, Näfels, St. Gallen, Napoleon, Krieg, Schlacht. So wurde ihm etwas Fernes immer vertrauter, erzählt er, aus Namen wurde eine Geschichte um seine Herkunft.

«Ich finde es sehr wichtig, dass man sich an die Menschen erinnert, die etwas für uns getan haben, auch an jene, die vielleicht nicht die grossen Stars waren, nicht Napoleon.»

Er sei vor 50 Jahren das letzte Mal in St. Gallen gewesen und heute das allererste Mal in seinem Leben in Konstanz. Die Nachfahren der Familie Friedberg wohnen mittlerweile alle in Italien oder anderweitig im Ausland. Martin Klöti pflegt seit 2014 Kontakt zur Familie und besuchte sie bereits mehrmals in Rom.

Der Kanton St. Gallen hat die Unterhaltspflicht nun bis 2036 verlängert, dann jährt sich der 200. Todestag von Karl Müller von Friedberg, Gründungsvater des Kantons St. Gallen, eine umstrittene Figur, unerbittlich, herrisch, nicht bei allen beliebt. Doch unbestritten in seiner Wichtigkeit für den Kanton.

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