"Ein nochmaliges Salzen war nicht angezeigt"

ST.GALLEN. Wie ist es möglich, dass die Fahrbahn im Rosenbergtunnel beim Massencrash vom Dienstagmittag glitschig war? Und weshalb blieb die Unfallstelle über vier Stunden gesperrt? Die Verantwortlichen treten entsprechender Kritik entgegen.

Daniel Walt
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Der Megacrash im Rosenbergtunnel: 16 Fahrzeuge, darunter ein Lastwagen, waren darin verwickelt. (Bild: Ralph Ribi)

Der Megacrash im Rosenbergtunnel: 16 Fahrzeuge, darunter ein Lastwagen, waren darin verwickelt. (Bild: Ralph Ribi)

"Es gibt Hunderttausende von Fachleuten auf unseren Strassen. Wenn wir jede Kritik auf die Goldwaage legen, machen wir unseren Job nicht mehr lange." Das sagt Norbert Matti, Leiter Nationalstrassen Gebiet VI. Er ist in dieser Funktion unter anderem zuständig für die St.Galler Stadtautobahn, auf der es am Dienstag kurz vor 13 Uhr zu einer Massenkarambolage von 16 Fahrzeugen kam. In der Folge stellte sich manch einer die Frage, ob der Unterhaltsdienst seinen Job nicht gemacht habe – die Fahrbahn im Rosenbergtunnel war zum Unfallzeitpunkt rutschig. Entsprechende Kritik wurde beispielsweise in Online-Kommentaren laut.

St. Gallen - Stadtautobahn Unfall im Rosenbergtunnel mit ca. 25 Autos und Lastwagen. Polizei nimmt Unfall auf und fängt mit der Räumung der Autos an. (Bild: Ralph Ribi)
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St. Gallen - Stadtautobahn Unfall im Rosenbergtunnel mit ca. 25 Autos und Lastwagen. Polizei nimmt Unfall auf und fängt mit der Räumung der Autos an. (Bild: Ralph Ribi)
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St. Gallen - Stadtautobahn Unfall im Rosenbergtunnel mit ca. 25 Autos und Lastwagen. Polizei nimmt Unfall auf und fängt mit der Räumung der Autos an. (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Stadtautobahn Unfall im Rosenbergtunnel mit ca. 25 Autos und Lastwagen. Polizei nimmt Unfall auf und fängt mit der Räumung der Autos an. (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Stadtautobahn Unfall im Rosenbergtunnel mit ca. 25 Autos und Lastwagen. Polizei nimmt Unfall auf und fängt mit der Räumung der Autos an. (Bild: Ralph Ribi)
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St. Gallen - Stadtautobahn Unfall im Rosenbergtunnel mit ca. 25 Autos und Lastwagen. Polizei nimmt Unfall auf und fängt mit der Räumung der Autos an. (Bild: Ralph Ribi)
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St. Gallen - Stadtautobahn Unfall im Rosenbergtunnel mit ca. 25 Autos und Lastwagen. Polizei nimmt Unfall auf und fängt mit der Räumung der Autos an. (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Stadtautobahn Unfall im Rosenbergtunnel mit ca. 25 Autos und Lastwagen. Polizei nimmt Unfall auf und fängt mit der Räumung der Autos an. (Bild: Ralph Ribi)

St. Gallen - Stadtautobahn Unfall im Rosenbergtunnel mit ca. 25 Autos und Lastwagen. Polizei nimmt Unfall auf und fängt mit der Räumung der Autos an. (Bild: Ralph Ribi)

Keine kritischen Werte
Norbert Matti blickt im Gespräch mit Tagblatt Online zurück: Wegen der dauernden Schneefälle waren die Streufahrzeuge bereits ab der Nacht auf Dienstag, 2 Uhr, im Einsatz. Eine wichtige Rolle spielte dabei wie stets das Glatteis-Frühwarnsystem. Es misst den Salzgehalt sowie die Boden- und die Lufttemperatur – sechs Messpunkte gibt es auf der St.Galler Stadtautobahn. "Nach 9 Uhr zeigten sie keine problematischen Werte mehr an", betont Norbert Matti. Trotzdem wurde im Verlauf des Vormittags entschieden, noch einmal zwei Streufahrzeuge auf Tour zu schicken – sie passierten die spätere Unfallstelle im Rosenbergtunnel laut Matti kurz nach 11 Uhr.

Mehrere Faktoren
Auch im unmittelbaren Vorfeld der Massenkarambolage kurz vor 13 Uhr hat das Glatteis-Frühwarnsystem keinen Alarm geschlagen. Der Grund: Nach aktuellem Kenntnisstand war es im Tunnel zum Unfallzeitpunkt kälter als draussen, wo die Messstationen platziert sind. Die tiefe Lufttemperatur, eine entsprechende Bodentemperatur sowie die Feuchtigkeit, welche die Autos in den Tunnel getragen hatten, dürften damit zur gefrierenden Nässe im Rosenbergtunnel geführt haben. Norbert Matti ist deshalb überzeugt: "Wir haben unser Möglichstes getan." Ein nochmaliges Salzen in jenem Bereich vor dem Unglückszeitpunkt sei aufgrund der Messdaten nicht angezeigt und zudem schlicht nicht machbar gewesen – "sonst müssten wir doppelt so viele Streufahrzeuge haben", hält er fest.

Gegen 30 Autos entgingen einem Crash
Eine entscheidende Rolle bei der Auslösung des Massencrashs spielte ein erster Unfall, der sich im vorderen Bereich des Rosenbergtunnels ereignet hatte. Hanspeter Krüsi, Medienchef der St.Galler Kantonspolizei: "Ein Auto war auf der glitschigen Fahrbahn zuerst an die rechte und dann an die linke Tunnelwand geraten und schliesslich auf der Normalspur stehen geblieben." Ein zweites Fahrzeug konnte gerade noch anhalten, nicht aber ein drittes. In der Folge passierten gegen 30 Autos die Unfallstelle auf der Überholspur. Bis schliesslich ein Wagen bremste. Daraufhin kam es zur Massenkarambolage – laut Krüsi der grössten in der Geschichte der Stadtautobahn.

"Eine sportliche Zeit"
Für Hanspeter Krüsi ist es auch mit einem Tag Abstand ein grosses Glück, dass es keine Schwerverletzten gab und dass keine Unfallfahrzeuge in Brand gerieten. "Aufgrund der Beschädigungen einiger Autos ist nämlich davon auszugehen, dass auch Flüssigkeiten ausgelaufen sind", sagt er. Als positiv bewertet er auch, dass sich das Rettungskonzept bewährt habe. Kritik an der über vierstündigen Sperrung des Unfallbereichs weist Krüsi zurück: "Das war eine sportliche Zeit", sagt er. Und betont, dass die Polizei die Autobahn viel länger hätte blockieren müssen, wenn sich der Unfall nicht in einem Tunnel ereignet hätte. Zur Klärung des detaillierten Unfallhergangs kann die Polizei nun nämlich auf die Videobilder der Tunnelüberwachung zurückgreifen. An einem anderen Ort hätte sie laut Krüsi viel Zeit dafür aufwenden müssen, sämtliche Unfallspuren genau zu dokumentieren.

Das sagt die Meteorologin

"Am Dienstagmittag war es nass und kalt genug, damit sich im Rosenbergtunnel gefrierende Nässe bilden konnte", sagt Jacqueline Kernn, Diplommeteorologin bei der Firma Meteomedia. Kernn erinnert daran, dass Fahrzeuge, die bei Hudelwetter einen Tunnel passieren, Schnee und damit Nässe hinterlassen. "In eher kürzeren Tunnels ist der Luftaustausch mit der Umgebung zudem intensiver. Es ist dort somit kühler als in langen Tunnels" hält sie fest. Kernn nimmt die Unterhaltsequipen aus der Schusslinie: "Immer alles freiräumen, das geht einfach nicht. Man muss sein Fahrverhalten und das Tempo den Umständen anpassen", findet sie. (dwa)

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