Ein neues Gymnasium und eine vereitelte Eröffnung

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Neuanfänge Der Verein «Läbe, Lerne, Lache» wollte auf Anfang des Schuljahres 2017/18 in Appenzell Ausserrhoden eine neue Privatschule nach dem amerikanischen Sudbury-Modell eröffnen («Ostschweiz am Sonntag» vom 5. März). Nun kommt es zu einer Verschiebung des Starts der «freien demokratischen Schule», die ohne Noten auskommen will. Und wo die Kinder das Sagen haben sollen. «Das Bewilligungsverfahren hat sich verzögert», sagt Vorstandsmitglied Andrea Eggenberger auf Anfrage. Der Kanton habe zwar das Schulkonzept gutgeheissen und eine Bewilligung in Aussicht gestellt. Es gebe aber noch offene Fragen, besonders was das Beurteilungssystem betreffe. «Ich bin sicher, wir werden uns einigen», sagt Eggenberger. Neu strebt der Verein eine Eröffnung auf das zweite Semester des kommenden Schuljahres an, also Februar 2018.

Neun Familien weichen nach Thal aus

Unangenehm ist die Verschiebung für die neun Familien, die an einer Einschulung diesen Sommer Interesse gezeigt hatten und nun eine andere Lösung finden mussten. Laut Eggenberger werden sie ihre Kinder nach Thal in die «Schuel am Steinlibach» schicken, die ebenfalls das freie Lernen praktiziert – wenn auch nicht nach dem Sudbury-Modell. Ob diese Kinder in einem halben Jahr zu ihnen wechseln, weiss Andrea Eggenberger nicht. Dennoch könne der Verein sich vorstellen, mit einer kleinen Gruppe von Schülern im Februar zu starten. Auch die Standortsuche ist noch nicht abgeschlossen. Zurzeit habe man zwei Liegenschaften in Trogen und Heiden im Auge. Die kantonalen Auflagen bezeichnet Eggenberger als sehr streng. Sie stellt ein gewisses grundsätzliches Paradox im System fest: «Wer eine Alternative zur Volksschule bieten möchte, muss fast alle Kriterien einer solchen erfüllen.» Auch die Finanzierung sei eine Herausforderung. Man sei mit verschiedenen Stiftungen in Kontakt. Dass viele Eltern aus Kostengründen auf eine alternative Beschulung verzichten, möchte sie nicht kommentieren. «Es ist eine Frage der Prioritäten jedes Einzelnen.»

Neue Stadtschule gründet eigenes Gymnasium

Kurz vor einem entscheidenden Ausbau steht dagegen die Neue Stadtschule der beiden Schulgründer Bettina Würth, Vorsitzende des Stiftungsbeirats der Würth-Unternehmensgruppe, und Schulpionier Peter Fratton in St. Gallen: Nach den Sommerferien startet die Privatschule mit einem internen Gymnasium.

«Wir beginnen mit zehn Schülern auf Gymnasiumsstufe», sagt Schulleiter Michael Hasler auf Anfrage. Damit vergrössert sich die Schule von zurzeit 30 auf 40 Schüler. Schon unter dem Jahr sei man gewachsen, so dass sich die Schülerzahl innert eines Jahres verdopple. «Das ist für uns eine sehr positive Entwicklung», sagt der Schulleiter. Die Anforderungen des Kantons erfülle die Neue Stadtschule problemlos, die ihre Schüler mit viel selbstständigem Lernen und Erfahren zum höchstmöglichen Schulabschluss führen möchte, sagt Hasler. Das zeige auch die Tatsache, dass alle Schüler, die in diesem Jahr die Kantiprüfung probehalber abgelegt hätten, diese auch bestanden. Auch Übertritte in andere Mittelschulen oder Berufsausbildungen verliefen jeweils pro­blemlos.

Das neue Gymnasium soll etwa zur Hälfte aus «klassischem» Unterricht sowie freieren Formen des Selbstlernens mit viel Praxisbezug bestehen, so der Schulleiter. «Etwas Vergleichbares gibt es in der Ostschweiz bisher nicht.» Anstelle des Klassenunterrichtes sollen die Lernenden ihre Lektionen gemäss ihrem Bedarf in einem Kolloquiensystem einfordern, das jenem einer Universität gleiche. Flankierend werden gemäss Hasler konsequent die «Möglichkeiten der modernen Technologien zur Zielerreichung» genutzt.

Odilia Hiller