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Zwei Kinder schauen ins Cockpit der flugbereiten North American AT-6 im Neubau des FFA-Museums. (Bild: Benjamin Manser)

Zwei Kinder schauen ins Cockpit der flugbereiten North American AT-6 im Neubau des FFA-Museums. (Bild: Benjamin Manser)

Altenrhein drückt auf den Anlasser: Was das neue Flieger- und Fahrzeugmuseum kann – und was noch nicht

Die Rolls-Royces sind poliert, die historischen Flugzeuge startbereit: Heute öffnet das neue Flieger- und Fahrzeugmuseum in Altenrhein seine Tore. Einige Baustellen gibt es in der Ausstellung allerdings noch.
Adrian Vögele

Auch alte Katzen fauchen noch. Der «Tiger-Hunter», ein 63-jähriger Kampfjet in schwarzgelber Lackierung, setzt in Altenrhein zum Sprung an. Die Maschine ist frisch revidiert, nun wird sie getestet. Hinter dem dröhnenden Rolls-Royce-Triebwerk flimmert die heisse Luft über der Piste. «Das Schönste ist, dass der Hunter noch genauso gut fliegt wie vor Jahrzehnten», hat Paul Ruppeiner, Chefpilot des Museums am Flugplatz, vor dem Einsteigen noch gesagt. Jetzt gibt er Schub und jagt die Katze in den Himmel.

Museen wollen gemeinhin vor allem konservieren, erforschen, vermitteln. In Altenrhein ist das anders: Fliegen, das war von Anfang an das oberste Ziel. Ruppeiner hatte das Fliegermuseum 1994 gegründet, um den Hunter nach dessen Ausmusterung aus der Luftwaffe am Leben zu erhalten. Und zwar in der Luft, und nicht nur am Boden. Weitere Flugzeugtypen kamen hinzu.

Jeder Besucher, der in den folgenden 25 Jahren die Halle in Altenrhein betrat, hatte bald den Eindruck: Das ist kein typisches Museum, das ist ein Hangar mit Werkstatt, der zugleich als Museum dient. Die grosse Vergangenheit des Orts, die Flugbootwerft des Pioniers Claude Dornier, die Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein (FFA), die Technikgeschichte und Theorie, das alles spielte in der Ausstellung eine Rolle, aber eigentlich ging es immer ums Fliegen in der Gegenwart – die Ölfangbleche am Boden unter den Flugzeugen verrieten es. Die ganze Sammlung schien darauf zu warten, dass sich die Tore öffnen und sie wieder an die frische Luft kommt.

Eine Prise Luxus in der Hangar-Atmosphäre

Der Geist der lebendigen Mechanik weht auch im neuen, erweiterten Museum, das jetzt Flieger- und Fahrzeugmuseum Altenrhein heisst – oder kurz FFA-Museum. Mit dem Neubau, der an die alte Halle anschliesst, hat sich die Ausstellungsfläche mehr als verdoppelt. Die Flugzeuge, die bisher dicht gedrängt standen, haben mehr Platz. Ins zweite Obergeschoss ziehen Autos ein – edle Oldtimer und andere spezielle Fahrzeuge. Sie stammen teils aus der Sammlung der Vorarlberger Familie Vonier, die das Rolls-Royce-Museum in Dornbirn und ein Auto-Restaurationsunternehmen in Salzburg betreibt, teils aus der Autobau-Erlebniswelt in Romanshorn und von weiteren privaten Besitzern. Noch kurz vor der Eröffnung ist das Fahrzeugensemble nicht ganz komplett, die Vorbereitungen in der Ausstellung sind noch in vollem Gang. Die Autos werden ohnehin nicht lange parkiert bleiben: Schon zur Eröffnung heute Samstag finden Ausfahrten auf dem Gelände statt.

Johannes Vonier, Mitgründer des neuen FFA-Museums. (Bild: Benjamin Manser)

Johannes Vonier, Mitgründer des neuen FFA-Museums. (Bild: Benjamin Manser)

Damit die Exponate in Bewegung bleiben können, gibt es einen Fahrzeuglift – und eine Hebebühne, die Flugzeuge auf die erste Etage befördern kann. «Das ist weit und breit einzigartig», sagt Johannes Vonier. Er ist zusammen mit seinem Bruder Bernhard Vonier vor drei Jahren in die Leitung des Museums eingestiegen – die Brüder haben auch den Neubau mitfinanziert und mitgeprägt. Mit den Voniers, ihren Autos und dem Erweiterungsbau samt britisch inspiriertem Tea-Room und raumhohen Fensterfronten erhält das Museum eine neue Zutat: Luxus. Oder zumindest eine Prise davon. Auf der Aussichtsterrasse bei Sonnenuntergang einen Cocktail trinken, mit Rundblick auf Landebahn und Bodensee? Dergleichen hatten die Museumsgründer damals nicht vor Augen, als es darum ging, Kampfjets vor der Schrottpresse zu retten.

Blick ins FFA-Museum kurz vor der Eröffnung: Auf der zweiten Etage sind aussergewöhnliche Autos zu sehen, beispielsweise dieser Jaguar E-Type... (Bild: Benjamin Manser) Blick ins FFA-Museum kurz vor der Eröffnung: Auf der zweiten Etage sind aussergewöhnliche Autos zu sehen, beispielsweise dieser Jaguar E-Type... (Bild: Benjamin Manser)
...und dieser Rolls-Royce: Johannes Vonier vom Museumsteam öffnet die Haube. (Bild: Benjamin Manser)...und dieser Rolls-Royce: Johannes Vonier vom Museumsteam öffnet die Haube. (Bild: Benjamin Manser)
Mit dem Neubau erhalten die Flugzeuge deutlich mehr Platz: Eine Blériot XI. (Bild: Benjamin Manser)Mit dem Neubau erhalten die Flugzeuge deutlich mehr Platz: Eine Blériot XI. (Bild: Benjamin Manser)
Blick von der alten Halle des Museums in den Neubau. (Bild: Benjamin Manser)Blick von der alten Halle des Museums in den Neubau. (Bild: Benjamin Manser)
Die meisten Exponate des Museums sind noch betriebsfähig. Um die Flugzeuge kümmern sich vier lizenzierte Mechaniker. Einer von ihnen... (Bild: Benjamin Manser) Die meisten Exponate des Museums sind noch betriebsfähig. Um die Flugzeuge kümmern sich vier lizenzierte Mechaniker. Einer von ihnen... (Bild: Benjamin Manser)
...ist Wilfried Bauer. Er arbeitete früher bei der Swiss und hielt dort unter anderem vierstrahlige Langstreckenflugzeuge in Schuss. Heute arbeitet er in Altenrhein... (Bild: Benjamin Manser)...ist Wilfried Bauer. Er arbeitete früher bei der Swiss und hielt dort unter anderem vierstrahlige Langstreckenflugzeuge in Schuss. Heute arbeitet er in Altenrhein... (Bild: Benjamin Manser)
...an historischen Maschinen wie dieser De Havilland Vampire. Sie wird demnächst wieder fliegen. (Bild: Benjamin Manser) ...an historischen Maschinen wie dieser De Havilland Vampire. Sie wird demnächst wieder fliegen. (Bild: Benjamin Manser)
Flügelspitze der North American AT-6. (Bild: Benjamin Manser)Flügelspitze der North American AT-6. (Bild: Benjamin Manser)
Armaturenbrett der AT-6: In der Zeit des Zweiten Weltkriegs lernten Tausende Piloten der Alliierten ihr Handwerk auf diesem Muster. (Bild: Benjamin Manser)Armaturenbrett der AT-6: In der Zeit des Zweiten Weltkriegs lernten Tausende Piloten der Alliierten ihr Handwerk auf diesem Muster. (Bild: Benjamin Manser)
Blick ins Cockpit eines Rolls-Royce. (Bild: Benjamin Manser)Blick ins Cockpit eines Rolls-Royce. (Bild: Benjamin Manser)
Der Motor des Jaguar E-Type Low Drag. (Bild: Benjamin Manser)Der Motor des Jaguar E-Type Low Drag. (Bild: Benjamin Manser)
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FFA-Museum

Zum neuen Komfort gehört auch, dass das Museum jetzt ganzjährig geöffnet ist – weil sich der Neubau gut heizen lässt, im Gegensatz zum alten, zugigen Hangar. Der Plan, das Haus vermehrt für Veranstaltungen zu vermieten, scheint vorerst aufzugehen: «Allein im September sind bereits 60 Anlässe gebucht», sagt Vonier.

Elektronische Hilfsmittel stehen noch am Anfang

Flüge, Fahrten und Genuss in Ehren: Eine Institution, die sich als Museum bezeichnet, muss auch Wissen und Hintergründe vermitteln – möglichst auf zeitgemässe Art. Das FFA-Team weiss das. Und es hat sich hohe Ziele gesteckt: In der Ausstellung sollen zukunftsweisende digitale Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Nichts weniger als «das modernste und einzigartigste Museum seiner Art» soll das FFA-Museum werden, wie es auf der Webseite heisst. Ein Schritt dazu: Die Besucherinnen und Besucher sollen auf ihrem Smartphone direkt Informationen zu den Exponaten erhalten, die sie gerade betrachten. So könnte es möglich sein, virtuell unter Motorhauben und hinter Cockpitscheiben zu schauen, indem man das Handy vor die Fahr- und Flugzeuge hält. «Damit wollen wir die Ausstellung insbesondere auch für junge Besucher attraktiv machen», sagt Vonier.

Ein Flugzeugtriebwerk im FFA-Museum. (Bild: Benjamin Manser)

Ein Flugzeugtriebwerk im FFA-Museum. (Bild: Benjamin Manser)

Ein solches «smartes Museum» zu entwickeln, ist allerdings teuer und aufwendig. Das FFA-Museum erhält für dieses Konzept vom Kanton St.Gallen 150'000 Franken aus dem Lotteriefonds, die Gesamtkosten sind um ein Vielfaches höher. Und die Realisierung verzögert sich: Allzu digital ist die Ausstellung heute Samstag noch nicht. Die Datenbank für die Exponate befindet sich laut Johannes Vonier noch im Aufbau.

Die Vernetzung mit den Handys der Besucher soll im Lauf des Sommers in Betrieb gehen. «Wir entwickeln das Museum laufend weiter», sagt Vonier. Auch die Zukunft der Fahr- und Flugzeugtechnologie – angesichts der Klimadebatte ein brandaktuelles Thema – soll in der Ausstellung dereinst beleuchtet werden.

«Wir sind uns der Klimaproblematik bewusst»

Paul Ruppeiner, Chefpilot des FFA-Museums. (Bild: Raphael Rohner)

Paul Ruppeiner, Chefpilot des FFA-Museums. (Bild: Raphael Rohner)

Apropos: Was sagt Chefpilot Paul Ruppeiner zu den politischen Diskussionen der vergangenen Monate rund um die ökologischen Auswirkungen des Fliegens? «Wir sind uns der Klimaproblematik sehr wohl bewusst.» Zugleich sei es wichtig, einige wenige Exemplare historischer Flugzeugtypen für die Nachwelt zu erhalten – «damit in Zeiten der Wegwerfgesellschaft nicht alles vergessen geht». Die Oldtimer seien nicht nur technische Zeitzeugen, sondern hätten auch eine Bedeutung für die heutige Fliegerei – als Publikumsmagnete helfen sie, junge Leute für Berufe in der Aviatik zu begeistern.

Junge Freiwillige gesucht

Auf Nachwuchssuche ist auch das FFA-Museum: Die Brüder Vonier, beide um die 40, sind die junge Generation im Team und hoffen auf weitere Neuzugänge. Zugleich lebt das Museum vom Wissen der älteren Mitglieder, die beispielsweise auf Führungen noch aus eigener Erfahrung vom Flug- und Fahrzeugbau in Altenrhein erzählen können. Mit der Eröffnung des Neubaus hat das Museum jetzt die Chance, das Bewährte mit Neuem zu verknüpfen. Die alte Mechanik läuft wie geschmiert – wie gut es mit der modernen Wissensvermittlung klappt, werden die nächsten Monate zeigen.

Autofahrten, Flugshow und Claude Nicollier

Heute um 10 Uhr beginnt der zweitägige Eröffnungsanlass des FFA-Museums: Diverse Exponate des Museums werden draussen in Aktion zu sehen sein, beispielsweise die Hunter- und Vampire-Jets, der Stearman-Doppeldecker, das Trainingsflugzeug AT-6, ein Ferrari GTO, ein Jaguar E-Type und ein Rolls-Royce Phantom. Geplant ist auch ein Formationsflug mit vier historischen Kampfjets, der möglicherweise Eingang ins Guinness-Buch der Rekorde finden wird. Zu Besuch kommen weitere fliegende Oldtimer, etwa eine Douglas DC-3 in klassischer Swissair-Bemalung. Auch eine P-51 Mustang und ein Fieseler Storch stehen auf dem Programm. Zudem präsentiert die Schweizer Luftwaffe jeweils am Nachmittag einen Super-Puma-Helikopter. Zu den Gästen des Eröffnungswochenendes gehört der ehemalige Astronaut und Kampfpilot Claude Nicollier. (av)

Weitere Informationen unter
www.ffa-museum.ch

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