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Ein Leben auf Zeit im Bunker

ST.GALLEN. Vor zehn Tagen sind die ersten Asylsuchenden in der Zivilschutzanlage im St.Galler Riethüsli eingetroffen. Mittlerweile leben dort 16 Frauen und 60 Männer. Gestern wurde die Anlage erstmals für Medien und Anwohner geöffnet.
Marion Loher
Fernsehen bei Tageslicht gibt es im Gebäude neben der Anlage. (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Fernsehen bei Tageslicht gibt es im Gebäude neben der Anlage. (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Es geht abwärts. Unter die Erde. Ein kurzer, verwinkelter Gang und man steht in einem grossen Raum, dem Essbereich. Die Betonwände sind gelb, die Regale blau. Die Farbtupfer tun dem Raum gut, lassen ihn freundlicher wirken. Das Aufsteigen eines beklemmenden Gefühls können sie aber nicht verhindern. Die Decke ist niedrig, das Neonlicht karg und im Hintergrund ist andauernd das Rauschen einer Lüftung zu hören. An einem Holztisch sitzen zwei junge Männer. Der eine trinkt Tee, der andere legt sich eine Zigarette bereit. Rauchen wird er sie draussen, denn drinnen in der Zivilschutzanlage gilt striktes Rauchverbot.

PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums f?r Asylsuchende im Rieth?sli (Bild: Michel Canonica)
Urs Weber, Leiter der Asylabteilung. (Bild: Michel Canonica)
Jürg Eberle, Amtsleiter Migrationsamt. (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
PK Kanton: Besichtigung des Zentrums für Asylsuchende im Riethüsli (Bild: Michel Canonica)
23 Bilder

Neues Asylzentrum im Riethüsli

«Am 28. Februar ist Schluss»

Vor gut einer Woche ist die Zivilschutzanlage beim Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum (GBS) im St.Galler Quartier Riethüsli für Asylsuchende eröffnet worden. Als Notunterkunft, weil der Flüchtlingsstrom anhält und die kantonalen Asylzentren überfüllt sind. Es sei ein Gemeinschaftswerk von Kanton, Stadt und Zivilschutz, sagt Jürg Eberle, Leiter des kantonalen Migrationsamts, beim gestrigen Rundgang mit Medien und Quartierbewohnern. Das Zentrum ist auf sechs Monate befristet. «Am 28. Februar ist im Riethüsli Schluss. Es gibt keine Verlängerung», sagt Eberle. Wenn der Asyl-Engpass bleibe, müsse der Kanton an einem anderen Ort neue Räume finden.

Die Zivilschutzanlage im Riethüsli bietet Platz für 100 Asylsuchende. Momentan leben dort 76 Einzelpersonen: 16 Frauen und 60 Männer, die vorwiegend aus Eritrea, Afghanistan, Syrien und Somalia stammen. Keine Familien, sie würden die Nutzung der Räume zu sehr einschränken, heisst es. Bereits Ende Woche werde die Anlage voll besetzt sein, sagt Urs Weber, Asylkoordinator des Kantons. Wie lange die Asylsuchenden in der Stadt bleiben, hängt laut Jürg Eberle davon ab, wie lange die Bearbeitung der Gesuche dauert und wie viele Asylsuchende die Gemeinden übernehmen. «Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt jedoch zwei bis drei Monate», sagt Eberle.

4.60 Franken pro Tag

In der Unterkunft gibt es einen grossen Ess- und Aufenthaltsbereich, zwei Schlafräume für die Männer und einen für die Frauen sowie Duschen, Toiletten und weitere kleinere Räume. Jeder Asylsuchende hat einen eigenen Spind, einen kleinen Kasten, in dem er seine Habseligkeiten aufbewahren kann. Ein junger Somalier hat seinen soeben fertig eingeräumt. Für ihn sei es der erste Tag in St.Gallen, erzählt der 18-Jährige in gutem Englisch. Und wie gefällt es ihm hier? «Very good – sehr gut», sagt er. Nur mit dem Essen habe er noch etwas Mühe, fügt er hinzu.

Die Asylsuchenden bekommen 3 Franken pro Tag sowie einen weiteren Franken für Kleider und 60 Rappen für Hygieneartikel. Zudem gibt es für jene einen kleinen Zustupf, die freiwillig bei den täglich anfallenden Arbeiten wie Putzen oder Abwaschen mithelfen. Kochen müssen sie nicht, das übernimmt die Mensa des GBS. Gegessen wird allerdings in der Zivilschutzanlage. Das Schulareal sei Sperrzone für die Asylsuchenden, sagt Urs Weber. Sonst aber dürfen sie sich frei bewegen. Nur wer nachts wegbleibe, müsse sich abmelden. Probleme habe es bislang keine gegeben.

Deutsch lernen macht Spass

Viele der 76 Asylsuchenden verbringen ihre Zeit im Gebäude neben der Anlage, wo es Aufenthalts- und Schulungsräume, aber vor allem Tageslicht gibt. In einem der Räume wird gerade Deutsch unterrichtet. Das Interesse ist gross. Zwei junge Zivildienstleistende sagen ein Wort auf Deutsch vor, die «Schüler» sprechen es laut im Chor nach. Die meisten seien wissbegierig und wollten die Sprache lernen, sagt Weber. Eine 30jährige Eritreerin strahlt, als sie auf den Unterricht angesprochen wird. Sie sei erst fünf Tage hier und spreche noch fast kein Deutsch, sagt sie auf Englisch. Es sei zwar eine schwierige Sprache, aber das Lernen mache ihr Spass.

Weitere Bilder auf www.tagblatt.ch

Der Deutschunterricht ist für die Asylsuchenden freiwillig. (Bilder: Michel Canonica)

Der Deutschunterricht ist für die Asylsuchenden freiwillig. (Bilder: Michel Canonica)

Der grösste Raum in der Zivilschutzanlage ist der Ess- und Aufenthaltsbereich. (Bild: Michel Canonica)

Der grösste Raum in der Zivilschutzanlage ist der Ess- und Aufenthaltsbereich. (Bild: Michel Canonica)

Jeder Bewohner hat seinen eigenen Spind. (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Jeder Bewohner hat seinen eigenen Spind. (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

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