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Ein Kind der Revolution

Erziehungsrat Sie ist eine der ältesten Institutionen im Kanton überhaupt. Was heute in St. Gallen als traditionelles Gremium wahrgenommen wird, ist ein Kind der Revolution. 1798 erhielten die helvetischen Kantone einen Erziehungsrat als Führungsinstanz – so auch die Kantone Säntis und Linth.

1803 bat der abtretende Erziehungsrat die neu konstituierte St. Galler Kantonsregierung um den Beibehalt einer gemeinsamen Schulbehörde und schrieb in einem Brief: «Ein paritätisches Erziehungskollegium fördert (. . .) das öffentliche Unterrichtswesen; und die schöne Harmonie, in welcher katholische und reformierte Schulmänner seit drei Jahren gearbeitet haben, dient als Beweis für die Möglichkeit einer gemeinsamen Wirksamkeit (. . .).» Der erste St. Galler Landammann, Karl Müller-Friedberg, installierte also erneut einen Erziehungsrat und verkündete: «Nur die Grenzen des menschlichen Verstandes und des Staatsvermögens beschränken seinen Wirkungskreis. Veredlung und Vervollkommnung sind sein Geschäft.»

1814 drohte der junge Kanton nach der Niederlage Napoleons und Wirren in Europa in seine Einzelteile zu zerfallen. Vom Rheintal bis ins Gasterland forderten Volksbewegungen Autonomie. Die Kantonsverfassung von 1814 kehrte zum vorrevolutionären Paritätsprinzip zurück, wonach jeder Konfessionsteil die kirchlichen und schulischen Angelegenheiten wieder selber regelte. 1816 wurden zwei konfessionelle Erziehungsräte eingerichtet. Nach dieser «wenig innovativen Zeit», wie der St. Galler Reformpädagoge Josef Weiss sie nannte, wurde der kirchliche Einfluss auf das Bildungswesen wiederum zurückgebunden. Mit der Kantonsverfassung von 1861 wurde wieder ein überkonfessioneller Erziehungsrat ernannt, der seither elf Mitglieder hat und fester Bestandteil des St. Galler Schulwesens ist.

Verfügten alle Kantone der Helvetik noch über einen Erziehungsrat, wurden diese Institutionen manchenorts abgeschafft – jedoch beispielsweise im Kanton Wallis wieder eingeführt. Heute gibt es vergleichbare Gremien noch in der Hälfte aller Kantone (siehe Tabelle). Die Kompetenzen sind dem föderalistischen Geist entsprechend äusserst unterschiedlich gelagert. Meist sitzt dem ­Erziehungsrat der Bildungsdirektor vor. Mehrheitlich wählen die Legislativen das Gremium; in fünf Kantonen sind die Regierungen dafür zuständig – so war es bis 1983 auch in St. Gallen. In den Wahl­runden 1984, 1988 und 1992 musste das Parlament die regierungsrätliche Wahl genehmigen. Eine Motion, die verlangte, dass die Legislative den Erziehungsrat wählt, wurde 1994 vom Kantonsrat abgelehnt. (hrt)

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