«Jetzt müssen wir den Tatbeweis erbringen»: Der St.Galler Volkswirtschaftschef Beat Tinner hat den Segen aus Bern für den Innovationspark Ost – und will demnächst starten

St. Gallen wird als neuer Standort ins Innovationsnetzwerk des Bundes aufgenommen: Die zuständige Stiftung gibt grünes Licht. Damit ist nach jahrelangen Vorarbeiten und zwei gescheiterten Bewerbungen ein Durchbruch gelungen. Die Zustimmung des Bundesrats sei nur noch Formsache, sagt Volkswirtschaftschef Beat Tinner.

Adrian Vögele
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Gute Nachrichten für den St. Galler Volkswirtschaftschef: Beat Tinner erhält grünes Licht für den Innovationspark Ost. Er hatte das Dossier im Frühling von Vorgänger Bruno Damann übernommen.

Gute Nachrichten für den St. Galler Volkswirtschaftschef: Beat Tinner erhält grünes Licht für den Innovationspark Ost. Er hatte das Dossier im Frühling von Vorgänger Bruno Damann übernommen.

Bild: Ralph Ribi

Im dritten Anlauf klappt es: Die St. Galler Bewerbung für den nationalen Innovationspark ist geglückt. Die Stiftung Switzerland Innovation hat das Dossier geprüft – und wird dem Bundesrat beantragen, St. Gallen als sechsten Standortträger ins nationale Innovationsnetzwerk aufzunehmen, wie sie am Mittwoch mitteilt. «Damit haben wir die entscheidende Hürde genommen», freut sich der St. Galler Volkswirtschaftschef Beat Tinner. Der Bundesratsentscheid, der noch bevorstehe, sei «eher eine Formsache», die inhaltliche Analyse sei abgeschlossen.

Der Switzerland Innovation Park Ost soll an den Standorten St. Gallen Lerchenfeld und Buchs entstehen. Dort sollen Firmen gezielte Unterstützung bei der Entwicklung neuer Produkte erhalten. Tinner sagt:

«Gerade in Zeiten von Corona ist die langfristige Investition in Forschung und Innovation zentral.»
Der Innovationspark wird in der Stadt St. Gallen im Umfeld der Empa sowie in Buchs angesiedelt.

Der Innovationspark wird in der Stadt St. Gallen im Umfeld der Empa sowie in Buchs angesiedelt.

Bild: Mareycke Frehner

Ostschweizer Industrie und Hochschulen eingebunden

Der geplante Innovationspark fokussiert auf Gesundheit, Digitalisierung in der Wirtschaft sowie Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM). Auf Forschungsseite sind für die Gesundheits- und Medizintechnik die Empa St. Gallen und das Kantonsspital St. Gallen eingebunden. Im Bereich MEM-Industrie sind es die Ostschweizer Fachhochschule sowie die Forschungsanstalt RhySearch in Buchst Die Universität St. Gallen hilft bei der Entwicklung neuer Dienstleistungen, Prozesse und Geschäftsmodelle. Platz für den Innovationspark ist vorhanden: Mit dem Campus Lerchenfeld bei der Empa in St. Gallen und dem Campus Buchs verfüge der Innovationspark Ost über Standorte mit einer «hochstehenden, ausbaufähigen Infrastruktur», schreibt die Stiftung in ihrer Mitteilung.

SFS, Helvetia, Cilander, Geberit: Diverse Firmen sind an Bord

Zweimal sind die St. Galler Bewerbungen für das nationale Innovationsnetzwerk gescheitert. Was lief diesmal anders? Zum einen habe das Vorhaben einen klaren inhaltlichen Fokus, sagt Tinner: Gesundheitstechnik, Digitalisierung und MEM-Industrie. «Wesentlich ist ausserdem sicher die breite Abstützung in der ganzen Ostschweiz.» So stehen Kanton und Stadt St. Gallen, die Kantone Thurgau sowie Appenzell Ausser- und Innerrhoden und das Fürstentum Liechtenstein hinter dem Projekt. Zuvor hatten St. Gallen und der Thurgau getrennte Anläufe für den Innovationspark unternommen – ohne Erfolg. Tinner sagt:

«Dieses Zusammenspannen der ganzen Region – das war es, was die Verantwortlichen bei Switzerland Innovation sehen wollten.»

Auf der Seite der Wissenschaft sind Empa, HSG und Kantonsspital finanziell beteiligt. Aus der Privatwirtschaft sind Swiss Textiles, die Industrie- und Handelskammern St. Gallen-Appenzell und Thurgau, die SFS AG, die Helvetia Gruppe, Vifor Pharma, die Provida AG, das Labormedizinische Zentrum Dr. Risch und die St. Galler Kantonalbank in der Trägerschaft vertreten. Weitere Unternehmen wie Geberit AG, Fisba AG, Leica Geosystems AG, Varioprint AG, Cilander AG sowie Schoeller Textil AG unterstützen den Innovationspark.

Raymond Cron, CEO Switzerland Innovation

Raymond Cron, CEO Switzerland Innovation

Bild: Sandra Ardizzone

Auch Raymond Cron, CEO der Stiftung Switzerland Innovation, betont, die St. Galler Bewerbung habe nebst der inhaltlichen Ausrichtung auch mit ihrer breiten Trägerschaft überzeugt. «So hat dieses Vorhaben gute Chancen.»

Sobald der Kantonsrat das Startkapital bewilligt hat, soll es losgehen

Tinner will mit dem Aufbau des Innovationsparks nicht mehr lange zuwarten. Nächste Woche behandelt das Kantonsparlament die finanziellen Beiträge für das Vorhaben: 500'000 Franken Aktienkapital sowie zehn Millionen Franken à fonds perdu für die Aufbauphase. «Wenn diese Beträge bewilligt sind, werden wir mit der konkreten Aufbauarbeit beginnen und beispielsweise die Stellen für die Geschäftsführung und das Verwaltungsratspräsidium des Innovationsparks ausschreiben.» Nach dem positiven Bescheid aus Bern stehe die Ostschweiz in der Pflicht, das Projekt auch erfolgreich umzusetzen.

«Jetzt müssen wir den Tatbeweis erbringen.»

Und Tinner betont: Der Innovationspark als Knotenpunkt von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik müsse einen konkreten Mehrwert bringen. «Am Schluss will ich Arbeitsplätze.»

Auch die anderen Ostschweizer Kantone und das Fürstentum haben finanzielle Beiträge in Aussicht gestellt. Als Teil des nationalen Netzwerks erhält der Innovationspark Ost ausserdem Zugang zu Bundesmitteln. Es handelt sich um Bürgschaften für Kredite, zum Beispiel zur Beschaffung von teuren Laborgeräten. Derzeit stehen hierfür beim Bund 150 Millionen Franken für das ganze Forschungsnetzwerk bereit.

IHK fordert mehr Beteiligung von der Industrie

Markus Bänziger, IHK-Direktor und Mitglied des Lenkungsausschusses des Innovationsparks Ost.

Markus Bänziger, IHK-Direktor und Mitglied des Lenkungsausschusses des Innovationsparks Ost.

Bild: PD

Die IHK St.Gallen-Appenzell zeigt sich in einer ersten Reaktion erfreut über den Bescheid aus Bern. Der Innovationspark habe grosses Potenzial – gerade für KMU, die nicht über eine eigene umfangreiche Infrastruktur für Forschung und Entwicklung verfügen würden. Allerdings fange die Arbeit jetzt erst an. IHK-Direktor Markus Bänziger sagt: «Konkret gilt es, die Gremien strategisch und operativ optimal zu besetzen. Die Industrie muss sich führungs- und kapitalmässig noch aktiver engagieren und einbinden.»

Der weisse Fleck auf der Schweizerkarte wird gefüllt

Ruedi Noser, FDP-Ständerat und Präsident der Stiftung Switzerland Innovation.

Ruedi Noser, FDP-Ständerat und Präsident der Stiftung Switzerland Innovation.

Bild: PD

Das Netzwerk von Switzerland Innovation zählt derzeit fünf Hauptstandorte: Allschwil, Biel, Dübendorf, Lausanne und Villigen. Der sechste Standortträger in der Ostschweiz ergänze die bestehenden Standorte perfekt, betont Ständerat Ruedi Noser, Stiftungsratspräsident von Switzerland Innovation, gemäss Mitteilung:

«Mit dem Switzerland Innovation Park Ost werden wir in allen Regionen der Schweiz vertreten sein und damit noch gewichtiger werden.»

Auch CEO Raymond Cron hält fest, beim positiven Entscheid für St.Gallen habe auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass die Ostschweiz bislang im Netz von Switzerland Innovation nicht vertreten sei. «Diese Lücke können wir nun schliessen.»

Der Stiftungsrat hat am Mittwoch ausserdem beschlossen, zwei weitere Standorte in der Innerschweiz und im Tessin ins Netzwerk aufzunehmen – allerdings werden sie an den bestehenden Standortträger Zürich angehängt, während St.Gallen ein eigener, neuer Standortträger werden soll.