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Ein Hobby hebt ab

Kommendes Wochenende messen sich in der Waadt die besten Drohnenpiloten der Schweiz. Der Flugsport hat auch in der Ostschweiz eine rasch wachsende Fangemeinde.
Tobias Hänni
schnitt - Drohnen-Seite (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

schnitt - Drohnen-Seite (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Sie sehen aus wie ein Schwarm durchgedrehter Riesenmücken. Und sie tönen auch so. Mit lautem Surren sausen die Renndrohnen durch die leere Halle, rasen knapp über dem Boden und haarscharf an Säulen vorbei. Dirigiert werden die Dinger von vier Piloten, die mit grossen Fernsteuerungen und seltsamen Brillen am Rand der improvisierten Rennbahn sitzen. Obwohl sie diese in hohem Tempo durch die Halle steuern, sehen sie die Quadrokopter, wie die Fluggeräte in der Szene genannt werden, nicht einmal. «Die Kopter sind viel zu schnell, als dass man sie auf Sicht fliegen könnte», sagt der St.Galler Chris Thomann. Eine halbe Sekunde, und das kleine Fluggerät mit den vier Propellern sei ausser Sichtweite.

schnitt - Drohnen-Seite (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

schnitt - Drohnen-Seite (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Was die Piloten hingegen sehen, ist das Bild einer Kamera, die an der Drohne befestigt ist und die Bilder in Echtzeit an die Brille sendet. Die immersive Cockpit-Sicht gibt dem Hobby, das sich derzeit gerade zu einer professionellen Sportart mausert (siehe Text rechts), auch seinen Namen: «First Person View (Sicht aus der Ich-Perspektive) Racing» oder kurz «FPV Racing». Diese Perspektive gebe dem Piloten ein Gefühl von Schwerelosigkeit und absoluter Bewegungsfreiheit, sagt Thomman. Wer sich die Brille das erste Mal aufsetzt, versteht, was er meint. Das Kamerabild vermittelt das Gefühl vom Fliegen, man rast, schwebt und fällt mit der Drohne mit. Trotz des leichten Schwindelgefühls, das sich zum visuellen Eindruck gesellt: Auch der Laie kann nachvollziehen, weshalb sich weltweit eine rasant wachsende Zahl von Menschen – mehrheitlich junge Männer – für den Drohnensport interessiert.

Renndrohnen können eine Höchstgeschwindigkeit von 150 Stundenkilometern erreichen. Abstürze und Kollisionen sind «programmiert», weshalb Rahmen und Propellerarme aus bruchfestem Karbon bestehen. (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Renndrohnen können eine Höchstgeschwindigkeit von 150 Stundenkilometern erreichen. Abstürze und Kollisionen sind «programmiert», weshalb Rahmen und Propellerarme aus bruchfestem Karbon bestehen. (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Einen Besen auf der Nase balancieren

In der Schweiz erreicht die zunehmende Popularität des «FPV Racing» am kommenden Wochenende in Payerne (VD) einen ersten Höhepunkt. Auf dem Gelände des Aviatik-Clusters Aeropole findet dort von Freitag bis Sonntag die erste Schweizer Meisterschaft des noch jungen Flugsports statt. Über 100 Piloten nehmen am dreitägigen Event teil. Sie treten in drei Disziplinen gegeneinander an: Rennen, Freestyle und Endurance, ein Teamwettkampf, bei dem sich die Piloten abwechseln. Die Gewinner der Luftrennen qualifizieren sich für die Euro Championship Ende September auf Ibiza und die World Drone Racing Championship auf Hawaii im Oktober. In Payerne wird auch Chris Thomann mit einem Team von vier Piloten aus der Ostschweiz antreten. Einer von ihnen ist Pornchai Singnaimuang aus Ebnat-Kappel. «Der Speed, das Adrenalin und das Gefühl, als würde man selber im Cockpit sitzen», reizt ihn an den Drohnenrennen.

Doch dieses Gefühl, frei wie ein Vogel durch die Lüfte zu gleiten – und nicht wie ein Stein vom Himmel zu fallen – erfordert ziemlich viel Übung. «Das Fliegen eines Quadrokopters ist, als würde man einen Besen auf der Nase balancieren», sagt Thomann. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Fotodrohnen müsse ein Quadrokopter vom Piloten ständig stabilisiert werden. «Und es ist schwierig, die Distanzen richtig einzuschätzen – zumindest am Anfang.» Erschwerend kommt hinzu, dass die Renndrohnen für ihre Grösse wahnwitzige Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern erreichen. Auf ihr Gewicht von etwa 300 Gramm kommt laut Thomann über ein PS Leistung. Das erlaubt den Piloten eine Beschleunigung, die jeden Rennwagenbesitzer vor Neid ins Steuerrad beissen lässt: Innert einer halben Sekunde erreichen die Drohnen 100 oder mehr Stundenkilometer.

schnitt - Drohnen-Seite (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

schnitt - Drohnen-Seite (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Dass es bei den Rennen immer wieder zu Abstürzen und Kollisionen kommt, erstaunt deshalb nicht. «Die Kopter halten das aus», sagt Thomann. Der Rahmen der Geräte sei aus Karbon. «Was dagegen oft kaputt geht, sind die Propeller.» Deshalb haben wir davon immer einen ganzen Sack voll dabei.» Zur Standardausrüstung eines Piloten gehört auch ein Satz aufgeladener Akkus. Bei der Leistung, welche die Motoren der Quadrokopter erbringen, reicht eine der Lithiumbatterien gerade einmal für etwa drei Minuten Flugspass.

Preise sind stark gesunken

Genauso wichtig wie das Fliegen ist für viele Drohnenpiloten das Basteln an ihren Geräten. Vom Rahmen über die Motoren bis zum elektrischen Flugcontroller können sämtliche Bestandteile separat gekauft, zusammengebaut und angepasst werden. «Es ist deshalb gut, wenn man löten kann», sagt Thomann. Mit dem Hobby könne man sich neben dem Modellbau auch in Elektronik, Funktechnik oder Software-Programmierung vertiefen. » Für angehende Drohnenpiloten, die lieber gleich losfliegen, statt tagelang zu basteln, gibt es aber auch fixfertig zusammengebaute Drohnen. «Die Preise dafür sind in den letzten Jahren stark gesunken», sagt Thomann. So koste ein Einsteigerset mit Drohne, Fernsteuerung und Brille heute noch um die 1000 Franken.

schnitt - Drohnen-Seite (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

schnitt - Drohnen-Seite (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Für viele Piloten bleibt es aber nicht bei einer Drohne. «Die Entwicklung geht schnell voran», sagt David Pommerenke, der sich vor einem Jahr den ersten Quadrokopter gekauft hat. Inzwischen besitzt er bereits drei. Dem Deutschen, der seit ein paar Jahren in Herisau lebt, gefällt an dem Hobby neben dem Fliegen und Basteln vor allem eines: «Man lernt neue Leute kennen.» Regelmässig verabreden sich die Drohnenpiloten aus der Ostschweiz über Facebook oder WhatsApp, um gemeinsam zu fliegen. «Wir treffen uns auf Feldern, Wiesen oder in Waldstücken und stecken mit Fahnen einen Parcours ab», sagt Thomann. Konflikte mit Fussgängern oder Anwohnern gebe es dabei selten. «Wir gehören nicht zu jenen, die über fremde Häuser fliegen und filmen.» Leute, die kritisch nachfragten, was er da treibe, lasse er meist einen Blick durch die Videobrille werfen, sagt Thomann. «In den allermeisten Fällen weicht die Skepsis dann der Begeisterung.»

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