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Interview

Lucas Baumann, Chef des Kosmetikherstellers Rausch : «Ich war bereits als Kind ein grosser Kräuter-Süppli-Koch»

Als Bub experimentierte Lucas Baumann in der Kinderküche mit Salbei und Kamille. Heute führt er in dritter Generation den Kosmetikhersteller Rausch AG in Kreuzlingen. Im Interview erzählt er vom Haarewaschen während der Arbeitszeit, von Yoga im Büro und dem Erfolg des Familienunternehmens.
Desirée Müller
Lucas Baumann kennt alle 87 Kräuter, welche für die Rausch-Shampoos und Crèmes verwendet werden. (Bild: Michel Canonica)

Lucas Baumann kennt alle 87 Kräuter, welche für die Rausch-Shampoos und Crèmes verwendet werden. (Bild: Michel Canonica)

Viele der Mitarbeitenden kennen Sie, seit Sie ein kleiner Bub waren. Wie war es, 2016 deren Chef zu werden?

Es war ein tolles Gefühl. Einige Mitarbeitende haben mich in der Tat schon als Kleinkind durch die Bürogänge krabbeln sehen. Sie fragten mich, ob sie zu mir weiterhin Du sagen dürfen. Das war wirklich herzig. Ich sagte natürlich, dass wir jetzt nichts Neues anfangen. Meine Türe ist sowieso immer offen für unsere 168 Mitarbeitenden. Sie können mit allen Problemen zu mir kommen. Ich denke, dass das ein Familienunternehmen ausmacht.

War die Firma stets ein Thema im Familienalltag?

Ja, wir haben täglich am Mittagstisch darüber gesprochen. Die Rausch AG ist wie ein Kind für meinen Vater und somit wie ein Bruder oder eine Schwester für mich. In den Sommerferien jobbte ich immer in der Firma und durchlief so alle Abteilungen. Ich half dem Gärtner, arbeitete im Labor mit oder packte Shampooflaschen ab. Heute kommt mir das Wissen sehr zugute.

Waren Sie immer schon von der Kraft der Kräuter fasziniert?

Ich war bereits als Kind ein grosser Kräuter-Süppli-Koch und probierte in der Kinderküche Hunderte Kräuter-Kombinationen aus. Auch wenn wir im Wald spazieren gingen, blieb ich oft stehen oder schaute mir die verschiedenen Kräuter an. Auch heute gehe ich gerne in die Natur und lasse mich inspirieren. So kamen mir schon die verrücktesten Ideen für neue Kreationen in den Sinn. Das Thema Kräuter und ihre Wirkung war immer präsent in unserer Familie.

Sie sind gelernter Hotelier und arbeiteten auf Kreuzfahrtschiffen. Wie kam es dazu?

Mein Vater wollte, dass ich eine Banklehre mache, so wie er. Doch ich wollte etwas von der Welt sehen, andere Kulturen kennen lernen und Reisen – ohne ihm dabei auf dem Portemonnaie zu sitzen.

«Deshalb entschied ich mich dann für das Leben auf hoher See. So arbeitete ich vier Jahre lang an Bord von grossen Kreuzfahrtschiffen als Leiter Food and Beverage. »

Ich musste nicht kochen, waschen oder putzen. Brauchte keine Versicherungen oder die Miete zu bezahlen. Ich wusste, dass ich den Zeitpunkt nicht verpassen darf, an dem sich schon so mancher langsam von der realen Welt entfremdet hat. Als ich mich langsam an das Leben gewöhnt hatte, ging ich zurück an Land.

Bevor Lucas Baumann CEO der Rausch AG wurde, arbeitete er vier Jahre lang an Bord von grossen Kreuzfahrtschiffen. (Bild: Michel Canonica)

Bevor Lucas Baumann CEO der Rausch AG wurde, arbeitete er vier Jahre lang an Bord von grossen Kreuzfahrtschiffen. (Bild: Michel Canonica)

War es schwierig, sesshaft zu werden?

Ich habe nahezu die ganze Welt gesehen, arbeitete mit Menschen aus den verschiedensten Nationen zusammen, war jeweils sechs Monate ohne einen Tag Pause im Einsatz und 16-Stunden-Tage waren keine Seltenheit. Da war es schon schwer, wieder zurück in den geregelten Alltag an Land zu finden. Wieder selbst für mich zu sorgen und den Freundeskreis zu reaktivieren. Es war für mich aber immer schon klar, dass ich ins Familienunternehmen einsteigen möchte. Und somit auch, dass ich irgendwann wieder vom Schiff gehe.

2012 war es so weit. Sie starteten erneut bei der Rausch AG.

Genau. Zuerst als Marketingleiter. Zwei Jahre später übernahm ich die operative Führung. Für meinen Vater war es ziemlich schwer, die Leitung abzugeben. Er führte während 50 Jahren als Patron sehr direkt. Ich bin überzeugt, dass man bessere Resultate erzielt, wenn man Ideen gemeinsam als Team entwickelt. Um meine Theorie zu stützen, musste ich wirklich Vollgas geben. Auch heute noch. Ein Feierabendbier um 17 Uhr ist eine Illusion und mein Gehirn denkt, auch wenn ich nach Hause gehe, immer weiter. Auch in den Ferien. Während ich meine eigene Führungsstrategie entwickelte, ging vielleicht auch mal was in die Hose. Aber ich wuchs an meinen Fehlern. Ich versuche, sie einfach nie zweimal zu machen.

Wie geht es der Firma heute?

Das Unternehmen wächst sehr stark. Gerade erhielten wir einen ersten grossen Auftrag aus Russland. Wir müssen sogar schauen, wie wir mit der Produktion hinterher kommen. Wir verfolgen unsere Philosophie seit 129 Jahren konsequent und beziehen wenn irgendwie möglich alle Kräuter von Schweizer Bauern. Zudem liegt die gesamte Wertschöpfungskette in Kreuzlingen unter einem Dach. Sehr teuer und wahnsinnig aufwendig. Doch so funktioniert das Rausch-System nun einmal und wir können so auch die beste Qualität garantieren. Darauf sind wir sehr stolz.

Wie ist die Stimmung im Unternehmen?

Wir «giggeln» viel und ich persönlich hab’s sehr gerne glatt. Auch die Wertschätzung der Mitarbeitenden liegt mir am Herzen. So veranstalten wir oft Mitarbeiterfeste...

«...und bieten Yoga im Sitzungszimmer an. Und ja – ich mache da auch gerne mit. Obwohl ich sehr ungelenkig bin. »

Auch nutzen die Mitarbeitende den hauseigenen Kräutergarten mit Grill, Hängematte und grossem Rasen, und verbringen dort ihre Pausen.

Bevor ein neues Rausch-Produkt auf den Markt kommt, wird es von Lucas Baumann ausgiebig getestet. (Bild: Michel Canonica)

Bevor ein neues Rausch-Produkt auf den Markt kommt, wird es von Lucas Baumann ausgiebig getestet. (Bild: Michel Canonica)

Benutzen auch Sie die Produkte?

Ich teste jedes neue Produkt ausgiebig, bevor es auf den Markt kommt. Wir machen keine Tierversuche, sondern testen die Produkte während der Entwicklung selbst. Jeder Mitarbeitende darf mitmachen und neue Shampoos, Lotionen oder Öle ausprobieren und kritisch beurteilen. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich einen Grossteil der Arbeit unter der Dusche verbringe.

Rausch AG

Seit 129 Jahren stellt das Unternehmen Kosmetikprodukte wie Shampoos und Hautcrèmes her. Nur vier Personen kennen die komplexen Rezepturen, die aus 87 Kräutern zusammengesetzt sind. Lucas Baumann hat die Firma 2016 von seinem Vater übernommen.

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