Ein Fünftel mehr Einbrüche

Die Kriminalstatistik des Kantons St. Gallen lässt den Kanton im nationalen Vergleich gut dastehen. Kopfzerbrechen machen der Kriminalpolizei internationale Banden sowie die steigende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizei und Beamten.

Nina Ladina Kurz
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Spurensicherung nach einem von 300 Einbrüchen: Im November 2012 wurde in der Region St. Gallen eine Einbruchwelle verzeichnet. (Bild: Urs Jaudas)

Spurensicherung nach einem von 300 Einbrüchen: Im November 2012 wurde in der Region St. Gallen eine Einbruchwelle verzeichnet. (Bild: Urs Jaudas)

ST. GALLEN. Die Kriminalität im Kanton St. Gallen hat im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent zugenommen. Insgesamt wurden im Kanton 30 345 Straftaten begangen – dies sind rund 1800 Fälle mehr als 2011. Das ist im nationalen Vergleich ein gutes Fazit: Gesamtschweizerisch hat die Kriminalität um neun Prozent zugenommen.

Innerkantonal besteht ein Graben zwischen ländlichen und urbanen Gebieten. In ländlichen Regionen wurden bis zu 20 Straftaten auf 1000 Einwohner registriert, in Ortschaften wie St. Gallen, Wil oder St. Margrethen waren es mindestens 80. Trotzdem: «St. Gallen darf als sicherer Kanton gelten», sagt Polizeikommandant Bruno Zanga.

Mehrheitlich Vermögensdelikte

Am häufigsten machten sich Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren einer Straftat schuldig. Der Ausländeranteil der Beschuldigten lag 2012 bei 52,5 Prozent und damit höher als im Vorjahr mit 49,7 Prozent. Mit 69,5 Prozent machten die Vermögensdelikte den grössten Anteil der Straftaten aus. Im letzten Jahr wurden 17 134 Straftaten gegen das Vermögen angezeigt, eine Zunahme von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Einbruchwelle im November

Besonders markant gestiegen sind 2012 die Einbruchszahlen. Die Einbrüche – statistisch als Vermögensdelikte erfasst – nahmen gegenüber dem Vorjahr um 21,5 Prozent zu. Insgesamt kamen 2804 Fälle Einbruch- und Einschleichdiebstähle zur Anzeige. In 48 Prozent der Fälle hatten es die Einbrecher auf Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser abgesehen.

Die grösste Einbruchwelle überrollte St. Gallen im letzten November: Fast 300 Mal wurde in den ersten drei Novemberwochen eingebrochen. «Besonders betroffen waren grössere Gemeinden mit Zentrumsfunktion sowie Regionen in Grenznähe», sagt Bruno Fehr, Chef der Kriminalpolizei. Die Ermittlungen seien schwierig. «Früher waren die Täter ortsansässig, heute ist es nahezu umgekehrt. Internationale Banden haben ihr Vorgehen professionalisiert, verfügen über ein dichtes Kontaktnetz und sind bis hin zu den Absatzkanälen arbeitsteilig organisiert», sagt Fehr.

Fahrzeugaufbrüche halbiert

Eine deutliche Abnahme verzeichnet die Kriminalpolizei bei den Autoaufbrüchen sowie Diebstählen aus Fahrzeugen. Besonders die Zahl der Fahrzeugaufbrüche ging um 26,1 Prozent auf 903 Fälle zurück – in der Stadt St. Gallen haben sich die Aufbrüche mit 195 zahlenmässig sogar halbiert.

Die Täter seien primär Migranten aus Nordafrika. «Die Spurensicherung anhand von DNA-Proben hat sich als äusserst effizient erwiesen», sagt Fehr. Die Massnahmen würden weitergeführt.

Drohungen gegen Staatsgewalt

Ein besonderes Augenmerk legt die Kriminalpolizei auf die steigende Gewaltbereitschaft gegenüber der Polizei und den Verwaltungsbeamten. Solche Straftaten haben innert zwei Jahren um einen Drittel zugenommen. «Die Zunahme ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung. Wir haben unseren Mitarbeitern nahe gelegt, Aggressionen und Drohungen zur Anzeige zu bringen», sagt Fehr.

Besonders an den Wochenenden sei die Lage prekär. «Statistisch gesehen haben wir einen Spitzenwert der Straftaten an den Wochenenden – mehrheitlich in den Nächten auf Samstag und Sonntag. Es wird gespuckt und gedroht – meist im Schutz einer Gruppe», sagt Fehr. Die Polizei hätte ihre Präsenz an den Wochenenden verstärkt, aber mit «rein polizeilichen Massnahmen ist dieser Entwicklung nicht Einhalt zu gebieten».

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