Ein Fenster zur Aussenwelt dank OhO

Eine St.Galler Seniorin ist seit Monaten an ihr Zuhause gebunden. Ein neuer Fernseher lässt die Genesungszeit etwas schneller vergehen.

Desirée Müller
Hören
Drucken
Teilen
Die St.Galler Seniorin verbrachte mehrere Monate im Spital. Nun freut sie sich über einen Lichtblick.

Die St.Galler Seniorin verbrachte mehrere Monate im Spital. Nun freut sie sich über einen Lichtblick.

Symbolbild: Getty

Für die 71-jährige Pensionärin aus St.Gallen, die mit Namen nicht genannt werden möchte, gibt es einen kleinen Lichtblick am Ende des Tunnels. Nach sechs Operationen an der Hüfte während dreier Monaten ist die St.Gallerin wieder zu Hause. Dreimal kugelte ihr das neue Hüftgelenk nach dem Eingriff jeweils in der Nacht aus und eine Entzündung führte zu einer Vereiterung. Starke Schmerzen lassen auch ein halbes Jahr später nur die nötigsten Besorgungen zu. Und dann ging noch ihr alter Fernseher kaputt. Momentan eine wichtige Verbindung zur Aussenwelt für die geduldige Patientin. Die 71-Jährige erzählt:

«Der Ton ging nicht mehr und ich musste die Untertitel lesen. Das ist in meinem Alter sehr anstrengend.»

Ihre Sozialarbeiterin erfuhr davon und reichte bei der Spendenaktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» einen Antrag für einen neuen Fernseher ein. «Alleine könnte ich mir nie und nimmer ein neues Gerät leisten. Ich hätte halt einfach die Bilder angeschaut», sagt die bescheidene Rentnerin. So bekomme sie wenigstens etwas mit, was in der Welt geschehe. Vor allem Gerichtssendungen gefallen ihr. Da habe es stets spannende Fälle dabei. «Es ­bedeutet mir so viel, dass ich bald ­wieder mit Ton Fernsehschauen darf. Vielen, vielen Dank», sagt sie an die OhO-Spender gerichtet.

Die Lebensgeschichte der St.Gallerin ist bewegend. «Schon mein Leben lang fiel ich immer wieder in Ohnmacht. Die Ärzte sprachen von einer Blutarmut.» An die Anzahl der Knochenbrüche und sonstige Verletzungen, die sie sich wegen der Stürze hinzugezogen hatte, kann sie sich nicht erinnern. Sie habe schon so manches Spital von innen gesehen, sagt sie und lächelt traurig. Eine Operation folgte der nächsten. Manchmal träume sie von einer Auszeit, von Ferien. Auf die Frage, wann sie das letzte Mal weggefahren sei, antwortet sie:

«Als junge Frau war ich einmal in Griechenland. Seither waren meine einzigen Ausflüge ins Spital.»

Erst zwanzig Jahre nach ihrem ersten Sturz stand eine neue Diagnose im Raum: Epilepsie. Nun wurde so vieles klar. Die Krampfanfälle führten zur plötzlichen Ohnmacht. Seit sie die richtigen Medikamente nehme, gehe es ihr viel besser. «Holz alange», sagt sie und klopft auf den Tisch. Doch das Leben gönnte ihr keine Pause. Die Hüftschmerzen nahmen zu und eine Operation wurde unumgänglich. Der Selbstbehalt der Arztkosten wurde fällig. Die Ostschweizerin konnte sie mit ihrem letzten Ersparten gerade noch so begleichen. Die Pensionärin ist ­alleinstehend und hat keine Kinder. Auf Unterstützung einer Familie kann sie somit leider nicht zählen. Vor allem in schlechten Zeiten fühlt sie sich oft alleine und wäre um etwas Hilfe im Haushalt froh. Einen lieben Nachbarn habe sie aber, sagt sie. Und generell gehe es vielen Menschen viel, viel schlechter als ihr.

«Ich bin dankbar für das, was ich habe. Auch wenn es nicht viel ist.»