Ein Elefanten-Clan rückt zusammen

RAPPERSWIL-JONA. Die Elefanten des Circus Knie werden sesshaft – eine verschworene Gruppe, die unzählige Reisen, Trennungen, Wiedersehen, Reibereien und Eskapaden erlebt hat. Langweilig wird es auch daheim nicht: Soeben ist ein Elefantenbulle aus Polen eingetroffen.

Adrian Vögele
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Wasser, Marsch! Zwei Knie-Elefanten vor dem Bad im Genfersee im Herbst 2014. Künftig baden sie daheim im Elefantenpark. (Bild: VALENTIN FLAURAUD (KEYSTONE))

Wasser, Marsch! Zwei Knie-Elefanten vor dem Bad im Genfersee im Herbst 2014. Künftig baden sie daheim im Elefantenpark. (Bild: VALENTIN FLAURAUD (KEYSTONE))

Sie haben ihn noch nicht gesehen. Dennoch wissen die Elefantenkühe in Knies Kinderzoo, dass ein Bulle in der Nähe ist: Sie können ihn riechen und tauschen Rufsignale mit ihm aus. Anfang August wurde das Männchen namens Thisiam aus einem polnischen Zoo nach Rapperswil gebracht. Hier muss der Bulle erst 30 Tage in Quarantäne abwarten, bevor er die Kühe kennenlernen darf. «Wir nutzen diese Zeit für intensive medizinische Tests», sagt Zirkusdirektor Franco Knie.

Mit Thisiam bricht eine neue Ära an. Er tritt in die Fussstapfen seines Vaters Siam, der in den 1950er- und 60er-Jahren zu den Knie-Elefanten gehörte und zwei Junge zeugte. Seither gab es in Rapperswil weitere vier Mal Elefantennachwuchs, die Väter waren aber Bullen aus anderen Zoos. Im neuen Elefantenpark können die Knies nun selber Bullen gemäss modernen Standards halten und wollen sich ganz der Zucht der Dickhäuter widmen. Deshalb bleiben künftig alle Elefanten daheim. Wenn die letzten Zirkuselefanten Dehli und Ceylon Ende Oktober von der Tournée zurückkehren, sind die Elefantennummern des Circus Knie Geschichte.

Leitkuh hat gewechselt

2004 traten noch sieben Elefanten im Zirkus auf. Seither ist ihre Zahl in der Manege eher gesunken, da ältere Kühe in die verdiente Pension im Kinderzoo geschickt wurden. Aber egal, ob sie nun gerade im Zirkus oder im Zoo sind: Die Knie-Elefantenkühe gehören alle zur selben Herde – die meisten Tiere kennen sich seit Jahrzehnten (siehe Grafik). Entsprechend herzlich würden die Zirkuselefanten jeweils nach Ende der Tournée im Zoo begrüsst, sagt Franco Knie.

Doch manche Abschiede sind für immer. Im November wurden die drei alten Kühe Sumatra, Siri und Patma, die unter Altersbeschwerden litten, von der Gruppe getrennt und fortan separat gehalten. Im Juni starb Sumatra, die anderen beiden mussten vor kurzem eingeschläfert werden. Patma, die Älteste, war die unumstrittene Leitkuh der Herde. Mit ihrem friedfertigen Charakter verstand sie es laut der Zoo-Leitung wunderbar, die jüngeren Tiere zu beruhigen. Ausserdem pflegte sie während Jahren eine ungewöhnlich innige Freundschaft mit dem Nashornmännchen Bully, das nebenan lebte und dem sie jeweils über den Zaun hinweg mit dem Rüssel den Kopf streichelte.

Patmas Rolle in der Herde hat Claudy übernommen, ebenfalls ein sehr fürsorgliches Tier. Sie ist die Grossmutter des Elefantenkalbs Kalaya, das 2013 im Zoo zur Welt kam und sofort zum Publikumsliebling avancierte. Wenn die quirlige Kalaya bisweilen von ihrer Mutter Sandry zurechtgewiesen wird, rennt sie zur Grossmutter. «Es ist wie bei den Menschen», sagte Franco Knie einmal dazu – «die Grosseltern sind eher nachsichtig, die Eltern streng.»

Neue Freundschaft, alter Streit

Im Juni erhielt der Zoo die Nachricht, dass Bulle Thisiam im August eintreffen werde. Die Elefantenkuh MaPalaj, die dieses Jahr ebenfalls auf Tournée war, wurde deshalb zurück in den Zoo gebracht. MaPalaj gehört zu den jüngeren Kühen, von denen sich die Knies Nachwuchs erhoffen. Bereits zeigt sie ihren mütterlichen Instinkt – sie habe eine enge Beziehung zur kleinen Kalaya entwickelt, sagt Franco Knie.

Nicht immer gut verstanden hat sich MaPalaj mit Ceylon: Die beiden Elefanten bekamen vor einigen Jahren auf Tournée Streit und mussten getrennt werden. Mittlerweile hat sich ihr Verhältnis wieder entspannt.

Die Diva und die Schüchterne

Eine Diva und eine Berühmtheit unter den Knie-Elefanten ist Sabu: Sie ist diejenige, die beim Gastspiel des Zirkus in Zürich 2010 auf eigene Faust im See baden ging und durch die Innenstadt spazierte. Kurz darauf, in Wettingen, brach sie erneut aus und nahm Kurs auf einen Fluss in der Nähe. In der Zirkuselefanten-Gruppe gab es zudem Unruhe, weil Sabu Ambitionen zeigte, Leitkuh zu werden. Sie wurde dann zurück nach Rapperswil gebracht, wo sie wieder lernte, sich in die Herde einzuordnen. Trotz ihrer Allüren wurde sie im Zirkus vermisst: Die übrigen Zirkuselefanten waren besorgt über ihr Verschwinden und suchten sie.

Das Gegenstück zu Sabu ist Rani: Sie ist eine scheue Einzelgängerin und eher unterwürfig. Seit 2012 ist sie in einem belgischen Zoo auf Bullenbesuch. In Rapperswil hat man Rani aber nicht vergessen: Bald komme sie nach Hause, kündigt Zoo-Direktor Benjamin Sinniger an. Genaueres will er noch nicht sagen. Es bleibt somit spannend mit den Knie-Elefanten – auch ausserhalb der Manege.