Ein Bohrplatz an der Thurgauer Kantonsgrenze

Das Bundesamt für Energie informierte in Schaffhausen über die dritte Etappe im Auswahlverfahren für ein Atommüll-Endlager in der Schweiz. An der Thurgauer Grenze kommt ein Bohrplatz zu liegen.

Thomas Güntert
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Zusätzliche Informationen gab es nach der Veranstaltung an den Infotischen der einzelnen Fachbereiche. (Bild: Thomas Güntert)

Zusätzliche Informationen gab es nach der Veranstaltung an den Infotischen der einzelnen Fachbereiche. (Bild: Thomas Güntert)

Rund 100 Besucher kamen zur Informationsveranstaltung nach Schaffhausen. Nach dem Bundesratsentscheid, die Gebiete Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost weiter zu untersuchen, startet das Sachplanverfahren in die dritte und letzte Etappe. Im Auftrag des Bundesrats wird die Nagra an den drei Standorten die Vor- und Nachteile einer Lagerung schwach und mittelradioaktiver sowie hoch radioaktiver Abfälle vertieft untersuchen. Das Rahmenbewilligungsgesuch wird voraussichtlich 2024 eingereicht und muss von Bundesrat und Parlament genehmigt werden. Mit einem Entscheid ist bis 2030 zu rechnen und der Baubeginn soll frühestens 2045 erfolgen.

Sieben Prozent der Bevölkerung betroffen

Am Standort Zürich Nordost wird das Gebiet Isenbuck-Berg zwischen Marthalen und Rheinau favorisiert. Das eigentliche Tiefenlager wird unter einer Standortgemeinde zu liegen kommen. Gemeinden im Planungsgebiet können an der Oberfläche von Zugangsstollen und Bauten wie Verpackungsanlagen ebenfalls tangiert werden. Einzige Standortgemeinde im Kanton Thurgau ist die Gemeinde Schlatt. Zudem befinden sich Basadingen-Schlattingen, Diessenhofen und Neunforn im Planungsperimeter. Wenn der Standort Zürich Nordost ausgewählt würde, wären rund sieben Prozent der Bevölkerung des Thurgaus davon betroffen.

Die Regionalkonferenz Zürich Nordost wird weiterhin im Projekt mit einbezogen. Sie besteht aus über 120 Mitgliedern, wovon 13 aus dem Thurgau. Marianna Frei, Gemeindepräsidentin von Schlatt und Mitglied der Regionalkonferenz, erklärte, dass der Thurgau wie Zürich und Schaffhausen zum geplanten Atomendlager stehe. Mit den Worten «Wir sind kritisch, aber konstruktiv» brachte es der Schaffhauser Regierungsrat Walter Vogelsanger auf den Punkt. Er betonte, dass die Sicherheit von Mensch und Umwelt bei der Standortauswahl absolute Priorität haben müsse. Die Kantone fordern zudem, dass die Lagerkonzepte verbessert werden.

Bohrplatz von einer Hektare

Patrick Senn, bei der Nagra Bereichsleiter Projektierung & Bau geologische Tiefenlager, erklärte, dass seit Ende Oktober zwischen Trüllikon und dem Dickihof ein etwa eine Hektare grosser Bohrplatz gebaut wird. Der Standort befindet sich direkt an der Kantonsgrenze zum Thurgau in der Nähe des Landwirtschaftsbetriebs «Chrummenrüti». Ab Mai werden die bis zu 2000 Meter tiefen Bohrungen acht Monate lang täglich rund um die Uhr ausgeführt, damit der Aufbau des Gesteins genau bestimmt werden kann. Danach wird der Platz bis auf ein Langzeitbeobachtungssystem zurückgebaut. Insgesamt wurden im Weinland neun Gesuche für Tiefenbohrungen eingereicht. Nach der Veranstaltung konnten sich die Besucher an den Infotischen informieren, wobei der Projektleiter Jürg Hertz den Thurgau vertrat. Die Infoveranstaltung findet am 31. Januar, 19 Uhr, in Jestetten statt.