Ein Boden für die Ewigkeit: Wie Sanierungsarbeiten in der St.Galler Stiftsbibliothek zur Touristenattraktion werden

Der Boden des Barocksaals in der Stiftsbibliothek wird saniert. Den Arbeitern wird genauestens auf die Finger und Werkzeuge geschaut. Ein Blick über die Schultern eines Restaurators.

Raphael Rohner
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Staunende Besucherinnen und Besucher ist sich die St.Galler Stiftsbibliothek gewohnt. Nebst kostbarsten Handschriften und Büchern ist der Barocksaal derzeit um eine Attraktion reicher: Restaurateure sind dabei, den über 250-jährigen Holzboden zu säubern und auszubessern. In den Ritzen des rund 270 Quadratmeter grossen Holzbodens sammelte sich über die Jahrzehnte allerhand Dreck an.

Restaurator Hanspeter Strang. (Bild: Raphael Rohner)

Restaurator Hanspeter Strang.
(Bild: Raphael Rohner)

Restaurator Hanspeter Strang hält ein Konfitüreglas voller braungrauer Fusseln und Fasern in der Hand: «Das ist etwa die Menge, die wir innerhalb eines Quadratmeters aus dem Boden holen. Hauptsächlich besteht der Schmutz aus Staub aus der Luft.» Mit Feilen und feinen Messern wird jede noch so kleine Fuge und Spalte des Bodens gesäubert. Keine leichte Arbeit für den Wiler und sein Team: «Es ist eine akribische Büez, die viel Fingerspitzengefühl und Fleiss erfordert.» 

Passgenaue Holzstücke

Nicht nur zwischen dem alten Holz wird gearbeitet, auch der Belag des Bodens bekommt eine Frische-Kur. Die eingelegten Holzstücke wurden über die Jahre gräulich-braun, und der Schmutz konnte sich im Holz festsetzen. Die Restaurateure testeten über ein Jahr lang Möglichkeiten und Mittel, den Boden schonend zu reinigen. «Wir legen nun in Alkohol getunktes Flies auf das Holz, welches den gröbsten Dreck löst», erklärt Strang.

Doch wird nicht nur gereinigt, sondern auch ausgebessert. Teils werden ganz feine Stäbchen und Plättchen aus neuem, altem Holz eingelegt, die dann genau in die Ritzen passen:

«Der Boden hat zum Teil kleine Löcher, oder es fehlen kleinste Stücke. Dazu legen wir Holz ein, welches das gleiche Alter hat wie die bereits verbauten Stücke. So wird der Boden wieder komplett», sagt Hanspeter Strang und hämmert behutsam ein dreieckiges Stück passgenau in seine Lücke.

Besucher können Handwerkern über die Schultern schauen

Während die Handwerker feilen und bürsten, läuft eine Gruppe Besucher an der Baustelle vorbei. Drei Asiaten bleiben erstaunt stehen und machen Bilder mit ihren Smartphones. Der Barocksaal der Stiftsbibliothek bleibt während der Arbeiten normal geöffnet. «Die Leute können sehen, wie diese Arbeit ausgeführt wird, und bekommen sicher interessante Einblicke», sagt der Stiftsbibliothekar Cornel Dora.

Der Boden des Barocksaals...
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... in der St.Galler Stiftsbibliothek wird saniert. Dazu...
...wird das Holz des Bodens erst gereinigt. Teilweise...
...müssen kleine Holzteile neu zugeschnitten werden. Diese werden dann...
...mil­li­me­ter­ge­nau eingepasst. In den Fugen...
...sammelte sich Dreck über die Jahrzehnte.
Der Stiftsbibliothekar ist überzeugt: «Dieser Boden...
...hält für die Ewigkeit.» Für die Restauratoren, wie...
...Hanspeter Strang, ist die Arbeit etwas Besonderes: «Davon erzähle ich noch meinen Enkeln.»
Der Unterschied vom neuen (links) zum alten Bodenbelag ist deutlich sichtbar.

Der Boden des Barocksaals...

Bild: Raphael Rohner

Ein älterer Herr mit grauen Haaren bückt sich über die Absperrung und beginnt mit einem Handwerker zu reden. «Die Leute fragen uns jeden Tag aus über unsere Arbeit – das ist schon etwas ganz Besonderes», sagt Strang. Diese Aufmerksamkeit in Kombination mit dem aussergewöhnlichen Arbeitsort sei etwas, was er noch seinen Enkeln erzählen werde, ergänzt er.

«Der Boden wurde immer dreckiger»

Stiftsbibliothekar Cornel Dora(Bild: Raphael Rohner)

Stiftsbibliothekar Cornel Dora
(Bild: Raphael Rohner)

Für die Stiftsbibliothek St.Gallen seien die Arbeiten am Boden ein Segen, sagt Cornel Dora: «Wir haben beobachtet, dass der Boden immer dreckiger wird. Zudem mussten hier und da Stücke ausgebessert werden. Jetzt bekommt der Boden in unserem Saal endlich die Kur, die er braucht.» Die Ausbesserungsarbeiten seien wesentlich, um den Boden für die Zukunft zu schützen.

Dieser Schutz hat seinen Preis: Für die rund 270 Quadratmeter fallen hohe Kosten an – wie viel genau, mag Dora nicht verraten. Diese seien aber durchaus gerechtfertigt: «Mit der richtigen Pflege wird dieser Boden bis in die Ewigkeit halten», sagt Dora mit einem zufriedenen Blick auf das Holz. Die Arbeiten sollen Ende Februar abgeschlossen sein.

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